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Abgetrennter Unterarm 

Susoann(s)che, zeh Johr oald, wor mit ihräm Babba, de Ginthä, ähn begnoadete Hobbibastlä, im Herbst uf nä groß Wiss. Die Zwaa ließe ähn Drache stei(s)che. Es wor ähn großä, buntä Draache, den de Vaddä selbst gebastelt hodd. Ä flog wunnäschee, wor awä fer des kloa Mäd(s)che schwieri(s)ch zu hoalde.
Se worn net die Eunzi(s)che uf de Wiss. Noch draa annern Kinnä hippte doa rim, aach de sadisti(s)ch väoalagte Fritz. Dä wusste net ob ä neidi(s)ch seun sollte, ä hode nur ähn kloanes Fluugspielgerät, orrä obä lästern sollte. Ä machte doann des letztere.
„Wo will denn de Riesedraache mit däm kloane Kinn hie?“ dahtä spodde, „des hodd deun Babba awä schlä(s)cht gemacht. Mä sieht sofortt, doassä  net gekaaft seun, sunnern zusoamme geforzt is. Wie des Ding nur aassieht, zum Dodlache.“
„Duh dän Bleedbu net beachte!“ schluch Ginthä seunäm Susoann(s)che vo, „so ähn kloanä Depp koann halt nur mit ähn kloane Drache umgehe.“
Deruf koannt de Fritz nix äwiddern, ä wor net schloachferdi(s)ch un zählte halt net zu de schlaue Kinnä im Ortt.


Vädieft in ihr Spiel guckte des Mäd(s)che glickli(s)ch und ufmerksoam in die      Hee(s)ch. Es wor ziemli(s)ch stermi(s)ch un des Kinn konnte die Schnur kaam hoalde.
Doa bassierte es: Ähn stackä Wind äfasste de Draache un Susoann(s)che stolperte hie un hielt die Kordel nur noch oan oanä Hoand, mit de annern stitzte se si(s)ch ufen Boode uf.
Es knackte un de Unnäoarm riss ab un word mit däm Draache forttgedraache.
Susoann(s)cche schrie vo Schmärze uf. De Babba roannte hinnähä un suchte des oabgedrennte Oarmdeil, des ä a glaa foand.
De Fritz lachte un rief:“ I(s)ch hobb`s gewusst. Eiä zusoammegeforzt Ding duht nix tauge.“
Susoann(s)che kriggte de Spruch vo däm Bu  net mit un musste, väständ-           li(s)chwaas greune. De Fritz soate noch:“ Woas seun deroa so schlimm? De Oarm werd wirrä oagenäht, des weje braach mä net zu piense.“
Ähn anner Bu moante: “ Sowas koann jädäm moal bassiern, i(s)ch besuch di(s)ch a im Kroankehaas, Susoann(s)che.“
De Babba seun goanz blaach worn, fasste si(s)ch awä un delefonierte.
Korze Zaat spätä äschien ähn Hubschraubä un des Mäd(s)che un ihr Babba seun noach Fronkfortt inne Spezialklinik geflohe worn.

                 So noach annerdhalb Stunne koam ähn Azzt zim Vaddä, dä vo de Operatiossoal gewadd hodd.
„Wä hobbe de Unnäorm wirrä oagebabbt un oagenäht“, informierte de Moann im Kittel,   „ihr Dechder(s)che schläft jetz. Se braacht Ruhe.
I(s)ch muss ihne noch woas anners väklärn“, soate de Azzt, „normoaläwaas seun`s so doass de Unnäoarm noach vorn bewä(s)cht wern koann. Des werd in Zukunft baam  Susoann(s)che nemmä me(s)chli(s)ch seun. Es koann defier de Unnäoarm noach hinne bewä(s)che.  Es wor laadä net anners zu mache, äh Stick vom Ellebohe hodd nämli(s)ch gefehlt.“
„Wolle se mi(s)ch väuhze?“ daht Ginthä väär(s)chert antwortte, „i(s)ch seun zim Scherze net ufgelä(s)cht.“
De Azzt nickte. „I(s)ch västeh se“, behaaptetä ,“i(s)ch koann mi(s)ch laadä nur wirrähole, s`ging net anners. Wenn des Kinn Limonoad drinke will orrä Eis lutsche, hoddes joa noch de annä Oarm. Des kloa Mäd(s)che werd awä defier annern Sache bewerkstelli(s)che ,von denne wä nur draame kenne.“
„So? Wel(s)che doann?“ froate de Vaddä äziernt.
„Des Kinn koann mit de Unnäoarm hinne prima de Ricke kratze un zwa oan jedä Stell. Un doann koannes noch goanz laa(s)cht Daschegeld vädiene. Statuebastlä un Moalä reisse si(s)ch derim so ähn Modell zu kriehe. I(s)ch selwä seun a ähn Hobbimoalä. Oan de Volkshochschul duh i(s)ch ähn Kurs besuche, wo mä väsuche Picasso-Billä noachzumoale.
Des kloa Susoann(s)che kennt dortt Modell stehe un mit de vädrehte Unnäoarm ähn Gloas Limonoad iwwern Kopp hoalde.“
De mitfiehlend Babba wusste net, ob ä greune orrä lache sollt. De Moann im Kittel soate noch:
                  „Seun de Unnäoarm oabaddi(s)ch värenkt
                    seun des ähn Modiev fer Moalä, wie geschenkt.“



 

Übersetzung: Susannchen, zehn Jahre alt, war mit ihrem Papa, dem Günther, einem begnadeten Hobbybastler, im Herbst auf einer großen Wiese. Die zwei ließen einen Drachen steigen. Es war ein großer, bunter Drachen, den der Vater selbst gebastelt hatte. Er flog wunderschön, war aber für das kleine Mädchen schwierig zu halten.
Sie waren nicht die Einzigen auf der Wiese. Noch drei andere Kinder sprangen dort rum, auch der sadistisch veranlagte Fritz. Der wusste nicht ob er neidisch sein sollte, er hatte nur ein kleines Flugspielgerät, oder ob er lästern sollte. Er machte dann das letztere.
„Wo will denn der Riesedrachen mit dem kleinen Kind hin?“ spottete er, „ das hat dein Papa aber schlecht gemacht. Wie das Ding nur aussieht, zum Todlachen.“
„Beachte den Blödbub nicht!“ schlug Günther seinem Susannchen vor, „so ein kleiner Depp kann halt nur mit einem kleinen Drachen umgehen.“
Darauf konnte der Fritz nichts erwidern, er war nicht schlagfertig und zählte im Ort nicht zu den schlauen Kindern. 


    Vertieft in ihr Spiel, schaute Susannchen glücklich und aufmerksam in die Höhe. Es war ziemlich stürmisch und das Kind konnte die Schnur kaum halten.
Da passierte es: Ein starker Wind erfasste den Drachen und Susannchen stolperte hin und hielt die Kordel nur noch an einer Hand, mir der anderen stützte sie sich am Boden auf.
Es knackte und der Unterarm wurde mit dem Drachen fortgetragen.
Susannchen schrie vor Schmerzen auf. Der Papa rannte hinterher und suchte das abgetrennte Armteil, das er auch gleich fand.
Der Fritz lachte und rief: „Ich hab`s gewusst. Euer zusammengefurztes Ding taugt nichts.“
Susannchen kriegte den Spruch von dem Jungen nicht mit und musste, verständlicherweise, weinen.
Der Fritz sagte noch: „Was ist denn daran so schlimm? Der Arm wird wieder angenäht, deswegen braucht man nicht zu piensen.“
Ein anderer Bub meinte: „Sowas kann jedem mal passieren. Ich besuch dich auch im Krankenhaus, Susannchen.“
Der Papa wurde ganz bleich, fasste sich aber und telefonierte.
Kurze Zeit später erschien ein Hubschrauber und das Mädchen und ihr Papa wurden nach Frankfurt in eine Spezialklinik geflogen.

                     So nach eineinhalb Stunden kam ein Arzt zum Vater, der vor dem Operationssaa gewartet hatte.
„Wir haben den Unterarm wieder angeklebt und angenäht“, informierte der Mann im Kittel, „ihr Töchterchen schläft jetzt. Es braucht Ruhe.
Ich muss Ihnen noch was erklären“, sagte der Arzt, „normalerweise ist es so, dass der Unterarm nach vorne bewegt werden kann. Das wird in Zukunft beim Susannchen nicht mehr möglich sein. Es kann dafür den Unterarm nach hinten bewegen. Es war leider nicht anders zu machen, ein Stück vom Ellenbogen hat nämlich gefehlt.“
„Wollen sie mich veruhzen? (veralbern)“ antwortete Günther verärgert, „ich bin zum Scherzen nicht aufgelegt.“
Der Arzt nickte. „Ich verstehe sie“, behauptete er, „ich kann mich leider nur wiederholen, es ging nicht anders. Wenn das Kind Limonade trinken will oder Eis lutschen, hat es ja noch den anderen Arm. Das kleine Mädchen wird aber dafür andere Sachen bewerkstelligen, von denen wir nur träumen können.“
„So? Welche dann?“ fragte der Vater erzürnt.
„Das Kind kann mit Unterarm hinten prima den Rücken kratzen und zwar an jeder Stelle.
Und dann kann es noch ganz leicht Taschengeld verdienen. Statuebastler (Bildhauer) und Maler reißen sich darum so ein Modell zu kriegen. Ich selber bin auch ein Hobbymaler. An der Volkshochschule besuche ich einen Kurs, bei dem wir versuchen Picasso-Bilder nachzumalen. Das kleine Susannchen könnte dort Modell stehen und mit dem verdrehten Unterarm ein Glas Limonade über dem Kopf halten.“
Der mitfühlende Papa wusste nicht ob er lachen oder weinen sollte. Der Mann im Kittel sagte noch:
          „Ist der Unterarm abartig verrenkt
           ist das ein Motiv für Maler, wie geschenkt.“