Ekel (auf dieser Seite unten noch die Anekdote Eklige Kinderspiele)
I(s)ch besuchte mit meunä Familje wirrämoal äh Eisdiel. Uugefäh zwoanzi(s)ch Gest schleckte Eis orrä droanke ir(s)chendwoas. Oam Nachbardisch hockte ähn jingä Pär(s)che. Deitli(s)ch heerte i(s)ch, woas die Fraa zum Moann soate: „Mussde so deun Kaffee schlerfe? De is ja ekelhaft!“ De so Oagesprochene guckte leidend, so als hädd män velli(s)ch zu Unrä(s)cht seu Visaa(s)ch poliert. Ä pustete in seu Tass, die ä vo seunäm Meil(s)che hielt un schlerfte wirrä. „Jetz benimm di(s)ch endli(s)ch!“ kritisierte die Fraa äneit, „i(s)ch muss glei bre(s)che vo Ekel. Alle Leit gucke scho uf di(s)ch Sau. Woas solle die nur vo dir denke?“ Mi(s)ch steerte des Schlerfe iwähaapt net. Woahrscheunli(s)ch woar die jung Fraa die eunzi(s)chste Päson in de Eisdiel, die des Drinkvähalte vo däm junge Moann bemerkte. „Mi(s)ch steert Kaffeegeschlerf iwähaapt net“, stoand i(s)ch däm Moann bei, „wenn des Gedränk sä haaß seun, muss mä halt schlerfe.“ Un doann, i(s)ch guckte vowuffsvoll die Fraa oa, „woas hacke se oadauernd uf dän Moann rim? Woas ek- li(s)ch seun orrä net is doch heifi(s)ch velli(s)ch willkierli(s)ch.“ „Nur Leit, die koa Kinnästubb genosse häm“ väteidi(s)chte si(s)ch die Fraa, „ empfinde koa Ekelgefiehl. Schlerfe is genaaso ekli(s)ch wie schmatze und Noaseschleim hochziehe.“ „Kinnästubb seun des ri(s)chti(s)ch Wort“, daht i(s)ch antworte, „die Ekelgefiehl, die se hier ufgezählt häm, seun Ihne als Kloakinn schun eugeimpft worn. Na ja, i(s)ch muss zugewwe“, daht i(s)ch ebbes eulenke, „jedä Mensch hodd Ekelgefiehl uf ir(s)chendwel(s)che Gebiete. Awä, woas mä als ekli(s)ch emfinne duht, des hängt devo oab, woas die Gesellschaft moant, orrä anners aasgedrickt, woas Babba un Mamma als ekli(s)ch väklät häm.“ „Des västeh i(s)ch net“, schittelte die Fraa de Kopp. „Des glaab i(s)ch Ihne sofodd“, frotzelte i(s)ch, „in annern Lännä emfinne die Leit goanz annern Sache als ekli(s)ch. In de Vägoangehaat aach.“
Doaruf daht die Fraa nix antworte, murmelt doann awä laas in si(s)ch neu: „Die meiste Mämmä seun ekli(s)che Wutze“. I(s)ch daht mä schun iwälä(s)che, wel(s)che Baaspiel i(s)ch noch bringe kennt, doa platze Marie(s)che dezwische: „De Sebastian hodd letztens seun Fingä ins Bobbesloch gesteckt und mä unnä die Noas gehoalte un gesoat: Marie(s)che, duh moal rie(s)che .“ „Iih, des woar awä werkli(s)ch ekli(s)ch!“ moante Lisett(s)che, ma Fraa. Marie(s)che schittelte de Kopp. „In seunä Stubb hoddä mä aasäm Gloas kloane gälbraane Kiehel(s)chä oagebote. Ä soate, i(s)ch soll se moal probiern, des wern Popel vonnäm, die ä gesoammelt hodd.... S`worn awä koa Popel.“ „Wohä wussde des?“ froate Macko. „Die Kiehel(s)chä vom Sebastian hobbe sieß geschmeckt. Ri(s)chtje Popel schmecke awä nach goar nix.“
Übersetzung: Ich besuchte mit meiner Familie wieder einmal eine Eisdiele. Ungefähr 20 Gäste schleckten Eis oder tranken irgendwas. Am Nachbartisch saß ein jüngeres Pärchen, deutlich hörte ich, was die Frau zum Mann sagte: „Musst du deinen Kaffee so schlürfen? Das ist ja ekelhaft!“ Der so Angesprochene guckte leidend, so als hätte man ihm völlig zu Unrecht sein Gesicht poliert (geboxt). Er pustete in seine Tasse, die er vor seinem Mund hielt und schlürfte wieder. „Jetzt benimm dich endlich!“, kritisierte die Frau erneut, „ich muss gleich brechen vor Ekel. Alle Leute schauen schon zu dir Schwein. Was sollen die nur von dir denken?“ Mich störte das Schlürfen überhaupt nicht. Wahrscheinlich war die junge Frau die einzigste Person in der Eisdiele, die das Trinkverhalten des jungen Mannes bemerkte. „Mich stört das Kaffeegeschlürfe überhaupt nicht“, stand ich dem Mann bei, „wenn das Getränk so heiß ist, muss man halt schlürfen.“ Und dann, ich guckte die Frau vorwurfsvoll an, „was hacken sie andauernd auf dem Mann rum? Was eklig ist oder nicht, ist doch häufig völlig willkürlich.“ „Nur die Leute, die keine Kinderstube genossen haben, empfinden keine Ekelgefühle“, verteidigte sich die Frau, „schlürfen ist genauso eklig wie schmatzen und Nasenschleim hochziehen.“ „Kinderstube ist das richtige Wort“, antwortete ich, „die Ekelgefühle, die sie hier aufgezählt haben, sind Ihnen schon als Kleinkind eingeimpft worden. Na ja, ich muss zugeben“, lenkte ich ein, „jeder Mensch hat Ekelgefühle auf irgendwelchen Gebieten. Aber was man als eklig empfindet, das hängt davon ab, was die Gesellschaft meint, oder anders ausgedrückt, was Papa und Mamma als eklig erklärt haben.“ „Das verstehe ich nicht“, schüttelte die Frau den Kopf. „Das glaube ich Ihnen sofort“, frotzelte ich, „in anderen Ländern empfinden die Leute ganz andere Sachen als eklig. In der Vergangenheit auch.“ Darauf antwortete die Frau nichts, murmelte dann aber leise in sich rein: „Die meisten Männer sind eklige Schweine.“ Ich überlegte mir schon, welche Beispiele ich noch bringen könnte, da platzte Mariechen dazwischen: „Der Sebastian hatte letztens seinen Finger in`s Hinterloch gesteckt, ihn unter meine Nase gehalten und dann gesagt: Mariechen, tu mal riechen.“ „Iih! Das war aber wirklich eklig,“ meinte Lisettchen, meine Frau. Mariechen schüttelte den Kopf. „In seinem Zimmer hatte er mir aus einem Glas kleine, gelbbraune Kügelchen angeboten. Er sagte, ich soll sie mal probieren, das wären Popel von ihm, die er gesammelt hätte....`S waren aber keine Popel.“ „Woher wusstest du das?“ fragte Marko. „Die Kügelchen vom Sebastian haben süß geschmeckt. Richtige Pobel schmecken aber nach gar nichts.“
Eklige Kinderspiele
Macko was siewe Johrn oald, seu Schwester(s)che Marie(s)che zwa. „Lisett(s)che un i(s)ch misse noach Dammstadt foahrn“, teilte i(s)ch däm Macko mit, „mä hebbe doa woas zu älädi(s)che. Konnsde fer euni(s)che Stunne uf Marie(s)ch ufbasse?“ „Awä nadierli(s)ch, Schor(s)chibabba. Du waaßt uf mi(s)ch konnsde di(s)ch välosse. I(s)ch wird mit Marie(s)che scheene Spiel(s)chä dreife.“ Des kloang sä iwäzei(s)chend, wenn aach ebbes großspuri(s)ch. „Mach koan Bleedsinn, Macko!“ dahte wä ihn noch ämoahne, bevo wä des Haas väließe. Als mä eun poar Stunne spätä wirrä hoamkumme seun, heerte i(s)ch Lisett(s)che schreie. „Woas woar hier los?! Marie(s)che du stinkst noach Kees, als häddsd du di(s)ch doamit eugeribbe. Marko, konnsde net ufbasse?“ Välä(s)che senkte de Bu seun Blick zu Boode. „I(s)ch hebb nur gespielt mit Marie(s)che“, entschuldi(s)chte si(s)ch unsä Seehn(s)che, „mä hebbe Schiff(s)chä gebastelt mit Hoankees un die doann in de Boadewoann schwimme losse.“ „Des wolle mä sehe!“ brillte i(s)ch äzirnt. Unsä putzi(s)chä Bu fiehrte uns in die Boadstubb. Gestoank noach Hoankees un Scheiß schluch uns entgeje. In de Woann befoande si(s)ch halwe Hoankees-Scheiwe, mindestens zeh Stick. Deruf worn Fähn(s)chä ufen Steck(s)che, die`s in de Eisdiel gewwe duht un die de Macko soammle duht un doann so braanes Zei(s)chs, doass fer(s)chtäli(s)ch stinke daht.
„Mä hebbe Piroate gespielt“, väklärte Macko, „die halwe Hoankees-Scheiwe seun die Schiffe, die ihre kostboare Beite iwers Meer in Si(s)chähaat bringe. Fer die Beit hebb i(s)ch hoalt die vätrock-nete Scheiß vo unsrä Hindin genumme, des hebb i(s)ch im Gadde gefunne. Deruf hebb i(s)ch die Flagge gesteckt, awä sie seun alleweil umgeknickt un ins Wassä gefalle. Devo kimmt awä net de Gestoank, die oalde Trud(s)chewerst(s)chä häm koan Schmackes mä. I(s)ch wollt awä uube-dingt, doass die Flagge stecke bleiwe, doa hebb i(s)ch halt äh frisch Hunneworscht genomme. Des hadd doann geklappt. Na ja, `s rie(s)cht ebbes streng.“ „De Piroat muss jetz sofodd die Woann sauwä mache,“ ordnete Lisett(s)che oa. „De Hoankees koann i(s)ch mit Wassä spiele, doann kenne mä dän noch fuddern“, schluch Macko vo. „Noa, des mache mä net! Alles muss ins Klo. Also, sowoas Ekli(s)ches“. Lisett- (s)che kloang rä(s)cht iwäzei(s)chend, so als misst se jede Moment glaa kotze. Doass mä de Hoankees net mä esse konnt, foand i(s)ch aach bedauerli(s)ch, awä insgehaam musst i(s)ch kloamm haamli(s)ch grinse. I(s)ch wusst, des ekli(s)ch Äei(s)chnis woar aach ebbes lusti(s)ch, des werd i(s)ch meun gonzes Läwe nemmä vägesse.
Übersetzung: Marko war sieben Jahre alt, Mariechen zwei. „Lisettchen und ich müssen nach Darmstadt fahren“, teilte ich dem Marko mit, „wir müssen da etwas erledigen. Kannst du für einige Stunden auf Mariechen aufpassen?“ „Aber natürlich, Schorschipapa. Du weißt, auf mich kannst du dich verlassen. Ich werde mit Mariechen schöne Spielchen treiben.“ Das klang sehr überzeugend, wenn auch etwas großspurig. „Mach keinen Blödsinn, Marko!“ ermahnten wir ihn noch, bevor wir das Haus verließen. Als wir ein paar Stunden später wieder nach hause kamen, hörte ich Lisettchen schreien. „Was war hier los?! Mariechen, du stinkst nach Käse als hättest du dich damit eingerieben. Marko, konntest du nicht aufpassen?“ Verlegen senkte Marko den Blick zu Boden. „Ich habe nur gespielt mit Mariechen“, entschuldigte sich unser Söhnchen, „wir haben Schiffchen gebastelt mit Handkäse (Harzer Roller) und die dann in der Badewanne schwimmen lassen.“ „Das wollen wir sehen!“ brüllte ich erzürnt.
Unser putziger Junge führte uns ins Badezimmer. Gestank nach Handkäse und Scheiße schlug uns entgegen. In der Wanne befanden sich halbe Handkäse-Scheiben, mindestens 10 Stück. Darauf waren Fähnchen auf einem Stöckchen, die`s in der Eisdiele gibt und der Marko sammelt, und dann noch so braunes Zeug, dass fürchterlich stank. „Wir haben Piraten gespielt“, erklärte Marko, „die halben Handkäse-Scheiben sind die Schiffe, die ihre kostbare Beute übers Meer in Sicherheit bringen. Für die Beute habe ich halt die ver-trocknete Scheiße von unsrer Hündin genommen, das habe ich im Garten gefunden. Darauf steckte ich die Flaggen. Aber sie sind immer umgefallen und ins Wasser gefallen. Davon kommt aber nicht der Gestank, die alten Trudchenwürstchen haben weder Geruch noch Geschmack. Ich wollte aber unbedingt, dass die Flaggen stecken bleiben, da habe ich halt eine frische Hundewurst genommen. Das hat dann geklappt. Na ja, es riecht etwas streng.“ „Der Pirat muss jetzt sofort die Wanne sauber machen!“ ordnete Lisettchen an. „Den Handkäse kann ich mit Wasser spülen, dann kann man den noch fuddern“, schlug Marko vor. „Nein, das machen wir nicht! Alles muss ins Klo. Also sowas Ekliges.“ Lisettchen klang recht überzeugend, so als müsste sie jeden Moment gleich kotzen. Dass wir den Handkäse nicht mehr essen konnten, fand ich auch als bedauerlich, aber insgeheim musste ich klamm heimlich grinsen. Dieses eklige Ereignis war auch etwas lustig, das werde ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen.