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Bewusstseun? Woas seun des? (Bewusstsein? Was ist das)

Bewusstsein

Oam Sundaachsmiddaachsdisch äschien Marie(s)che mit eunäm schokoloadeväschmierte Meil-(s)che.  „Marie(s)che, dä seun wohl net bewusst, doass de  vorm ri(s)cht(s)che Esse koa Schokoload fuddern sollst“, ämoante i(s)ch meu De(s)chter(s)che, „doann väspiersde nämli(s)ch koan Hungä mä fer die wertvoll Nahrungsmiddel, die deun Kerpä awä braache däht.“
„Des waaß Marie(s)che schun“, moante ma Fraa, „unsä Kinn will awä alleweil nur genieße un duht net oan die Fol(s)che denke.“
„Joa, so seun des“, ägänzte i(s)ch, „aaßädäm seun Sießi(s)chkaate schlä(s)cht fer deu Zehn, Marie(s)che. Doaribä hämmä doch schun oft gebabbelt un`s misst doch inzwische in deu Bewusstseun eugedrunge seun.“
„Marie(s)che duht Schokoload stoppe feren seeli(s)ch Wohlgefiehl un net fers Bewusstseun“, woand Macko, unsä Bu, eu.
„Na ja, viellaacht is ihr Bewusstseun noch net so ri(s)chti(s)ch voll aasgereift un des fli(s)chti(s)ch Glicksgefiehl baam Schokoloade stoppe duhts driebe un väschitte.“
Ma Fraa, Lisett(s)che, schittelte de Kopp. „Soag emoal, Schor(s)chi, woas duhsde so geschwolle mit deune Kinnä rädde?  Iwä woas hobbtä ba eiä letzt Filosoferund in de Wertschaft nur gebabbelt? Jetzt hosde schun des drittemoal iwä Bewusstseun un bewusst gerädd. Gell, eiä Themoa wor Bewusstseun un jetz moansde du misst deu neie, sensazjonelle Äkenntnisse, uf die die Menschhaat oagäbli(s)ch schun immä gewadd hodd, moal deunä Familje uubedingt mitteile. Newor?“


„Joa, des wor unsä Thema“, daht i(s)ch zugewwe, „mä seun so euni(s)ches kloar worn, zim Baa-spiel, doass Schmerze, Laad un Freid, Genuss immä bewusst seun. Uubewusst Schmerze un uube-wusst Freid duhts net gewwe.“
„Oh, mä duhts wie Schuppe aas de Aache falle“, frotzelte Lisett(s)che mit iwädriwwe gespieltäm gesungenem Gebabbel, „doass i(s)ch des noch äläwe daff! Diese wertvoll Äkenntniss werd  be-stimmt meunäm stumpsinni(s)che Läwe äh nei, sinnvoll Ri(s)chtung zei(s)che.“
„Du braachst di(s)ch net iwä uns lusti(s)ch mache“, daht i(s)ch ebbes belaa-      di(s)cht antwordde, i(s)ch hadds noch nie gern, wenn jemoand nur Hohn un Spott iwä unsre quälende Bemiehunge die Welt un uns zu väklärn, schitte duht, so als wern mä nur uubedeitende un lä(s)chäli(s)che Dorfdeppe. „Moanchmoal koann sogoar Bewusstlosi(s)chkaat erst des ri(s)chti(s)ch Bewusstseun äzei(s)che“, soate i(s)ch triumfierend zu moanä Fraa un guckte se oa als däht i(s)ch glaa eun Geheumnis väroate.
„So? Des mussde nähä väklärn!“, forderte ma Fraa mi(s)ch uf. Viellaacht hodd se gemerkt, doass mä meune edle Gefiehl net eufach mit schmutzi(s)che Lästäfieß träte sollt un wollt`s wirrä gut mache.
„Gern. Baa de letzt Filosoferund seun de Heunä storzbedrunke vom Kneipestuhl gefalle un daht ebbes schlofe, noachdäm wä ihn ufgegobe häm un ihn uf de Sitz hockte. Alsä wirrä ufwachte, soatä: Ich waaß, i(s)ch muss uubedingt meu Saufereie euschränke, so koann`s net waatä gehe.
Unsä Klausi moante: Joa, joa, so isses, de Heunä muss erst moal ri(s)chtig bewusstlos wern, doamitä des ri(s)chti(s)ch Bewusstseun äloangt.“
Deruf konnte orrä wollte ma bessä Helft nix antwordde, grinste awä. I(s)ch hodd de Eudruck als däht se glaa lospruste vo Lache, woas doann awä net koam, zim Glick fer meu oagegriffe sensibel Gemiet.
„Guck dä moal unsre Hindin Trud(s)che oa!“ forderte se mi(s)ch uf, „fällt dä woas uf?“
Dän Themewäksel empfoand i(s)ch sä oabrupt, ging awä druf eu.
„Woas sollt mä schun uffalle. Die steht hier schwoanzwedelnd oam Middaachsdisch un duht uns beddelnd dreiherzi(s)ch oagucke, se hofft halt, Häpp(s)chä zu kriehe.“
„Des aach“, daht Lisett(s)che zugewwe, „awä loangsoam seun die Hoarn vonnäm Fell zu loang, mä kennt moane hier steht ähn Schoaf. Woann duhsde wiirä ihr Fell schneide?“
„Woarim immä nur i(s)ch?“ daht i(s)ch laa(s)cht genervt äwirrern, „des koannsde genaa so gut.“
„Die Hindin wolltest uubedingt du hobbe, net i(s)ch. Folgli(s)ch duhsd du die greeßt Väantwortung fer se draache. Des misste ei(s)chentli(s)ch schun längst in deu Bewusstseun eugedrunge seun un falls net, doann spätestens jetzt. Un:       Ri(s)chti(s)ch Bewusstseun bedeitet aach ri(s)chti(s)ch Väantworddung.“


 

Übersetzung: Am Sonntagsmittagstisch erschien Mariechen mit einem schokoladeverschmierten Mäulchen. „Mariechen, du bist dir wohl nicht bewusst, dass du vor dem richtigen Essen keine Schokolade futtern sollst“, ermahnte ich mein Töchterchen, „dann verspürst  du nämlich keinen Hunger mehr für die wertvollen Nahrungsmittel, die dein Körper aber braucht.“
„Dies weiß Mariechen schon“, meinte meine Frau, „das Kind will aber immer nur genießen und denkt nicht an die Folgen.“
„Ja, so ist es“, ergänzte ich, „außerdem sind Süßigkeiten schlecht für deine Zähne, Mariechen. Darüber haben wir schon oft  gesprochen und es müsste doch inzwischen schon in deinem Bewusstsein eingedrungen sein.“
„Mariechen stopft Schokolade für`s seelige Wohlgefühl und nicht für`s Bewusstsein“, wandt Marko, unser Junge, ein.
„Na ja, vielleicht ist ihr Bewusstsein noch nicht nicht so richtig voll ausgereift und das flüchtige Glücksgefühl beim Schkolade stopfen trübt und verschüttet es.“
Meine Frau, Lisettchen schüttelte den Kopf. „Sag mal, Schorschi, was sprichst du so geschwollen mit deinen Kindern? Über was habt ihr bei eurer letzten Filosofenrunde in der Wirtschaft (Gaststätte) nur geredet? Jetzt hast du schon das dritte mal über bewusst und Bewusstsein gesprochen. Gell, euer Thema war Bewusstsein und jetzt meinst du dü müsstest deine neuen, sensationellen Erkenntnisse, auf die die Menschheit angeblich immer schon gewartet hat, deiner Familie unbedingt mitteilen. Nicht wahr?“
„Ja, das war unser Thema“, gab ich zu, „mir ist so einiges klar geworden, zum Beispiel, dass Schmerzen, Leid und Freude, Genuss immer bewusst sind. Unbewusste Schmerzen und unbewusste Freude gibt`s nicht.“
„Oh, mir fällt es wie Schuppen aus den Augen“, frotzelte Lisettchen mit übertrieben gespielten Singsanggerede, „dass ich das noch erleben darf! Diese wertvollen Erkenntnisse werden bestimmt meinem stumpfsinnigen Leben eine neue, sinnvolle Richtung zeigen.“
„Du brauchst dich nicht über uns lustig machen“, antwortete ich etwas beleidigt. Ich hatte es noch nie gern, wenn jemand nur Hohn und Spott über unsere quälenden Bemühungen die Welt und uns zu erklären, schüttet, so als wären wir nur unwichtige und lächerliche Dorfdeppen.
„Manchmal kann sogar Bewusstlosigkeit erst richtiges Bewusstsein erzeugen“, sagte ich triumphierend zu meiner Frau und schaute sie an als würde ich ihr gleich ein Geheimnis verraten.
„So? Das musst du näher erklären“, forderte meine Frau mich auf. Vielleicht hatte sie gemerkt, dass man meine edlen Gefühlen nicht mit schmutzigen Lästerfüßen treten sollte und wolltes es wieder gut machen.
„Gern. Bei der letzten Filosofenrunde ist der Heiner sturzbetrunken vom Kneipenstuhl gefallen und schlief ein wenig, nachdem wir ihn aufgehoben hatten und auf den Sitz setzten. Als er wieder aufwachte, sagte er: Ich weiß, ich muss unbedingt meine Saufereien einschränken, so kann`s nicht weiter gehen.        Unser Klausi meinte: Ja, ja, so ist es, der Heiner muss erst mal richtig bewusstlos werden damit er das richtige Bewusstsein erlangt.“
Darauf konnte oder wollte meine bessere Hälfte nichts antworten, grinste aber. Ich hatte den Eindruck als würde sie gleich losprusten vor Lachen, was dann aber nicht kam, zum Glück für mein angegriffenes, sensibles Gemüt.
„Guck dir mal unsre Hündin Trudchen an“, forderte sie mich auf, „fällt dir was auf?“
Den Themenwechsel fand ich sehr abrupt, ging aber darauf ein.
„Was sollte mir schon auffallen. Die steht hier schwanzwedelnd am Mittagstisch und guckt uns treuherzig bettelnd an, sie hofft halt  Häppchen zu kriegen.“
„Das auch“, gab Lisettchen zu, „aber langsam sind ihre Haare vom Fell zu lang, man könnte meinen hier steht ein Schaf. Wann beschneidest du wieder ihr Fell?“
„Warum immer nur ich?“ erwiderte ich leicht genervt, „das kannst du genauso gut.“
„Diese Hündin wolltest du unbedingt haben, nicht ich. Folglich trägst du die größte Verantwortung für sie. Das müsste eigentlich schon längst in deinem Bewusstsein eingedrungen sein und falls nicht, dann spätestens jetzt. Und: Richtiges Bewusstsein bedeutet auch richtige Verantwortung.“