Der Sinn des Lebens Klausi, Ludwi(s)ch, Babett(s)che, Heunä und i(s)ch, de Schor(s)chi foande uns wirrä moal „Zum weisen Mondmann“ (euner Kneip) zusamme. I(s)ch glaab, i(s)ch habs scho moal erwähnt, dortt hämmä heifi(s)ch wesentli(s)che Menschhaats-problem besproche un man(s)chmoal aach geleest. Ir(s)chendwie kame wä an jenem Owend uf des Thema Sinn des Läwens.De Lud- wi(s)ch moante, seun Sinn des Läwens wär reich zu wern, si(s)ch mit deire Kladä zu schmicke, die Kichekinste fremmä Lännä zu genieße, awä vo alle Dinge immä mä Geld zu hobbe, als mä aasgäwe me(s)cht. Seu Fraa, die Babett, soate dezu nix un erzählte aasnahmsweis moal keune seiische Witz, obwohl se scho Alkohol gedrunke hodd. De Klausi, uf däm dä Begriff Filosof am eheste zugraf, ä wor nämlich der Schlaueste vo uns, sogor noch schlauer als i(s)ch, erwirrerte: „Ludwi(s)ch , du host des net begriffe, es geht net dorim was fer Winschvorstellunge orrä Hobbies du host, es geht dorim was iwähaapt de Sinn des Läwens is, also worum läwe wär Mensche iwähaapt, gibst doa e hee(s)cher Ziel orrä koans.“ I(s)ch nickte nur, des klong logisch. De Heunä guckte trau ri(s)ch un schluchzte ;“ich waaß net, ob es fer mi(s)ch noch ähn Sinn gibt, ma Fraa is schwä kronk, se muss viellaacht bald sterbe, i(s)ch womegli(s)ch aach.“ „Des misse mä alle moal“, moante de Klausi dezu, de Heunä fiehlte si(s)ch awä net getrestet dor(s)ch diese Wortte.
“Die fromm Susann moant,“ begann Babettche, „ der Sinn des Läwens seu Godd zu diene.Un des wär schee“. „Wieso soll des schee seun?“ fragte i(s)ch, „glaabt die Susann etwoa, se käm dann in de Himmel, Paradies odder ebbes sowas in der Oart? Was macht se dann im Himmel? Laufend Halleluja singe,verzickte Grimasse schneide un dabei die Erm nach obbe strecke? Langweili(s)cher geht’s wohl kaam! Na ja, i(s)ch muss zugäwe, die Susann hadd e schee Stimm un ihr zuzu heern mag e Vergnie(s)che seun, awä net wenn des de goanze Daach passiert, dann isses nur nervtetent. Wenn i(s)ch das dähte, egal ob gewunge odder freiwil-li(s)ch, wär des net nur für mi(s)ch eune qualvoll Stroaf, sondern aach fir die Mitheerer un zwar sofodd.“ „Ich seh doa aach koan Sinn des Läwens“, ergänzte de Klausi, „ wenn de Godd an gäbli(s)ch allmächti(s)ch seun soll, dann isses däm doch egal ob so Gestalte wie wä singe, bäte orrä Bier drinke. I(s)ch loss mä keunen Sinn eureddee, i(s)ch bin aach zufriede, wenn Alles sinnfrei is.“ Er nahm ähn große Schluck aasäm Biergloas und truch vor:
alles Annern is mä worscht!“ „Awä ohne Godd is Alles sinnlos“, erwidderte Babettche, „moant die Susann un i(s)ch aach ebbes.“ “Des Wortt sinnlos benutz i(s)ch net“, belehrte uns Klausi, „ des heert sich oa als wär mä iwäflissi(s)ch, wertlos,mä misst oadauernd e schlächt Gewisse habbe, ma kennt si(s)ch nur noch tieftrauri(s)ch in de Sar(s)ch leie un woarte bis de Tod kimmt. Noa, i(s)ch soag sinnfrei, des heert si(s)ch schenä oa, i(s)ch kann meu Bier drinke un iwä Leit lästern, die mir net gefalle. Un meunem Gewisse geht’s glänzend.“
Wä reddete noch en por Stunne nur iwä dieses Thema, es koam allerdings nix Neies debei raas, jeder wirräholte nur seu Standpunkte. Euner word immä schwei(s)chsamer, des wor de Heuner. Zusammegkauert soaß er in de Eck wie e Heif(s)che Elend.
Klausi, der net nur de greeßte Filosof unnä uns wor sondern aach de Versbastler, kloppte ihm uf die Schulter und soagte: "Todkranker! Es is Herbst, trink noch eunen bevor du sterbst!“
Unsä Heuner fand des net lusti(s)ch, ä verabschiedete si(s)ch sofortt un ging. Klausi rief ihm hinnähä: "Aach fer di(s)ch wird die Sun wirrä scheune dann braachst du nemmä zu greune.“
De Wertt, Mosjö Mondmonn, stellte die Stiehl von de Nachbardisch hoch. „Es is scho spät“, rief ä uns zu, „heit werd ihr den Sinn des Läwens nemmä befrie- di(s)chend klärn, geht hoam!“ De Mondmoann hodd moanchmoal aach Verse gebastelt, er soate noch zum Abschied: "Woas kimmert mi(s)ch des Läwens Sinn solang i(s)ch noch zufriede bin. Un des bedeit“, väklärte ä noch;“hauptsach mei Gäst seun zufriede und losse Minz springe un Scheune fladdern, dann bin i(s)ch aach zufriede un glickli(s)ch .“
Übersetzung: Klausi, Ludwig, Babettchen, Heiner und ich, der Schorchi, fanden uns wieder mal „Zum weisen Mondmamm“ (einer Kneipe) zusammen. Ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt, dort haben wir häufig wesentliche Menschheitsprobleme besprochen und auch teilweise gelöst. Irgendwie kamen wir an jenem Abend auf das Thema der Sinn des Lebens. Ludwig meinte,sein Sinn des Lebens wäre reich zu werden, sich mit teuren Kleidern zu schmücken, die Küchenkünste fremder Länder zu genießen, aber vor allen Dingen immer mehr Geld zu haben, als man ausgeben möchte. Seine Frau, die Babette, sagte dazu nichts und erzählte ausnahmsweise mal keine säuischen Witze, obwohl sie schon Alkohol getrunken hatte. Der Klausi, auf den der Begriff Filosof am ehesten zutraf, er war nämlich der Schlaueste von uns, sogar schlauer als ich, erwiderte: Ludwig, du hast das nicht begriffen, es geht nicht darum welche Wunschvorstellungen oder Hobbys du hast sondern was überhaupt der Sinn des Lebens ist, also warum leben wir Menschen , gibt’s es da ein höheres Ziel oder keins“. Ich nickte nur, das klang logisch. Der Heiner guckte traurig und schluchzte : „Ich weiß nicht, ob es für mich noch einen Sinn gibt, meine Frau ist schwer krank, sie muss vielleicht sterben, und ich womöglich auch.“ „Das müssen wir alle mal“, meinte dazu der Klasusi. Der Heiner fühlte sich aber nicht getröstet durch diese Worte. “Die fromme Susanne meint,“ begann Babettchen, „ der Sinn des Lebens sei Gott zu dienen und das wäre schön.“ „ Wieso soll das schön sein?“ fragte ich, „ glaubt die Susanne etwa, sie käme in den Himmel, ins Paradies oder in irgend etwas dieser Art? Was macht sie dann im Himmel? Laufend Halleluja singen, verzückte Grimassen schneiden und die Arme dabei nach oben strecken? Langweiliger geht´s wohl kaum. Na ja, ich muss zugeben, die Susanne hat eine schöne Stimme und ihr zuzuhören mag ein Vergnügen sein, aber wenn das den ganzen Tag passiert, ist es nervtötend. Wenn ich das täte, egal ob gewungen oder freiwillig, wäre das nicht nur für mich eine qualvolle Strafe sondern auch für die Mithörer und zwar sofort.“ „Ich seh da auch keinen Sinn des Lebens“, ergänzte der Klausi, „ wenn der Gott angeblich allmächtig sein soll, dann ist es dem doch egal ob so Gestalten wie wir singen, beten oder Bier trinken. Ich lass mir keinen Sinn einreden, ich bin auch zufrieden, wenn Alles sinnfrei ist.“ Er nahm einen großen Schluck aus dem Bierglas und trug vor: „Was kümmert mich des Lebens Sinn,
micht freut´s, dass ich am Leben bin.“
„Jawoll, dem stimm ich zu“, bestätigte ich und griff nach dem Weinglas, „ich habe jetzt Durst,
alles andere ist mir Wurst.“
“Aber ohne Gott ist Alles sinnlos“, erwiderte Babettchen, „meint die Susanne und ich auch ein bisschen.“ “Das Wort sinnlos benutze ich nicht,“ belehrte uns Klausi, „das hört sich so an als wären wir überflüssig, wertlos, man müsste andauernd ein schlechtes Gewissen haben, man könnte sich nur noch tieftraurig in den Sarg legen und warten bis der Tod kommt. Nein, ich sage sinnfrei. Das hört sich schöner an, ich kann mein Bier trinken und über Leute lästern, die mir nicht gefallen. Und meinem Gewissen geht´s glänzend.“
Wir redeten noch ein paar Stunden nur über dieses Thema, es kam allerdings nichts Neues dabei raus, jeder wiederholte nur seine Standpunkte. Einer wurde immer schweigsamer, das war der Heiner. Zusammengekauert lag er in der Ecke wie ein Häufchen Elend. Klausi, der nicht nur der größte Filosof von uns war sondern auch der Versebastler, klopfte ihm auf die Schulter und sagte:
„Todkranker!
Es ist Herbst,
trink noch Einen
bevor du sterbst!“
Unser Heiner fand dies nicht lustig, er verabschiedete sich sofort und ging.Klaus rief ihm hinterher: „Auch für dich wird die Sonne wieder scheinen,
dann brauchst nicht mehr zu greinen.“ (weinen)
Der Wirt, Monsieu Mondmann, stellte die Stühle vom Nachbartisch hoch. „Es ist schon spät“, rief er uns zu, „heute werdet ihr den Sinn des Lebens nicht mehr befriedigend klären, geht heim.“ Der Mondmann hatte auch manchmal Verse gebastelt, er sagte zum Abschied:
„ Was kümmert mich des Lebenssinn
solang ich noch zufrieden bin.
“Und das bedeutet,“ erklärte er, „Hauptsache meine Gäste sind zufrieden und lassen Münzen springen und Scheine flattern, dann bin ich auch zufrieden und glücklich.“