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Entschuldigung

Macko un seune Freinde, Fillip un Rennee, seifzte  iwä die Schul.
„Zur Zaat hämmä immä viel Haasufgaabe“, stehnte Macko, „mä misste moal
wirrä ähn extra freie Daach hobbe“.
„I(s)ch wisst doa woas“, kindi(s)chte Rennee gehaamnisvoll oa, „wä nämme uns
dän eufach“, er flisterte scho halb, „wä schwänze goalant un schreiwe äh Ent-
schuldigung“.
„Hosde des scho äh moal gemacht?“ froate de Fillip. Rennee grinste nur.  „Hodd die Entschuldigung deu franzesisch Muddä     geschriwwe?“
„Noa“, Rennee schittelte de Kopp, „mit meu Mama däht i(s)ch gewaldi(s)ch Zoores
kriehe, wenn i(s)ch mit so nä Oagelä(s)chenhaat kimme däht. I(s)ch hebb des selwä gemacht“.
Die draa wackere Freinde beroatschloachte, wie mä doa vorgehe misst.
„Am Beste den Vordaach in de Schul scho äh bissche de Kronke spiele, so duhn als
hädd mä Koppschmerze un wär geschwächt“, moante Macko.
Die zwaa annern Buwe nickte.
„Wenn i(s)ch awä in de Schul fehl, kimmt bestimmt glaa die Moni zu mä  middoachs un will de kroanke Bu treeste“, woandt Macko eu.
„Koa Probläm“, winkte Rennee ab, „doann biste halt wirrä gesund“.
„Wenn mä doann kronk seun, dreffe mä uns anstatt in de Schul in de Hitt am Woald rand“, schluch Fillip vor, „am Middaach laafe mä widder hoam, so kriehe unsre Eldern nix mit. I(s)ch nämm aach moan Fussball mit“.
“Mä kenne, jedä fer si(s)ch selwst, so nä Entschuldigung formuliere. Des iwäsetze
mä doann ins hochdeitsch“, soate Macko, „du Rennee musst uns helfe, du koannst die hochdeitsch Rechtschreiwung am beste. Un doann tippe wä des in de Kompjuter, so braache mä nur die Unnerschrift fälsche“.
Unsre draa brawe Buwe moachten si(s)ch glaa an die Arweit. Macko las als Erstä     seu Werk vor:


Entschuldigung,
Macko, Schieler de Klass 4a, konnt gestern laadä net die Schul besuche.
Alsä vorgestern aas de Schu hoamkimm ,stehnte er widderholt iwä iewle Koppschmerze un musst sich hieleihe  Er litt aach unnä Awwediddlosi(s)chkeit un konnt nix spoachtle, obwohl  seu Lieblingsesse, Kadoffelklees mit Soß, ufgedischt worn is.    Er kloachte ewwefalls iwä Atembeschwerde, sodass i(s)ch des Fenstä effnete. Oawens heerte er die Muddä vom Rennee, wie se rief: Rennee  moa(s)chee. Doa hoddä mämoals gekotzt, zim Glick nur uf de Bettvorlä(s)chä.
Die Noacht hoddä unruhi(s)ch geschlowe. Mor(s)chens wolltä in die Schul gehe, is
aach ufgestonne. Er soate: Ich muss in de Unnerricht vo Fraa Allesweiß. Se moacht alles immä so spoannend un i(s)ch will nix verseime. Schließli(s)ch will       i(s)ch sä viel lerne un moal äh besunners wertvoll Mitglied unsrä Gesellschaft wärn.
I(s)ch hebb awä gesoat:  Noa, Macko. Du siehst so blass aas. Heit musst di(s)ch
nochämoal aasruhe, deu Gesundheit is erst moal wi(s)chti(s)chä.
Er woar net in de Laach seu Friehstick euzunämme un musst si)s)ch widder in seu
Forzkuhl leihe.
Middaachs issä doann ufgestonne un hadd ebbes gegesse. Marie(s)che, seu kloa
Schwester, streckte die Erm(s)che juwelnd in die He(s)ch un rief:  Äh Wunner is geschehn! De Macko isst wirrä!  
Alleweil geht´s ihm bessä un koann die Schul besuche.
I(s)ch bitt sie Fraa Allesweiß, de Macko awä noch zu schone, demitä koan Rickfall
kriggt.

„Des mittäm   Rennee moaschee    musst awä weglosse“, kritisierte de Renne, „mä geht´s an däm Daach ja aach schlächt. Doa werd i(s)ch draaße kaam rimhippe un nur ufs Esse wadde“.
„I(s)ch waaß net“, gab Fillip zu Bedenke, „des is viel zu aasfiehrli(s)ch“.
„Wieso?“ froate Macko, „Fraa Allesweiß find Geschichte doch schee“.
„Ja, awä net sol(s)che. Mä kimmst aach iwätriwwe vor. Wome(s)chli(s)ch moacht unsre Lärärin mit de Entschuldigung glaa äh Deitschstunn draas“.
Macko wie(s)chte de Kopp hie un hä. „Na gut“, lenktä eu, „ i(s)ch schreiw statt besunners wertvoll Mitglied unsrä Gesellschaft   nur       Mitglied unsrä Gesellschaft.
Und  ba de Formulierung     Marie(s)che streckte die Erm(s)che juwelnd in die     He(s)ch      loss i(s)ch des Wortt  juwelnd weg“.


(weitere Anekdote Marko Schnabbelschnut, der Goldjunge auf dieser Seite nach der Übersetzung unten)


 Übersetzung:       Marko und seine Freunde, Fillip und Rennee, seufzten über die Schule.
„Zur Zeit haben wir immer viele Hausaufaben“, stöhnte Marko, „wir müssten wieder mal einen extra freien Tag haben“.
“Ich wüßte da was“, kündigte Rennee geheimnisvoll an, „wir nehmen uns den einfach,“ er flüsterte schon halb, „wir schwänzen galant und schreiben eine Entschuldigung“.
„Hast du das schon einmal gemacht?“ fragte der Fillip. Rennee grinste nur. „Hatt die Entschuldigung deine französische Mutter geschrieben?“
„Nein“, Rennee schüttelte den Kopf, „mit meiner Mama würde ich gewaltig Zoores (Ärger) bekommen, wenn ich mit so einer Angelegenheit kommen würde. Ich habe das selber gemacht“.
Die drei braven Freunde beratschlagten, wie man da vorgehen müsste.
„Am Besten den Vortag in de Schul schon ein bisschen den Kranken spielen, so tun als hätte man Kopfschmerzen und wäre geschwächt“, meinte Marko.
Die zwei anderen Jungen nickten.

„Wenn ich aber in der Schule fehle, kommt bestimmt gleich mittags die Moni zu mir und will den kranken Jungen trösten“, wandt Marko ein.
„Kein Problem“,winkte Rennee ab, „dann bist du halt wieder gesund“.
“Wenn wir dann krank sind, treffen wir uns anstatt in der Schule in der Hütte am Waldrand“;schlug Fillip vor, „am Mittag gehen wir wieder nach Hause, so bekommen unsere Eltern nichts mit. Ich nehme auch meinen Fussball mit“.
„Wir können, jeder für sich selbst, so eine Entschuldigung formulieren. Das übersetzen wir  dann ins hochdeutsch“, sagte Marko, „du Rennee musst uns helfen, du kannst die hochdeutsche Rechtschreibung am besten. Und dann tippen wir das in den Computer, so brauichen wir nur die Unterschrift zu fälschen“.
Unsre drei braven Jungen machten sich auch gleich an die Arbeit. Marko las als Erster sein Werk vor:

 

Entschuldigung,
Marko, Schüler der Klasse 4a, konnte gestern leider nicht die Schule besuchen.
Als er vorgestern aus der Schule heimkam, stöhnte er wiederholt über üble Kopfschmerzen und msste sich hinlegen. Er litt auch unter Appetitlosigkeit und konnte nichts spachteln, obwohl sein Lieblingsessen, Kartoffelklöße mit Soße, aufgetischt worden ist.Er klagte ebenfalls über Atembeschwerden, sodass ich das Fenster öffnete.
Abends hörte er die Mutter vom Rennee, wie sie rief:  Rennee manger.(essen)
Da hatte er mehrmals gekotzt, zum Glück nur auf den Bettvorleger.
Nachts hatte er unruhig geschlafen.  Morgens wollte er in die Schule gehen, ist auch aufgestanden. Er sagte: Ich muss in den Unterricht von Frau Allesweiß. Sie macht Alles immer so spannend und ich will nichts versäumen. Schließlich will ich sehr will lernen und mal ein besonders wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft werden.
Ich habe aber gesagt: Nein Marko. Du siehst so blass aus. Heute musst du dich noch einmal ausruhen, deine Gesundheit ist erst mal wichtiger“.
Er war nicht in der Lage, sein Frühstück einzunehmen und musste sich wieder in seine Furzkuhle ( Bett) legen.
Mittags ist er dann  aufgestanden und hat etwas gegessen. Mariechen, seine kleine Schwester, hat die Ärmchen jubelnd in die Höhe gestreckt und gerufen:     Ein Wunder ist geschehen!
Der Marko isst wieder!                
Inzwischen geht es ihm besser und kann die Schule besuchen. Ich bitte sie Frau Allesweiß, den Marko aber noch zu schonen, damit er keinen Rückfall bekommt.

 

„Das mit dem   Rennee manger     musst du aber weglassen“, kritisierte Rennee, „mir geht´s an jenen Tag ja auch schlecht. Da werde ich draußen kaum rum hüpfen und aufs Essen warten“.
„Ich weiß nicht“, gab Fillip zu Bedenken, „das ist viel zu ausführlich“.
„Wieso?“ fragte Marko, „Frau Allesweiß findet Geschichten doch schön“.
„Ja, aber nicht solche. Mir kommt´s auch übertrieben vor. Womöglich macht unsere Lehrerin mit der Entschuldigung gleich eine Deutschstunde draus“. 
Marko wiegte den Kopf hin und her. „Na gut“, lenkte er ein, „ich schreibe statt      besonderns wertvolles Mitglied  unserer Gesellschaft    nur      Mitglied unserer Gesellschaft. Und bei der Formulierung          Mariechen streckte die Ärmchen jubelnd in die Höhe    lass ich das Wort jubelnd weg“.



 
Marko Schnabbelschnut, der Goldjunge 

In unserm Ortt gastierte ähn kloanä Zerkus. De Macko, seun Freind Fillip un viele annern Kinnä aasäm Dorff besuchte die Vostellung. Ähn Klaun seun aach ufgeträte. Ä daht mit Stelze laafe un  balansierte doamit finf Metä uf nä zeh Zentimeter braate Eiselatt die in zwei Metä He(s)ch zwische zwaa kloane Term eugespoannt wor.
        Die Zerkusvostellung hatte uf moanche Kinnä ähn noachhaldi(s)che Eudruck hinnälosse, a uf Macko un Fillip. In de nächste draa Woche  konnt die Susann, äh Gemischtworehändlerin, vier Poar Stelze väkaafe.
De Macko nervte mi(s)ch, de Schor(s)chi, de Babba vo däm Bu, soloang, bis i(s)chäm a so bleede Holzstoange kaafte.
Ä drenierte doamit mit seinäm Freind Fillip un konnte des noach korzä Zaat aach goanz gut.
„I(s)ch will doamit in drei Joahrn baa de olimpisch Spiele fer Deitschloand ufträte“, dahtä mä väroate, „ du werst sehe, Schor(s)chi-Babba, i(s)ch werd Goldmedallje hole.“
„Stelzelaafe un –hippe seun koa olimpisch Sporttadde“, klärte i(s)chän uf, „un des wor noch nie anners gewese, im Gejesatz zu Sackhippe, des hodd´s dahtsäch-      li(s)ch moal gewwe.“
„Stelzelaafe un –hippe seun awä wirrä im Kumme“, bahaaptete de Bu, „wenn net in drei Johrn, doann halt in siwwe Johrn“.
 Macko wor net zu iwäzei(s)che. Ä draamte scho wie ä als dreifoachä Goldmedallje-Sie(s)chä vo de Spiele zurick in de Ortt kehrn däht:  Äh juwelnd Menschemeng  hoalde Plakate hoch un uf denne steht:  Wä begrieße
unsern Goldbu Macko Schnabbelschnut!
In unserm Dorff wor aaßä Macko un Fillip aach noch noch ähn annä Bu, dä mit Stelze drenierte. Es wor de elfjähri(s)che Fritz. Baa unsern baade Olimpiaaspirante worä net beliebt. Sie moante, de Fritz seun ähn widerli(s)chä Oagewwä.
„Däm wern mä´s zei(s)che“, teente de Fillip spetti(s)ch, „so gut wie du Macko werd dä nie seun.“
Die Zwaa fordertte dän Oagewwä uf in eunäm Wettbewerb seu, vämutli(s)ch derf-ti(s)ches, Kenne mit ihne zu messe.
Fritz willi(s)chte eu un die Drei dahte eunes Noachmiddaachs mit de Holzstäng zim oalde Sportplatz tigern.
Zuerst dahte se Stelzeweithippe. Macko begoann. Uugefäh drei Metä waat wor seu Gehipp.
„Des misstä  erst moal noachmache“, lachte de Bu stolz.
Doann wor Fillip oan de Reih. Seun Gehipp wor etwas kerzä, viellaacht verzi(s)ch Zentimetä.    Des seun net schlimm, dachte Macko, es muss joa a oanä die Silbermedallje krieje.
Als Drittä sproang Fritz. Seu Gehipp wor zwoanzi(s)ch Zentmetä mä als des vo  Macko.
„I(s)ch werd noch mä dreniern“, murmelte Macko, „ die zwoanzi(s)ch Zentmetä schaff i(s)ch a noch.“
Bei de zwaa waatere Diszipline, Stelzeschnell-Laafe un Stelze-Beschungnufflaafe wor awä des glaache: De Fritz wor alleweil ebbes bessä als Macko.
Missmuti(s)ch un entteischt ginge Fillip un Macko hoam. Se spierte, doass se wohl doch net so viel Talent fer die Stelzesport hädde.
Dehoam daht Macko seu beide Holzsteng uf die Dodholzheck im Gadde leihe. Ä hodd se nemmä oageriehrt.
Die Stelze seun ir(s)chendwoann morsch worn un dahte värotte.





Übersetzung: In unserem Ort gastierte ein kleiner Zirkus. Der Marko, sein Freund Fillip und viele anderen Kinder aus dem Dorf besuchten die Vorstellung. Ein Clown trat auch auf. Er lief auf Stelzen und balancierte mit ihnen fünf Meter

auf einer 10 Zentmeter breiten Eisenlatte, die in zwei Meter Höhe zwischen zwei kleinen Türmen eingespannt war.

              Die Zirkusvorstellung hatte auf manche Kinder einen nachhaltigen Eindruck, auch auf Marko und Fillip.

In den nächsten drei Wochen konnte die Susanne, eine Gemischtwarenhändlerin, vier paar Stelzen verkaufen.

Der Marko nervte mich, den Schorschi, Papa von dem Jungen, solange bis ich ihm auch so blöde Holzstangen kaufte.

Er trainierte damit mit seinem Freund Fillip und konnte das nach kurzer Zeit auch ganz gut.

„Ich will mit Stelzen in drei Jahren bei den olympischen Spielen für Deutschland auftreten“, verriet er mir, „du wirst

sehen, Schorschi-Papa, ich werde Goldmedaillen holen.“

„Stelzenlaufen und-springen sind keine olympischen Sportarten“, klärte ich ihn auf, „das war noch nie anders gewesen, im Gegensatz zu Sackhüpfen, das gab`s wirklich mal.“

„Stelzenlaufen und –springen ist aber wieder im Kommen“, behauptete der Bub, „wenn nicht in drei Jahren, dann halt in sieben Jahren.“

Marko war nicht zu überzeugen. Er träumte schon wie er als dreifacher Goldmedaillensieger von den Spielen zurück

in unserem Ort kehren würde: Eine jubelnde Menschenmenge halten Plakate hoch, auf ihnen steht:  Wir begrüßen unseren Goldjungen Marko Schnabbelschnut!

In unserem Ort war außer Marko und Fillip auch noch ein anderer Junge, der mit Stelzen trainierte. Es war der elfjährige Fritz. Bei unseren beiden Olympieaspiranten war er nicht beliebt. Sie meinten, Fritz sei ein widerlicher Angeber.

„Dem werden wir es zeigen“, tönte derFillip spöttisch, „so gut wie du Marko wird er nie sein.“

Die Zwei forderten den Angeber auf sein, vermutlich dürftiges, Können mit ihnen zu messen.

Fritz willigte ein und eines Nachmittags schlenderten sie mit den Holzstangen zum alten Sportplatz.

Zuerst machten sie Stelzen-Weitspringen. Marko begann. Ungefähr drei Meter war sein Sprung.

„Das musst ihr mir erst mal nachmachen“, lachte der Junge stolz.

Dann war Fillip an der Reihe. Sein Sprung war etwas kürzer, vielleicht 40 Zentmeter.   Das ist nicht schlimm, dachte Marko, es muss ja auch einer die Silbermedaille kriegen.

Als Dritter sprang Fritz. Sein Sprung maß 20 Zentimeter mehr als der vom Marko.

„Ich werde noch mehr trainieren“, murmelte Marko, „die zwanzig Zentimeter schaffe ich auch noch.“

Bei den zwei weiteren Disziplinen  Stelzenschnell-Laufen und Stelzenböschungrauflaufen war aber das Gleiche: Der Fritz war immer etwas besser als der Marko.

Missmutig und enttäuscht gingen Markus und Fillip heim. Sie spürten, dass sie wohl doch nicht so viel Talent für den Stelzensport hätten.

Daheim legte Marko seine beiden Holzstangen auf die Todholzhecke im Garten. Er berührte sie nie wieder.

Die Stelzen sind irgendwann morsch geworden und verrotteten.