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Ein feuerfestes Hemd

De Macko braachte äh nei Iwägangsjack.
„Heit is Samsdach un du fährst mit uns in die Stadt, Macko, mä kaafe äh nei Jack fer di(s)ch“, kindi(s)chte i(s)chäm oa.
„Des kann i)s)ch aach eloa mache“, antwortttete de Bu, ,“i(s)ch bin nemmä im Kinnägadde. Du brauchst mä nur des Geld zu gewwe“.
I(s)ch wie(s)chte meun Kopp bedenkli(s)ch hin un hä, „na ja, mä versuche es moal“, soate i(s)ch  „awä kaaf werklich äh Jack un koan Bleedsinn“.
In de Stadt gab i(s)chäm dann ähn Fuffzi(s)chälappe.
Zwonzi(s)ch Minute später erschienä strahlend zum vereubaarte Dreffpunkt.
„Woas goans Scheenes hebb i(s)ch gekriggt!“ riefä begaastert un zeigte mä des Gekaafte.
“Du hast ja goar koa Jack!“ kritisierte  i(s)ch empeert, „des is ja nur äh dinnes Häm“.        „Ja, scho..“gawä zu, „awä des is äh ganz besunnners Häm. Oans vo de Edelmack  strietfaitä. Uffem Ricke steht des aach in rote große Buchstoabe druff. Alle Buwe in meunä Klass hobbe scho so ähn Häm, nur i(s)ch bishä noch net“.
„Wie deier woar des denn?“ froate i(s)ch vowurfsvoll.
„Es wor fast billig für diese Mack, i(s)ch hebb aaßä dem Fuffzi(s)chälappe nur noch ähn poar Minze von meunäm Daschegeld dezu gewwe misse“.
„Also so geht des net, Macko, des Häm bringe mä zurick un kaafe doann mit
dem Geld äh richti(s)ch Iwägoangsjack, zusoamme.“
“De Kassezettel hebb i(s)ch nemmä“, soate de Bu kleunlaat, „i(s)ch hebben forttgeworfe“.
I(s)ch seun doann mit de Macko in des Geschäft gelaafe, awä angeblich konnte sich koan Verkeifä mä an de Bu erinnern.„Des is net schlimm“, moante de Macko, „ defier hebb i(s)ch jetz ähn goans
besunneres Häm, damit koann i(s)ch sogoar dorchs Feiä hippe!“
“Un? Fer woas soll des gut seun? Moanste de etwa,wenn unsä Hitt abbrennt, koanste noch neu gehe un unser Katz redde?“
         Zu däm Erei(s)chnis is noch zu soage: Unsä Hitt is net abgebrannt, se steht heit noch. Un dorchs Feiä is de Macko nirgendswo gehippt. Eun poar Daach später, als dieses Häm widdä moal seunen Owäkerper zierte, lehnte er si(s)ch cool an de Gaddezaun  als die Moni, sei Freindin, erschien,  Debei issä mit däm Edelhäm hänge gebliwwe un es seun zerrisse woarn.  Es woar doann nur noch ähn Lumpe fer die Milltonn.

(Kommentar zu dieser Anekdote auf dieser Seite unten nach der Übersetzung) 


Übersetzung:  Der Marko brauchte eine neue Übergangsjacke.   
„Heute ist Samstag und du fährst mit uns in die Stadt, Marko, wir kaufen eine neue Jacke für dich“, kündigte ich ihm an.
„Das kann ich auch alleine machen“, antwortete der Bub (Junge), „ich bin nicht mehr im Kindergarten. Du brauchst mir nur das Geld zu geben.“
Ich wiegte meinen Kopf bedenklich hin und her. „Na ja, wir versuchen es mal“, sagte ich, “aber kauf wirklich eine Jacke und nicht irgendwelchen Blödsinn“.
In der Stadt gab ich ihm dann einen Funfzigerlappen.
Zwanzig Minuten später erschien er strahlend am vereinbarten Treffpunkt.
„Etwas ganz Schönes habe ich bekommen!“ rief er begeistert und zeigte mir das Gekaufte.
„Du hast ja gar keine Jacke!“ kritisierte ich empört, „das ist ja nur ein dünnes Hemd!“
„Ja..schon“, gab er zu, „aber das ist ein ganz besonderes Hemd. Eins von der Edelmarke streetfighter. Auf dem Rücken steht das auch in großen roten Buchstaben drauf. Alle Jungen in meiner Klasse haben bereits so ein Hemd, nur ich bisher noch nicht.“
„Wie teuer war das denn?“ fragte ich vorwurfsvoll.
„Es war fast billig für diese Marke. Außer dem Fünfzigerlappen musste ich nur noch ein paar Münzen von meinem Taschengeld dazu geben“.
„Also so geht das nicht, Marko. Wir gehen jetzt in das Geschäft und geben das Hemd zurück. Mit diesem Geld kaufen wir dann eine richtige Übergangsjacke, zusammen!“
„Den Kassenzettel habe ich nicht mehr“, sagte der Junge kleinlaut, „ich habe ihn fortgeworfen“.
Ich bin dann mit dem Marko zu dem Geschäft gegangen, aber angeblich konnte sich kein Verkäufer mehr an den Jungen erinnern.
„Das ist nicht schlimm“, meinte der Marko, „dafür habe ich jetzt ein ganz besonderes Hemd, damit kann ich sogar durchs Feuer springen!“
„Und? Für was soll das gut sein? Meinst du etwa, wenn unsere Hütte (Häuschen) abbrennt, kannst du noch reingehen und unsere Katze retten?“

                             Zu dem Ereignis ist noch zu sagen: Unsere Hütte (Häuschen) ist nicht abgebrannt, sie steht heute noch. Und durchs Feuer ist Marko nirgendwo gwsprungen.
Ein paar Tage später, als dieses Hemd wieder mal seinen Oberkörper zierte, lehnte er sich cool an den Gartenzaun als die Moni, seine Freundin, erschien. Dabei ist er mit seinem Edelhemd hängen geblieben und es wurde zerrissen. Es war dann nur noch ein Lumpen für die Mülltonne.


linkes Bild: Hemd noch unversehrt

rechtes Bild: Hemd nach dem Hängenbleiben am Gartenzaun

persönlicher Kommentar:   Bei diesem Geschichtchen brauchte ich überhaupt nicht meine Fantasie zu beanspruchen. Fast Alles habe ich als leidgeprüfter Vater so erlebt. Der Verkäufer hatte tatsächlich etwas von Feuerfestigkeit des Hemdes gefaselt, was mein Sohn, Opfer des jugendlichen Markenfimmels, naiv wie er war, gierig in sein Hirn aufsog.
      Bei vielen Erwachsenen gibt es auch sowas wie einen Markenfimmel, dass ich als eine Art  Konsumidiotismus betrachte. Diese Zeitgenossen sind in ihrer Entwicklung halt stehengeblieben.
So schlimm wäre das Alles nicht. Bei Jugendlichen habe ich noch ein gewisses Verständnis, schließlich sind sie noch in der Selbstfindungs-Phase. Schlimm ist aber, dass mein Portemonnaie dabei übermäßig in Anspruch genommen wird.
Viele  andere Anekdoten dieser Homepage beziehen sich ebenfalls auf persönlich selbst Erlebtes oder zumindest Gehörtes. Manche Geschichtchen sind aber auch frei erfunden, z.B. die über Hans Wassereis.