De Klausi, die Babett(s)che, de Ludwi(s)ch, de Heunä und i(s)ch, de Schor(s)chi, hockten friedli(s)ch zusoamme in de Kneip Zum weisen Mondmann. „Vo zwa Woche hadd i(s)ch ähn fer(s)chtäli(s)chä Draam“, väzählte uns de Heunä un noahm ähn kräftige Schluck aasäm Biergloas, „die Regierung hodd des Bierdrinke väboode un die Brauereie seun geschlosse worn“. „Ach, des is doch net schlimm“, moante de Klausi, „solch Alpdraam hadd i(s)ch a scho. Aaßäerdische wern beu uns im Dorff geloandet un wollte die Mensche väsklave. Uf sol(s)che Draam muss mä nix gewwe.“
„Sollte mä moane“, erwidderte Heunä, „awä letzt nacht hebb i(s)ch wirrä gedraamt, doass äh bierlos Zaat beginne däht. Morjens seun i(s)ch schweißgeboadet ufgewacht. Un jetz hobb i(s)ch ri(s)chti(s)ch Oangst devo, doass des woahr werd.“ „Braachsde awä net“, beruhi(s)chte Klausi unsern Koampfdrinkä, „notfalls koannsde a uf Ebbelweu orrä Rotweu wechsle.“ „Des waaß i(s)ch aach. Oangst hobb i(s)ch trotzdem. Un i(s)ch zitter, doass sol-(s)che Draam wirrä kumme. Wenn des Werkli(s)chkaat werd, i(s)ch glaab, i(s)ch werd gewoaltdähti(s)ch, obwohl i(s)ch äh friedli(s)ch Seel bin, wie jedä waaß“. „Du hosd also äh zwafoach Oangst“, äklärte Klausi, unsä Chef-Filosof, „erstens, des äh eed, bierlos Zaat beginne däht un doann hosde noch Oangst vo de Oangst.“ Feufiehli(s)ch, wie de Klausi halt moanchmoal wor, dahtä si(s)ch iwä Heunä lus-
ti(s)ch mache un bastelte ä glaa ähn Vers, er soate: "Die Oangst, des nix befei(s)cht seu dorsti(s)ch Kehl vägift un lähmt seu friedli(s)ch Seel.“ „Wenn werkli(s)ch des Bier abgeschafft wern soll“, begoann i(s)ch doann zu babble, „hosde zwa Me(s)chli(s)chkaate: Entwedä du lässt di(s)ch daach-däch-
li(s)ch volllaafe mit däm herrli(s)che Gesöff, soloang es noch geht, orrä du gewehnst deun Kerpä loangsoam oan Bierentzug. Du drinkst sowieso viel zu viel. Bessä fer di(s)ch wär die letzt Me(s)chli(s)chkaat, awä mir schaant du duhst die erst Altänativ, des mit däm Voll-Laafe, bevozuuche.“ „Du kritisierst mi(s)ch scho wie ma Fraa,“ grunzte Heunä. „Ja, i(s)ch waaß“, dahtä eulenke, „i(s)ch drink zu viel. Awä woas soll i(s)ch mache? Meu Kopp is willi(s)ch, awä meu Kehl is schwach.“
Doamit woar des Thema erstmoal erledi(s)cht. „Aaßä Oangst duhtes a noch die For(s)cht gewwe“, knipfte Babett(s)che wirrä de Gesprächsfoade, „die For(s)cht vo däm Herrn macht gute Mensche aas uns, moant jedefalls die Susann.“ „Wer soll des seun, de Herr?“ froate i(s)ch, obwohl i(s)ch wusste, woas se doamit soage wollte. „Ei nadierli(s)ch de liewe Godd.“ Klausi winkte ab un daht fast seu Biergloas umstoße. „So lieb scheunt deu Godd net zu seun, ehä bees. Wennä werkli(s)ch lieb wär, misst mä si(s)ch freie un net fer(s)chte.“ "Meu finanzielle Sor(s)che duhtä a net leese“, bestäti(s)chte i(s)ch de Klausi, „des macht mä Oangst. Vo ähn poar Daache hab i(s)ch gedraamt, i(s)ch wär iwäschitt worn mit Rechnunge, die meu finanzielle Middel vollends iwästie(s)che. Morjens seun i(s)ch ewwefalls schweißgeboadet ufgewacht un konnt oan nix anneres mä denke. I(s)ch iwäle(s)chte wie i(s)ch zusätzli(s)ch Geld in meu Porttmonnee bringe kennt. Oan moan(s)che Daache däht i(s)ch oam liewste in meu Forzkuhl väkrieche, die Vohäng runnäziehe un wartte bis de Gerichtvollziehä kimmt. Awä: I(s)ch duh gern singe, vielaacht kennt i(s)ch in Dammstadt uf einäm Platz singe un mittem Hut Minze un Lappe eusammle.“
„Des mach bessä net“, riet Klausi ab, „dir zuheern zu misse seun äh qualvoll Stroaf. Die Leit gewwe dä he(s)chstens Geld, doamit de ufheerst.“ I(s)ch muss zugewwe, de Klausi hodde Rächt. Ä soate noch: Die Oangst un For(s)cht lähmt seu Gemiet un koann nemmä singe äh frehli(s)ch Lied. Ä koann nur noch quengle un jammern un doann si(s)ch väkrieche in dunkle Kammern.“
Übersetzung: Der Klausi, das Babettchen, der Ludwig, der Heiner und ich, der Schorschi, saßen friedlich zusammen in der Kneipe Zum weisen Mondmann. „Vor zwei Wochen hatte ich einen schrecklichen Traum“, erzählte uns der Heiner und nahm einen kräftigen Schluck aus dem Bierglas, „die Regierung hatte das Biertrinken verboten und die Brauereien wurden geschlossen.“ „Ach, das ist doch nicht schlimm“, meinte Klausi, „solche Alpträume hatte ich auch schon. Außerirdische waren bei uns im Dorf gelandet und wollten die Menschen versklaven. Auf solche Träume muss man nichts geben.“ „Sollte man meinen“, erwiderte Heiner, „aber letzte Nacht hatte ich wieder getrräumt eine bierlose Zeit würde kommen. Morgens bin ich schweißgebadet aufgewacht. Und jetzt habe ich richtige Angst davor, dass dies wahr wird.“ „Brauchst du aber nicht“, beruhigte Klausi unseren Kampftrinker, „notfalls kannst du auch auf Apfelwein oder Rotwein wechseln.“ „Das weiß ich auch. Angst habe ich trotzdem. Und ich zittere, dass solche Träume wiederkommen. Wenn das Wirklichkeit wird, ich glaube, ich werde gewalttätig, obwohl ich eine friedliche Seele bin, wie jeder weiß.“
„Du hast also eine zweifache Angst“, erklärte Klausi, unser Chef-Filosof, „ erstens, dass eine öde, bierlose Zeit beginnen würde und dann hast du noch Angst vor der Angst.“ Feinfühlig wie der Klausi halt manchmal war, machte er sich über Heiner lustig und bastelte auch gleich einen Vers. Er sagte: „Die Angst, dass nichts befeuchtet seine durstige Kehle vergiftet und lähmt seine friedliche Seele.“ „Wenn wirklich das Bier abgeschafft werden soll“, begann ich dann zu reden, „hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du lässt dich tag-täglich volllaufen mit dem herrlichen Gesöff, solange es noch geht, oder du gewöhnst deinen Körper langsam an Bierentzug. Du trinkst sowieso viel zu viel. Besser für dich wäre die letzte Möglichkeit. Aber mir scheint, du ziehst die Alternative, das mit dem Voll-Laufen, vor.“ „Du kritisierst mich schon wie meine Frau“, grunzte Heiner, „ja, ich weiß“, lenkte er ein, „ich trinke zu viel. Aber was soll ich machen? Mein Kopf ist willig, aber meine Kehle ist schwach.“ Damit war dies Thema erstmal erledigt. „Außer Angst gibt es noch die Furcht“, knüpfte Babettchen wieder den Gesprächsfaden,“die Furcht vor dem Herrn macht gute Menschen aus uns, meint jedenfalls die Susanne.“ „Wer soll das sein, der Herr?“ fragte ich, obwohl ich wusste, was sie damit sagen wollte. „Ei natürlich der liebe Gott.“ Klausi winkte ab und stieß fast sein Bierglas um. „So lieb scheint dein Gott nicht zu sein, eher böse. Wenn er wirklich lieb wäre, müsste man sich freuen und nicht fürchten.“
„Meine finanziellen Sorgen löst er auch nicht“, bestätigte ich den Klausi, „ das macht mir Angst. Vor ein paar Tagen hatte ich geträumt, ich wäre überschüttet worden mit Rechnungen, die meine finanziellen Mittel vollends überstiegen. Morgens bin ich ebenfalls schweißgebadet aufgewacht und konnte an nichts anderes mehr denken. Ich überlegte wie ich zusätzlich Geld in mein Portemonaie bringen könnte. An manchen Tagen würde ich am liebsten mich in meine Furzkuhle(Bett) verkriechen, mit runtergezogenen Vorhängen, und warten bis der Gerichtsvollzieher kommt. Aber: Ich singe gerne, vielleicht könnte ich in Darmstadt auf einem Platz singen und mit einem Hut Münzen und Lappen (Geldscheine) einsammeln.“ „Das mach besser nicht“, riet Klausi mir ab, „dir zuhören zu müssen ist eine qualvolle Strafe. Die Leute geben dir höchstens Geld, damit du aufhörst.“ Ich musste zugeben, der Klausi hatte Recht. Er sagte noch: „Die Angst und Furcht lähmt sein Gemüt und kannt nicht(mehr) singen ein fröhlich Lied. Er kann nur noch quengeln und jammern und dann sich verkriechen in dunkle Kammern.“