Maddin Goandä woar oanä dä goanz wäni(s)ch väbliwwene Bauern im Ortt. Alsä vo saa Fraa wirrämoal ufgefordertt seun de Hinkelstall sauwä zu mache, grunzte ä unwersch. Ä holte seu Gewehr aasäm Schronk mit verzi(s)ch Patrone innä Schoachtel, schloss seu Fraa, des Susann(s)che un seu zwaa Dechdä, Laura un Lisa, in de Wohnstubb eu un soate: „I(s)ch kimm glaa zurick, i(s)ch hebb noch woas zu älädi(s)che.“ „Woarim duhsde uns euschließe?“ froate Susann(s)che, „hosde wirrä moal Ferz im Hern?“ Eune Minut spätä heerte die zwa Mäd(s)chä un die Fraa Gewehrschiss. Laura effnete des Fenstä un guckte naus. „De Babba duht die Hinkel schieße!“ rief se entsetzt. Lisa un die Bauersfraa stermte oans Fenstä. Waatere Gewehrschiss erteente. „Macht des Fenstä zu!“, rief de Maddin ihne zu, „wenn i(s)ch hier ferti(s)ch seun, seud ihr droa.“ „Wä misse sofort raaskleddern un fli(s)chte“, soate die Fraa, se hodd sofortt gemerkt, woas ihne bliehe däht. Die drei krabbelte a glaa aas däm Fenstä, hippte in de Hof un roannte, so schnell wie de Blitz, zim Nachbarhaas, zu de Edelburgs. Maddin schoss hinnähä, zim Glick hoddä net gedroffe.
Bei de Edelburgs daht die Fraa die Bolizei telefoniere. Noach zwaa bangere Minute erschiene a drei Boliziste innäm Streifewoage. De Amokleifä hodde inzwische alle eununzwoanzi(s)ch Hinkel erschosse un wollt alleweil beginne die Wutze zu schieße. „Heer uf, Maddin!“, schrie oan Bolozist, „du seun umstellt. Kimm mit erhobene Hend aasäm Wutzestall naus!“ „I(s)ch denk net droa!“ rief de Bauä zurick, „Haut ab! Des geht eich nix oa, des seun äh Familieoagelä(s)chenhaat.“ Ä äschien doann awä doch oan de offene Dier vom Wutzestall, mittäm Gewehr im Anschloag. Eunä de Boliziste hodde ähn Bumeroang debaa un daht ihn zim iwäraschte Amokleifä werfe. Dä word a oam Kopp gedroffe un sterzte zu Boode. Sofortt roannte alle drei Polizisten zu äm un iwäwälti(s)chte de Moann. Des woar die Geschicht vo däm Amoklaaf. Jedä koann si(s)ch denke: Dies Äei(s)chniss woar wocheloang Thema Nummä euns im Dorff. Woarim daht de familiefreindli(s)che Vaddä sol(s)che Sache? Ähn spätä gefunnene Oabschiedsbrief vo Maddin hodd deriwä Aaskunft gewwe:
Liewe Leit, wennä dieses Schreiwe läse duht, werd i(s)ch nemmä unnä de Läwende weile. I(s)ch hebb meun Läwe ähn Ende gesetzt un a des vo meunä Fraa un meune zwa Kinnä un des vo de hochmieti(s)che Edelburgs. I(s)ch hebb koa annä Aasi(s)cht mä blicke kenne. Meu Läwe woar erfillt vo stumpsinni(s)chäm, sä ermiedenden Schaffe vo frieh morjens bis owends, aach samsdaachs un sogoar sundaachs. Die finanzielle Erleese degeje....eufach lächäli(s)ch. Un doann noch die hochmieti(s)ch Spri(s)ch vo de Edelburgs un annern Leit im Ortt. Jedä merkt, doass de Maddin si(s)ch wie ähn Uhrumpel uffiehrt, hobbe se gesoat, ä seun halt nur ähn Bauä. Se wolle doamit soage: De Moann koann si(s)ch net benämme, ähn Bleedel, ähn Depp halt. Des Alles konnt i(s)ch nemmä längä ertroage.
Glickli(s)chäwaas seun des doann anners kumme als de Maddin geploant hodd. Ä selwä konnt si(s)ch net teede, ä word nur in äh geschlosse Oastoalt eugewiese. Annern Persone seun a net erschosse worn, awä eununzwoanzi(s)ch Hinkel. Die Bauersfraa Susann(s)che daht siwwe tode Hinkel de Edelburgs schenke, die a fast erschosse worn wern. Vo de annern verzeh Diern hodd die Restfamilie in de nächste vier Woche neinmoal gefuddert, finf worn noch in de Tiefkiehltruh. Vo de regionale Kripo koam eunes Daachs ähn Oanruf, Susanne sollt tode Hinkel de Beherd vobaabringe, sie breichte des als Bewaasmiddel. Unsä Susann wollte net. Deruf koam ähn Brief. In däm stoand, doass se die erschossene Hinkel vobaabrige misst, sonst däht se äh Oazei(s)ch krieje weje Väni(s)chtung vo Bewaasmiddel. Eun poar Daach spätä daht die Beherd ihr Välonge zurickziehe. Ähn Oanwoalt hodd der Fraa geholfe. Es woar de Notar Hä Rechthaber. Seu besunneres Vägnie(s)che woar Weudrinke un daht si(s)ch selwä als exellente Kennä deirä spoanischä un froanzesischä Weu bezei(s)chne. Moan(s)che Väwoandte vonnäm häm allerdings iwä ihn gesoat: Alkoholikä.
Seun Leitspruch woar: Woas des Gesetzbuch soat seun mä worscht haaptsach i(s)ch krieg Recht un koann stille moan deire Dorscht.
Übersetzung: Martin Ganter war einer der ganz wenigen, verbliebenen Bauern im Dorf. Als er von seiner Frau wieder einmal aufgefordert wurde seinen Hühnerstall sauber zu machen, grunzte er unwirsch. Er holte sein Gewehr aus dem Schrank mit 40 Patronen in einer Schachtel, schloss seune Frau, das Susannchen und seine zwei Töchter, Laura und Lisa, im Wohnzimmer ein und sagte: „Ich komme gleich zurück, ich habe noch was zu erledigen.“ „Warum schließt du uns ein?“ fragte Susannchen, „hast wieder einmal Fürze im Hirn? (Unsinn im Kopf)“ Eine Minute später hörten die zwei Mädchen und die Frau Gewehrschüsse. Laura öffnete das Fenster und schaute raus. „Der Papa erschießt die Hühner!“ rief sie entsetzt. Laura und Lisa stürmten ans Fenster. Weitere Gewehrschüsse ertönten. „Macht das Fenster zu!“ rief Martin ihnen zu, „wenn ich hier fertig bin, seid ihr dran.“ „Wir müssen sofort rausklettern und flüchten“, sagte die Frau, sie hatte sofort gemerkt, was ihnen blühen konnte. Die Drei krabbelten auch gleich aus dem Fenster, sprangen in den Hof und rannten, so schnell wie der Blitz, zum Nachbarhaus, zu den Edelburgs. Martin schoss hinterher, zum Glück aber traf er nicht. Bei den Edelburgs telefonierte die Frau sofort an die Polizei. Nach zwei bangen Minuten Kamen auch drei Polizisten in einem Streifenwagen. Der Amokläufer hatte inzwischen alle 21 Hühner erschossen und wollte gerade beginnen die Schweine zu erschießen. „Hör auf Martin!“ schrie ein Polizist, „du bist umstellt. Komm mit erhobenen Händen aus dem Schweinestall raus!“ „Ich denke nicht daran!“ rief der Bauer zurück, „ haut ab! Das geht euch nichts an, das ist eine Familienangelegenheit.“ Er erschien dann aber doch an der offenen Tür des Schweinestalls, mit dem Gewehr im Anschlag. Einer der Polizisten hatte einen Bumerang dabei und warf diesen zum überraschten Amokläufer. Der wurde am Kopf getroffen und stürzte zu Boden. Sofort stürzten die drei Polizisten sich auf ihn und überwältigten den Mann.
Das war die Geschichte von dem Amoklauf. Jeder kann sich denken: Dieses Ereigniss war wochenlang Thema Nummer eins im Dorf. Warum machte der familienfreundliche Vater solche Sachen? Ein später gefundener Abschiedsbrief vom Martin hatte darüber Auskunft gegeben:
Liebe Leute, wenn ihr dieses Schreiben lest, werde ich nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ich habe meinem Leben ein Ende gesetzt und das meiner Frau und den zwei Kindern und das der hochmütigen Edelburgs. Ich habe keinen Ausweg mehr erblicken können. Mein Leben war erfüllt vom stumpfsinnigen, sehr ermüden den Arbeiten von früh morgens bis abends, auch samstags und sogar sonntags. Die finanziellen Erlöse dagegen.....einfach lächerlich. Und dann noch die hochmütigen Sprüche der Edelburgs und anderer Leute im Ort. Jeder merkt, dass der Martin sich wie ein Uhrumpel (ungehobelter Trottel) aufführt,haben sie gesagt, er ist halt nur ein Bauer. Sie wollen damit sagen: Der Mann kann sich nicht benehmen, ein Blödel, ein Depp halt. Das Alles konnte ich nicht mehr länger ertragen.
Glücklicherweise ist es dann anders gekommen wie der Martin das geplant hatte. Er selber konnte sicht nicht töten, er wurde nur in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Andere Personen wurden auch nicht erschossen, aber 21 Hühner. Die Bauersfrau Susanne schenkte 7 tote Hühner den Edelburgs, die auch fast erschossen worden wären. Von den anderen 14 Tieren hatte die Restfamilie in den nächsten 4 Wochen neunmal was zu futtern, 5 waren noch in der Tiefkühltruhe. Von der regionalen Kripo kam eines Tages ein Anruf, Susanne sollte tote Hühner der Behörde bringen, sie bräuchten das als Beweismittel. Unsere Susanne wollte das nicht. Darauf kam ein Brief. In ihm stand, dass sie die erschossenen Hühner vorbei bringen müsste, sonst würde sie eine Anzeige kriegen wegen Vernichtung von Beweismitteln. Ein paar Tage später zog die Behörde ihr Verlangen zurück. Ein Anwalt hatte der Frau geholfen. Es war der Notar Herr Rechthaber.Sein besonderes Vergnügen war Weintrinken und bezeichnete sich selbst als exellenten Kenner teurer, spanischer und französischer Weine. Manche Verwandte von ihm haben allerdings über ihn gesagt: Alkoholiker. Sein Leitspruch war: Was das Gesetzbuch sagt ist mir wurst hauptsache ich kriege Recht und kann stillen meinen teuren Durst.