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Betriebsversammlung


In meunä Ferma stoande die Zei(s)che uf Streik. Die Gewerkschaft wollt äh werk-  li(s)ch fälli(s)che Lohn- un Gehaltserhe(s)chung dor(s)chsetze.
Die Fermeleitung hielt äh Väsammlung in de Kantin ab, um die Leit vonnäm Arweitskampf oabzuhalte.
„Äh Arweitsniedäle(s)chung kenne mä uns net leiste“, soate de Personoaldirektor Hä Schmei(s)chelrednnä, „unsä Betrieb duht finanziell uffen letzte Loch peife. Mä kenne nur noch Euns: Spoarn, spoarn un nochemoal spoarn. Des moan net nur i(s)ch, sunnern aach de Inhabä  Hä Direktor Professor Doktä Doktä Holdobald von Ahornwald, zwafachä Drä(s)chä des Hoselatzorddens.
Leidä koann unsä geliebtä Obbächeff oan unserm heiti(s)che Dreffe net taalnemme un enschuldi(s)cht si(s)ch fer seun Fernbleibe, ä muss annern wi(s)chti(s)che Termine dähti(s)che. Un....“. „Dä Dabbes muss seu Gietä un Geld zähle“, daht Eunä lautstack die Redd unnäbre(s)che.
Gelä(s)chtä woar die Fol(s)ch.

„Des seun net de Grund“, behaaptete de Personoaldirektor, „iwähaapt: Woas soll die Polemik? In diese schwieri(s)che Zaate misse mä all zusoammehalte, egal woas eunä fer äh Posizion  beklaadet orrä wel(s)ch politisch Eustellung.
                                Ob grie, ob gäl, ob schwattz, ob rot
                                wä hocke all in eunäm Boot.“
„Doa hobbe wä allerdings annern Informazione“, antworttete de Betriebsroatvositzende, de Kall Dor(s)chsetzä, „die Ferma hodd gut vädient im letzte Johr. Des hodd uns a die Gewerkschaftszentral in Fronkfortt bestäti(s)cht.“
„I(s)ch hebb die glei(s)che Informazione“, ergänzte Monika Vielschaffer, die stellvertretende Betriebsroatvositzende, „ebbes mä Geld koann die Ferma scho raasricke, doamit wä wirrä woas im Porttmonnee hobbe.“

„Moag ja seun“, daht Hä Schmeichelrednä zugewwe, „awä es haodd a mä Aasgaoabe gewwe.
Iwrischens: Unsä Direktor Professor Doktä Doktä Holdobald von Ahornwald, zwafachä Drä(s)chä des Hoselatzorddens,  duht si(s)ch goanz herzli(s)ch bedoanke, dass de Doamechor vo unsä kaufmännische Abteilung ihm oan seunem Gebortstag des scheene Lied  Chef, wir lieben sie gesunge hodd. Unsä Obbbächef hodd Dräne de Riehrung vägosse.“
„Des intressiert hier net!“ daht Eunä rufe, „bleiwe se beim Thema!“
In de fol(s)chende zeh Minute bassierte nix Erwähnenswertes. De Personoaldirektor daht nur seu Bitte wiedähole doch verninfti(s)ch zu seun un      si(s)ch eunäm Streik net oazuschließe.
Die Betriebratsmitgliedä wollte awä äh megli(s)che Arweitsniedälä(s)chung net aasschließe, des dähte se net entscheide, sunnern die Gewerkschaftsleitung.
„Wenn des so kommt, hodd die Geschäftsleitung eich nemmä lieb“, droht Hä Schmeichelrednä .         Deruf brache eunige in Dräne aas.
„Allerdings werd des ibli(s)che Weuhnoachtsgeschenk aach dieses Joahr jedäm Betriebsoangeheeri(s)che wirrä iwärei(s)cht. Jedä bekimmt äh hunnerdfuffzi(s)ch Grammtafel Schokoload, woahlwaas Nuss-Vollmilch orrä Zartbittä. Uf de Packung seun a diesmoal wirrä des Kontäfei vo unserm geliebte Obbächef zu sehe.“
Diese Noachri(s)cht intressierte allerdings kaam jemoand, alle murmelte un schwetzte dor(s)cheunannä.
Monika Vielschaffer woar net nur die stellvätretende Betriebsroatvositzende vo unsärä Ferma, sunnern a die Versbastlärin fier besunnere Oagelegeheite. Sie truch zim Oabschluss vo:                                  
                               Oagäbli(s)ch hocke all im glei(s)che Boot
                               Ob grie, ob gäl, ob schwattz, ob rot
                               ob Kapitän, ob Matros un Steiämoann
                               jedä duht seu Bestes woasä koann
                               Awä, jedoch:
                               Aach Schiffsbuwe, Schiffsmäd(s)chä un Matrose wolle Geld
                               werdi(s)ch läwe un woas kaafe kenne in diesä Welt.“

 

Übersetzung: In meiner Firma standen die Zeichen auf Streik. Die Gewerkschaft wollte eine wirklich fällige Lohn- und Gehaltserhöhung durchsetzen.
Die Firmenleitung hielt eine Versammlung in der Kantine ab, um die Leute von einen Arbeitskampf abzuhalten.

„Eine Arbeitsniederlegung können wir uns nicht leisten“, sagte der Personaldirektor Herr Schmeichelredner, „unser Betrieb pfeift finanziell auf dem letzten Loch. Wir können nur noch Eines: Sparen, sparen und nochmals sparen. Dies meine nicht nur ich, sonder auch der Inhaber Herr Direktor Professor Dr.Dr. Holdobald von Ahornwald, zweifacher Träger des Hosenlatzordens.
Leider kann unser geliebter Oberchef an unserem heutigen Treffen nicht teilnehmen, er muss andere wichtige Termine wahrnehmen.Und.....“  „Der Dabbes (ungeschickter Blödmann) muss seine Güter und sein Geld zählen,“ unterbrach Einer lautstark die Rede.
Gelächter war die Folge.
„Das ist nicht der Grund“, behauptete der Personaldirektor, „überhaupt! Was soll die Polemik? In diesen schwierigen Zeiten müssen wir alle zusammenhalten, egal was einer für eine Position bekleidet oder welche politische Einstellung man hat.
                          Ob grün, ob gelb, ob schwarz, ob rot
                          wir sitzen alle in einem Boot.“
„Da haben wir allerdings andere Informationen“, antwortete der Betriebsratsvorsitzende, Karl Durchsetzer, „die Firma hat gut verdient im letzten Jahr. Das hat uns die Gewerkschafts-zentrale in Frankfurt bestätigt.“
„Ich habe die gleichen Informationen“, ergänzte Monika Vielschaffer, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, „etwas mehr Geld kann die Firma schon rausrücken, damit wir wieder was im Portemonnaie haben.“


„Mag ja sein „gab Herr Schmeichelredner zu, „aber es hat auch mehr Ausgaben gegeben.
Übrigens: Unser Direktor Professor Dr.Dr. Holdobald von Ahornwald, zweifacher Träger des Hosenlatzordens, bedankt sich ganz herzlich, dass der Damenchor von unserer kauf-männischen Abteilung ihm an seinem Geburtstag das schöne Lied Chef, wir lieben sie gesungen hatte. Unser Oberchef hatte Tränen der Rührung vergossen.“
„Das interessiert hier nicht!“ rief Einer, „bleiben sie beim Thema!“
In den folgenden 10 Minuten passierte nichts Erwähnenswertes. Der Personaldirektor wiederholte nur seine Bitte doch vernünftig zu sein und sich einem Streik nicht anzuschließen.
Die Betriebsratsmitglieder wollten aber eine Arbeitsniederlegung nicht ausschließen, dies würden nicht sie entscheiden, sondern die Gewerkschaftsleitung.
„Wenn das so kommt, hat euch die Firmenleitung nicht mehr lieb“, drohte Herr Schmeichelredner.     Darauf brachen Einige in Tränen aus.
„Allerdings wird das übliche Weihnachtsgeschenk auch dieses Jahr wieder jedem Betriebsangehörigen überreicht. Jeder bekommte einer 150Grammtafel Schokolade, wahlweise Nuss-Vollmilch oder Zartbitter. Auf der Packung ist auch diesmal wieder das Konterfei unseres geliebten Oberchefs zu sehen.“
Diese Nachricht interessierte allerdings kaum jemand, alle murmelten und schwätzten durcheinander.
Monika Vielschaffer war nicht nur stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, sondern auch die Versbastlerin für besondere Angelegenheiten. Sie trug zum Abschluss vor:
                           „ Angeblich sitzen Alle im gleichen Boot
                            ob grün, ob gelb, ob schwarz, ob rot.
                            Ob Kapitän, Matrose oder Steuermann,
                            jeder tut sein Bestes, was er kann.
                            Aber, jedoch:
                            Auch Schiffsjungen, Schiffsmädchen und Matrosen wollenGeld
                            würdig leben und was kaufen können in dieser Welt.“