Beten

Auf dieser Seite  sind  folgende Anekdoten:   Indoktrination,       Beten mit Bestechungsanfrage,  Beten zweimal die Woche,   Mariechen und Klein-Lisa unerhalten sich über das Beten,     Bringt Beten Vorteile?

 

Indoktrination
Macko un Marie(s)che draafe de Parrä Hä Himmelsstorm uf de Kerb. „Na Macko, duhst du oawends aach alleweil addi(s)ch un lieb zim Hägodd bäte?“ froate ä.
“Heit nemmä , awä frieher hebs i(s)ch heifi(s)ch gemacht“, oanworddede doa de Bu, „awä nix, awä reun gor nix is in
Erfillung gonge.“
“Viellaacht worsde zu uuväschämt.“     „Noa, iwähaapt net. I(s)ch heb mä zim Baaspiel gewinscht, zum Sundaach wirrä moal Ribbelkuche zu mampfe. Orrä doass des heifi(s)ch Gejucke an meu Fußsohl ufheert.. Awä selwst bei so bescheidene Winsch hodd sich nix geännert. Oam jene Sundaach gabs koa Ribbelkuche, noch net moal Quetschekuche und moa Fußsohljucke word net weni(s)chä. Greßere Winsch zu eißern hebb i(s)ch mä doa gor net mä gedraud.“
De Parrä iwäging die Euwend vom Macko un fraachte des Marie(s)che: “Na Mäd(s)che,willste moal zum Kinnägottesdienst kumme?“    „Gibt’s da aach

Keks un Kakau?“  froate Marie(s)che.
“Also, ihr saad mä freche Kinnä, häm ei(s)ch die Eldern geje die Ker(s)ch ufgehetzt?“

Meu Eldern spreche deriwä nix. Awä de Vaddä vom Rolfi, meun Freind, hodd gesoat    de Godd gibt’s gor net, des wär nur Eubildung.“

In däm Moment koam de Schorschi, de Vaddä von Marie(s)che un Macko un de Klausi, de Vaddä vom Rolfi, dezu.

Grieß Gott, die christli(s)ch Äziehung von ihre Kinnä lässt ar(s)ch zu winsche iwri(s)ch“, begrießte de Parrer Himmelsstorm die Väddä.      „I(s)ch duh mei Kinnä net indokdriniere,“ väteidi(s)chte si(s)ch Schor(s)chi, „die solle moal selwst entscheide woas ri(s)chdi(s)ch un falsch is“.
De Parrä väabschiedete si(s)ch derufhie sofodd  und die Vier ginge hoam.
“Du Babba, was haaßt des, indokdriniere?“ froate Macko.

Des haaßt soviel wie  net vollstenni(s)ch informiere, etwas bewußt weglosse orrä aach dezu di(s)chte.   I(s)ch will dä moal eun Beispiel gäwwe.
I(s)ch waaß, du isst gern Ribbelkuche. Wenn du des mit uns machst, ganz effentli(s)ch , dann kann ma nix degeje euwenne. Awä du stibizt heumli(s)ch immä devo un bis jedds konnte wedä doa Muddä noch i(s)ch dä des oabgewehne.

Eune  Megli(s)chkeit  wär di(s)ch zu indrokdiniere.       Mä kennte ernsthaft soage, wenn du heumlich Ribbelkuche frisst un dann noch liejst, der Hunn hodd des gefresse, kännte mä dä euredde, du kriggst davon e schwadds Zung un rote Borstehoar an de Hinnäback,die dann ferchdäli(s)ch kratze. Un wenn des net nur deu Eldern, also wä soage, sunnern aach die Lärerin, deu Großmuddä, deu Freinde,also Alle, doan kummste gor net uf die Idee, des kennte falsch seun und schließli(s)ch glaabste selwst ganz fest daroa.  Dann bisde endgildi(s)ch indokdriniert.“
“Gilt des aach fer Quetschekuche, Schor(s)chi?“
“Selwstvärstännli(s)ch“.        
Da machte si(s)ch de Klausi wirrä moal bemerkbar mit eunem Vers,den de Schorchi seunem Freind sehr iewel genumme hodd, weil ä dador(s)ch seu Äziehungsbemiehunge mit Fieß gedräre soah.    De Klausi hodd gesoat:

          De Macko braacht mä Daschegeld

          damit ä si(s)ch was kaafe konn in dieser Welt     
        und nemmä in die Ki(s)ch muss flitze
        um Ribbelkuche zu stibitze.

 

 

 

 

Übersetzung:

Marko und Mariechen trafen den Pfarrer auf der Kirchweih. „Na Marko,betest du auch abends immer artig und lieb zum Herrgott?“ fragte er.  „Heute nicht mehr, aber früher hab ich`s häufig gemacht,“ antwortete da der Bub, „aber nichts, rein gar nichts ist in Erfüllung gegangen.“  „Vielleicht warst du zu unverschämt.“    „Überhaupt nicht.Ich habe mir zum Bei-

spiel gewünscht  wieder mal sonntags Streuselkuchen zu mampfen. Oder dass das häufige Gejucke an meiner Fußsohle aufhört. Aber selbst bei so bescheidenen Wünschen hat sich nichts geändert. An jenem Sonntag gabs keinen Streuselkuchen, noch nicht einmal Pflaumenkuchen

und mein Fußsohlengejucke wurde auch nicht weniger. Größere Wünsche zu äußern hab ich mir da erst gar nicht getraut.“                    

Der Pfarrer überging die Einwände vom Marko und
fragte das Mariechen:“ Na Mädchen, willst du mal zum Kindergottesdienst kommen?“

Gibt´s da auch Kekse und Kakao?“ fragte Mariechen.
“Also, ihr seid mir zwei freche Kinder, haben euch eure Eltern gegen die Kirche aufgehetzt?“

Meine Eltern sprechen darüber nichts, aber der Vater vom Rolfi, mein Freund, hat gesagt den Gott gibt es gar nicht, das wäre nur Einbildung.“
In dem Moment kam der Schorchi, der Vater von Marko und Mariechen, und Klausi, der Vater vom Rolfi, dazu.   „Grüß Gott, die christliche Erziehung von ihren Kindern lässt sehr zu wünschen übrig“,begrüßte der Pfarrer die Väter.    „Ich indoktriniere meine Kinder nicht“, verteidigte sich Schorschi, „die sollen mal selber entscheiden was richtig und falsch ist.“

Der Pfarrer verabschiedete sich daraufhin sofort und die Vier gingen heim.

"Du Vater, was heißt das, indoktrinieren?“ fragte Marko.     „Das heißt soviel wie nicht vollständig informieren, etwas bewußt weglassen oder auch dazu dichten.    Ich will dir mal ein

Beispiel geben. Ich weiß,du isst gerne Streuselkuchen. Wenn du das mit uns machst, ganz öffentlich, gibt´s nichts dagegen einzuwenden. Aber du stibitzt immer heimlich davon und weder ich noch deine Mutter konnten dir dies bisher abgewöhnen. Eine Möglichkeit wäre dich zu indoktrinieren. Man könnte ernsthaft sagen, wenn du heimlich Streuselkuchen isst und dazu noch lügst, der Hund hätte das gefressen, könnte man die einreden, du krriegst

eine schwarze Zumge und rote Borstenhaare an der Hinternbacke, die dann fürchterlich kratzen. Und wenn das nicht nur deine Eltern, also wir sagen, sondern auch die Lehrerin, deine Großmutter, deine Freunde, also Alle, dann kommst du gar nicht auf die Idee, dies könnte falsch sein und schließlich glaubst du selbst ganz fest daran.    Dann bist du entgültig indoktriniert.“    

„Gilt das auch für Pflaumenkuchen,Schorchi?“  „Selbstverständlich“.               Da machte sich Klausi wieder mal bemerkbar mit einem Vers, den der Schorchi seinem Freund sehr übel genommen hatte, weil er dadurch seine Erziehungsbemühungen mit Füßen getreten sah. Der Klausi hatte gesagt:

             Der Marko braucht mehr Taschengeld

              damit er sich was kaufen kann in dieser Welt
            und nicht in die Küch muss flitzen

              um Streuselkuchen zu stibitzen.


Beten mit Bestechungsanfrage

Die Kinnä vo de fromm Susann dahte heifi(s)ch addi(s)ch bäte, bevo se in de Forzkuhl owends ins Loand dä Dreime riwwä glidde.

Liwwä Godd“, daht des kloa Lisa(s)che oan Gesprä(s)ch beginne, „jetz hebb i(s)ch schun saat finf Woche di(s)ch gebäte, doass de uf moan Brure euwerke sollst, mä koa bees Grimasse mä zu schneide un doassä nemmä die Zung raasstreckt, wenn ä si(s)ch vo unsre Eldern uubeobacht fiehlt. Awä nix hodd si(s)ch geännert, goar nix. Daff i(s)ch di(s)ch ebbes kridisiern?

Doa de net oantwordde duhst nemm i(s)ch oa, du hosd nix degeje. Jedds streng di(s)ch endli(s)ch ebbes oa, so schwieri(s)ch werd des fer di(s)ch doch net seun.   Na, viellaa(s)cht seun i(s)ch aach zu uugeduldi(s)ch un es kimmt noch dämnägst.  Koann i(s)ch des ebbes beschleini(s)che? Zim Baaspiel oan Extragebet jede Mor(s)che, wenn i(s)ch meu Aache wirrä effne?  Zim Baaspiel so: Liwwä Godd: I(s)ch väspre(s)ch de folgende Daach, aach was, immä, addi(s)ch zu meune Eldern zu seun un jede Stunn vier orrä finf Minute, minnest jedoch zwaa, oan di(s)ch zu denke, waal de doch de Greeßte seun un de Hälli(s)chte dezu.

Laadä seun`s so, doass i(s)ch mor(s)chens alleweil fer(s)chdäli(s)ch mied bin un i(s)ch net väspreche koann so oan loange Satz zu babble orrä aach nur zu denke. Also, schreib därs uf. I(s)ch duh wome(s)chlich nur soage: Lisa lieb.

 

 

Übersetzung:Die Kinder der frommen Susanne beteten häufig artig, wenn sie abends im Bett ins Land der Träume rüber glitten.

LieberGott“, begann das kleine Lisachen ein Gespräch, „jetzt habe ich schon seit fünf Wochen dich gebeten auf meinen Bruder einzuwirken mir keine bösen Grimassen mehr zu schneiden und dass er nicht mehr die Zunge rausstreckt, wenn er sich von seinen Eltern unbeobachtet fühlt. Aber nichts hat sich geändert, rein gar nichts. Darf ich etwas kritisieren?

        Da du nicht antwortest, nehme ich an, du hast nichts dagegen. Jetzt streng dich endlich etwas an, so schwierig wird das für dich doch nicht sein. Na, vielleicht bin ich auch zu ungeduldig und es kommt noch demnächst. Kann ich das etwas beschleunigen? Zum Beispiel  ein Extragebet jeden Morgen, wenn ich meine Augen wieder öffne?  Zum Beispiel so: Lieber Gott, ich verspreche den folgendenTag, ach was, immer, artig zu meinen Eltern zu sein und jede Stunde,fünf oder vier Minuten, aber mindestens zwei, an dich zu denken, weil du doch der Größte bist und der Herrlichste dazu.

Leider ist es so, dass ich morgens immer fürchterlich müde bin und ich nicht versprechen kann einen so langen Satz zu sprechen oder auch nur zu denken. Also, schreib dir das auf.

Ich sage womöglich nur: Lisa lieb.

 

Beten zweimal die Woche

 

Die Mama vom Lisa(s)che, die fromm Susann hodd gelauscht un so mitgekriggt, woas ihr

De(s)chter(s)che zim liewe Hägodd gesproche hodd.

Meu Kinn“, begoann die Fraa zu babble, „dor(s)ch Zufall hebb i(s)ch geheert, woas de so gestern Owend gebät host. So oan Stuss seun nur eune bleed Beläsdi(s)chung fer  Godd.

In Zukunft mache mä des anners, Jede Owend hock i(s)ch baa dä oam Bettroand un bäte zusoamme. I(s)ch babbel vo un du babbelst noach.“

Des gefällt mä net“, schiddelte des Mäd(s)che ihrn Kopp, „des hämmä friehä schun gemacht. Fer(s)chdälich oastrengend seun des un doann derff i(s)ch nettemoal Winsch eißern. S´duht doch loange, wenn mä des zwaamoal in de Woch dähdi(s)che.“

Äh faul Kinn seun de“, kridisierde die Mama.

Awä dreimoal in eunä Woch werd doch  werkli(s)ch loange“, beddelte Lisa(s)che.

Iwäläs(s)chend wie(s)chte die Fraa ihrn Wersching hie un hä „Is guut“, lenkte se eu, „defier musste awä oan dä Daache, die wo du net bäte duhst, wäni(s)chstens eun- bis zwaamoal pro Daach oan de liewe Hägodd denke.“

I(s)ch duh des väspre(s)che“, väsi(s)cherte dreiherz(s)ch des Kinn, „s`koann nadierli(s)ch seun, doass i(s)ch des moal vägesse duh.“

Oh, des seun bees, werkli(s)ch sä bees“, äwirrerte die fromm Susoann,„awä i(s)ch werd dä helfe. Wenn de ebbes Schokoload luddsche duhst, ämoahn i(s)ch di(s)ch: Lisa(s)che, heer jedds moal uf mit Luddsche, hock di(s)ch fer zwaa Minute in de Sessel un denk oan de liewe Hägodd.“

 

 

 

Übersetzung:Die Mama vom Lisachen, die fromme Susanne, hatte gelauscht und so mitbekommen, was ihr Töchterchen zum lieben Herrgott gesprochen hatte.

Mein Kind“, begann die Frau zu reden, „durch Zufall habe ich gehört,was du gestern abend so gebetet hast. So ein Stuss ist nur eine blöde Belästigung für  Gott. In Zukunft machen wir das anders. Jeden Abend sitze ich bei dir am Bettrand und beten zusammen. Ich spreche vor und du sprichst nach.“

Das gefällt mir nicht“, schüttelte das Mädchen den Kopf, „das habe wir schon früher gemacht. Fürchterlich anstrengend ist das und dann darf ich noch nicht einmal Wünsche äußern. Es langt doch, wenn wir das zweimal in der Woche machen.“

Ein faules Kind bist du“, kritisierte die Mama.

Aber dreimal in einer Woche wird doch wirklich langen“, bettelte Lisachen.

Überlegend wiegte die Frau ihren Kopf hin und her. „Ist gut“, lenkte sie ein, „dafür musst du aber an den Tagen, an denen du nicht betest,wenigstens ein- bis zweimal pro Tag an den lieben Herrgott denken.“

Ich verspreche das“, versicherte treuherzig das Kind, „es kann natürlich sein, dass ich das mal vergesse.“

Oh,das ist böse, wirklich sehr böse“, erwiderte die fromme Susanne,„aber ich werde dir helfen. Wenn du etwas Schokolade lutscht, ermahne ich dich: Lisachen, jetzt höre mal auf mit dem Lutschen,setz dich für zwei Minuten in den Sessel und denke an den lieben Herrgott.“

Mariechen und Lisachen unterhalten sich übers Beten      

 

Marie(s)che un Lisa(s)che babbelte iwers Bäte.

Duhsde draamoal die Woch bäte orrä jed Owend?“ fraote Kloa-Lisa.

I(s)ch duh nie bäte“, gestoand Marie(s)che ,“friehä hodd i(s)ch`s moal brobiert, s`hodd awä nix geniddst.“

So? Woas hosde denn gebätet?“

I(s)ch hebb mä äh schee waaß Summäklaad gewinscht, so oans fer Prinzessinne. Moan Baba wollt defier koa Geld aasgewwe, ä daht behaapte, i(s)ch babbi(s)ch Kinn däht so woas nur sofodd eusuddle.“

Sol(s)ch Sache sollsde dä aach net winsche vom Hägodd, däht meu Mama soage“, daht Lisa(s)che oantwordde, „net Sache die des Porttmonnee de Eldern belaste. Du kennst dä zim Baaspiel winsche,doass deun Brure un deu Eldern alleweil gesund bleiwe.“

Och,desweje braach i(s)ch net zu bäte, die seun gesinnä als i(s)ch. Meu Eldern moane, bäte seun iwäflissi(s)chä Bleedsinn, se dähte aach nie bäte.“

Des is awä bees, nur beese Leit bäte nie:“

Niemoals! Des stimmt iwähaapt net,“ äwirrerte Marie(s)che bestimmt, „meu Eldern seun net bees, sunnern goans lieb“.  Doann noch korzä Zaat Iwälä(s)chung: „Na ja, i(s)ch muss zugewwe, moan Schor(s)chi-Babba is sä oft geizkroank.“

Doa hämmäs doch, deun Babba seun also doch ebbes bees. Orrä willsde behaapte, Geiz is lieb? Marie(s)che, du koannst zim Baaspiel zim Hägodd bäte, deun Babba soll nemmä geizkroank seun. Viellaacht duhsde denn doch noch deu waaß Summäklaad krieje.“

Moansde werklich, bäte duht hier helfe?“ froate Marie(s)che zwaafelnd,„i(s)ch koann`s

joamoal brobiern. I(s)ch glaab awä net, doass meun Schor(s)chi-Babba si(s)ch viel ännert.“

 

Übersetzung:Mariechen und Lisachen redeten über das Beten.

Betest du dreimal die Woche oder jeden Abend?“ fragte Klein-Lisa.

Ich bete nie“, gestand Mariechen, „füher hatte ich es mal probiert,es hat aber nichts genützt.“

So? Was hast du denn gebetet?“

Ich habe mir ein schönes weißes Sommerkleid gewünscht, so eins für Prinzessinnen. Mein Papa wollte dafür kein Geld ausgeben, er behauptete, ich schmutziges Kind würde das nur sofort einsuddeln.“

Solche Sachen solllst du dir auch nicht vom Herrgott wünschen, würde meine Mama sagen“, antwortete Lisachen, „nicht Sachen, die das Portemonnaie der Eltern belasten. Du könntest dir zum Beispiel wünschen, dass dein Bruder und deine Eltern immer gesund bleiben.“

Och, deswegen brauche ich nicht zu beten, die sind gesünder als ich. Meine Eltern meinen, beten ist überflüssiger Blödsinn, sie würden auch nie beten.“

Das ist aber böse, nur böse Leute beten nie.“

Niemals! Das stimmt überhaupt nicht“, erwiderte Mariechen bestimmt, „meine Eltern sind nicht böse, sondern ganz lieb.“    Dann, nach kurzer Zeit Überlegung. „Na ja, ich muss zugeben, mein Schorschi-Papa ist sehr oft geizkrank.“

Da haben wir`s doch, dein Papa ist also doch etwas böse. Oder willst du behaupten, Geiz ist lieb? Mariechen, du kannst zum Beispiel zum Herrgott beten, dein Papa soll nicht mehr geizkrank sein. Vielleicht kriegst du doch noch dein weißes Sommerkleid.“

Meinst du wirklich, beten hilft hier?“ fragte Mariechen zweifelnd, „ich kann es ja mal probieren. Ich glaub aber nicht, dass mein Schorschi-Papa sich viel ändert.“

 

Bringt Beten Vorteile?

Woarim soll i(s)ch bäte Hä Parrä?“ froate de Siggi Hä Himmelsstorm.

Oh, doa seun viele Grind, die defier spre(s)che. Zim Baaspiel aas Doankboarkaat, doass de gesund seun un noch net im Sar(s)ch leihe duhst. Doann koannsde aach Lobpreisunge singe, waal de Sunne-Unnägoang so scheen seun. Un doann konnsde aach Bitte aasspre(s)che, doass deu Hinkel mä Eiä leje.“

Des kapier i(s)ch net“, daht de Siggi oantwordde un schiddelte de Kopp,„so gesund seun i(s)ch goar net, i(s)ch koann nemmä soviel Bier in mi(s)ch neuschidde wie friehä, doann kwält mi(s)ch Rheimä un im Rigge spier i(s)ch so ähn schmerzhaft Ziehe. Im Sar(s)ch duh i(s)ch noch net leihe, awä seun des werkli(s)ch oan Grund doankboar zu seun? Duh i(s)ch spätä sterwe, wenn i(s)ch addisch un fleißi(s)ch bäte? Garoandiern kenne se mä des net, Hä Himmelsstorm.

Un des mit de Sunne-Unnägoang duht mä a net eulei(s)chte. I(s)ch find doa nix besunneres Scheenes droa, aaßädäm: Heifi(s)ch seun de Himmel dor(s)ch Wolke bedeckt.

Muss i(s)ch doann uf de Godd schimpe?

Un des mit de Hinkel un mä Eiä seun äh bleed Poss. Meu Hinkel duhn beraats viele Eiä ins Hei plumse losse, awä net, waal des ähn Godd mit mä gut moant, sunnern waal i(s)ch die Diern gut pflä(s)che un viel Fuddä beraat stell.“

 

 

Übersetzung:„Warum soll ich beten, Herr Pfarrer?“ fragte der Siggi Herrn Himmelssturm.

Oh,da gibt es viele Gründe, die dafür sprechen. Zum Beispiel aus Dankbarkeit, dass du gesund bist und noch nicht im Sarg liegst. Dann kannst du noch Lobpreisungen singen, weil der Sonnenuntergang so schön ist. Und dann kannst du auch Bitten aussprechen, dass deine Hühner mehr Eier legen.“

Das verstehe ich nicht“, antwortete Sigg und schüttelte den Kopf, „so gesund bin ich gar nicht, ich kann nicht mehr so viel Bier in mich reinschütten wie früher, dann quält mich Rheuma und im Rücken verspüre ich ein schmerzvolles Ziehen. Im Sarg liege ich noch nicht, aber ist das wirklich ein Grund dankbar zu sein?    Sterbe ich später, wenn ich artig und fleißig bete?    Garantieren können sie mir das nicht, Herr Himmelsturm.

Und das mit dem Sonnenuntergang leuchtet mir nicht ein. Ich finde nichts besonderes Schönes daran, außerdem: Häufig ist der Himmel durch Wolken bedeckt. Muss ich dann auf den Gott schimpfen?

Und das mit den Hühnern und mehr Eier ist blöder Unsinn. Meine Hühner lassen bereits viele Eier ins Heu plumpsen, aber nicht, weil das ein Gott gut mit mir meint, sondern weil ich die Tiere gut pflege und viel Futter bereit stelle.“