Fassnacht


Es wor Fassnacht un wä Kinnä, vielaa(s)cht fuffzeh orrä zwonzi(s)ch, seun im Dorff verkladet rimgelaafe und häm gebeddelt. I(s)ch selwä woar als Indjoaner rausgebutzt und hodd sogoar zwaa Feddern oam Sternboand..
Mon(s)che habe aach ergendwel(s)ch Bleedsinn gesunge. Doa wollt i(s)ch mi(s)ch aach net ausschließe und soang im Maschton:

 “Die Jurmä Kerb, die Jurmä Kerb, die Jurmä Kerb is doa, was seun die Leit so froh,        geh hoam un steck deu Hämmer neu, sie sollnverresse seun, sie solln verschesse seun.“   
Doa hoadd doch de Kall, verkladet als Kaubeu, zu mä geruufe:„ Hej, du mickri(s)cher Zwer(s)chindjoaner, moach koa Posse, du bist ähn grooßä Dummbeitel. Mä hebbe heit Fassnacht un koa Kerb!“       

De Kall woar, obwohl sogar e halb Jahr jünger als i(s)ch, nen halbe Kopp greeßä als i(s)ch un so äwirrerte i(s)ch nix, um uunedi(s)cheStreitereie, baa dänne i(s)ch nur de Kerzere gezoje hädd, zuvermeide.
Ähn annä Bu sang dann:“  Rissambo, Rissambo, moije fängt die Fassnacht oa, ach was ham die Seehmä Mäd(s)chä schebbe Boa!“

“Siehste“,rief da de Kall besserwisseri(s)ch , „des basst!“
“Basst net“, äwirrerte i(s)ch mudi(s)ch, „ mä  hebbe doch heit Fassnacht un moije nemmä.“         
 

„Willste mucke?“,brillte do de Kall mich oa, „ i(s)ch
glaab, ich muss dä moal deu Boa bambeli(s)ch  dräre.“
Viellaa(s)cht hädd dä des aachgemacht, awä de Rolfi, ähn  gute Freind vo mä, hodd mich geredd. De Rolfi war schun zwölf orrä dreizeh und in moane Aache schun wie eun Äwaksnä. Dä hodd nämli(s)ch meu Muddä väsproche uf mi(s)ch uffzubasse.     
 

„Heer uff!“, ämoante Rolfi  den debbe Kall,“ lass de kloa Schor(s)chi in Ruh, sunst kriggstes mit mä zu duhn. Orrä willsde etwa den Oabdruck meunä Hand in deunä Visa(s)ch spiern?“
Des wollte dä nadierli(s)ch net und so hodd i(s)ch, im Moment wäni(s)chtens, meu Ruh.    
Vo de Beckerei, inzwische woarn wir schun fast dreißi(s)ch Kinnä, stoande wä vo verschlossene Fenstäläde.  Da hämmä gesunge:        
 

                            

" Mä hebbe Hungä,mä hebbe Hungä,  mä hebbe drei Daach nix zu fresse kriggt!“

 

 

 

 

 

 

 

Gesunge woar wohl net der ri(s)chdige Aasdruck, es wor eher e gegreelt Gejammä.Aber die Beckerfraa hodde Äbamme mit uns, effnete Läde un Fenstä un waff zwaamoal e groß Schissel voll Kuzccher un Kekse raus. Auf die hämmä uns dann wie aasgehungert Welf gesterzt.  Jedä hodd woas eusammle kenne.
I(s)ch hodd dann aach finf Kuzcher und sechs Keks in meu Dasch.

Soglei(s)ch steckte i(s)ch son leckere Keks in maa Schleckermeilche, als pletzli(s)ch vo rmir die Elke aus der Parallelklass stoand, verkladet als Prinzessin.Se lächelte mi(s)ch oa.  Nu muss mä wisse, Elke wor net irgendeun Mäd(s)che, se woar meu uuerfillt Sehnsucht. Sie wor mit Oabstand des scheenste Geschepf, des i(s)ch je gesehe hodd. Wenn jemand soat, se wär hibsch, so is des nur die

halbeWoahrhaat. Ihr Gesi(s)cht wor die Scheenhaat selbst, ihr Hoargli(s)ch däm vom Engel und die schmoale Erm(s)chä, ... eunfach sieß wie e Kuzche.

  Finf Woche vohä hodde i/s)ch des erste moal Kontakt mit ihr, na ja, zugegäwwe net so richdi(s)ch, i(s)ch versuchte es awä. Wä Kinnä hibbte vo Schulbeginn uffen Hof rim un formte Schneebälle, die mä doann er(s)chendwo hiewaffe. I(s)ch waff mehrmals soon Schneeheif(s)che uf die Elke, draf awä nur ihrn Ranze.Sie is awä nur forddgeroannt, ohne mi(s)ch zu beachte.  Laadä     woar dieser Oannäherungs-versuch net vom Erfol(s)ch gekreent, se is net meu Freindin worn.     Awä i(s)ch heb deraus gelernt.Sone Gelä(s)chen- haat kriggste  so schnell net wirrä, hebb i(s)ch oan jänem Fassnachtsdaach gedenkt  un bot ihr meu Kuzchä oa.I(s)ch stotterte verlä(s)che wie ähn leiser  Drakdormodor un    

fielte die haaß  Reet  im Gesi(s)cht, debaa klobbte noch meu Härz.

Kuzchä hebb i(s)ch selwä genug ufgeläse“, piepste se lieb,  „awä Keks hebb i(s)ch net gekriggt.“      „ I(s)ch gäb dä,...i(s)ch gäb dä...meune.“  Die hodd se aach gern genumme.
Oam liebste hädd ich die Elke oam Erm(s)che oagefasst, ihr Hoar un ihr Gesi(s)cht beriehrt, heb mi(s)ch awä net gedraud. Pletzli(s)ch tauchte der fies Kall näwe uns uf un i(s)ch zuckte ensgtli(s)ch zusoamme. 
 

„Von däm Zwer(s)chindjonä lässde di(s)ch beschenke?“ spoddete dä, „Guck mich oah, i(s)ch bin greeßä, stack wie en ri(s)chdi(s)chä Kaubeu un eun Kolt bammelt aach oam Nabbel.“
Der Elke imbonierte des awä net, se is doann glaa mit annern Mäd(s)chä weggonge.

So, des wor die Anekdot von däm Fassnachtsdaach.De Kall hadd dann zwaa Minute später seu Stroaf kriggt. Aus eunem Fenster guckte seu Uroma raus und rief:“Kall, du host deu Gummiunnähos neto agezooche, kimm sofordd reu un hol sie dä. Du waaßt, du host Probleme mit dem Pipimache, des laaft eufach so.“
Dä Ährli(s)chkaat weje muss mä soage, die Uroma hat den Kall mit seunem  viel jingere Brure väwekselt.   Trotzdem, loang Zeit hieß es nur im Ortt, de Kall des is dä mit de Gummiunnähos un net etwa de stacke Kaubeu.

 

 

Übersetzung:Es war Fassnacht und wir Kinder, vielleicht 15 oder 20, sind im Dorf verkleidet rumgelaufen und haben gebettelt. Ich selber war alsI ndianer rausgeputzt und hatte sogar 2 Federn im Stirnband.    Manche haben auch irgendwelchen Blödsinn gesungen. Da wollt ich mich auch nicht ausschließen und sang:   „Die Jugenheimer Kirchweih,die Jugenheimer Kirchweih, die Jugenheimer Kirchweih ist da, was sind die Leute so froh, geh heim und steck deine Hemden ein, sie sollen verrissen sein, sie sollen verschissen sein.“
Da hat doch der Karl, verkleidet als Cowboy, zu mir gerufen:“ Hey,du mickriger Zwergindianer, mach keinen Unsinn, du bist ein großer Dummbeutel, wir haben heute Fassnacht und keine Kirchweih.“

Der Karl war, obwohl sogar ein halbes Jahr jünger als ich, einen halben Kopf größer als ich und so erwiderte ich nichts, um unnötige Streitereien zu vermeiden, bei denen ich nur den Kürzeren gezogen hätte       Ein anderer Bub sang dann:“ Rassambo,Rissambo, morgen fängt die Fassnacht an, ach was haben die Seeheimer Mädchen schiefe Beine.“
“Siehst du,“ rief da der Karl, „das passt!“    
 

„Passt nicht“, erwiderte ich mutig,“ wir haben doch heute Fassnacht, morgen nicht mehr.“         

„Willst du mucken!“,brüllte da der Karl mich an, “ich glaube, ich muss dir mal die Beine baumelig treten.“    

Vielleicht hätte der das auch gemacht,aber der Rolfi, ein guter Freund von mir, hat mich gerettet.
Der Rolfi war schon zwölf oder dreizehn und in meinen Augen schon fast wie ein Erwachsener.

Der hatte nämlich meiner Mutter versprochen auf mich aufzupassen.      „Hör auf!“ ermahnte Rolfi den deppen Karl, „lass den kleinen Schorschi in Ruh, sonst kriegst du es mit mir zu tun. Oder willst du etwa den Abdruck meiner Hand in deinem Gesicht spüren?“         

Das wollte der natürlich nicht und so hatte ich, im Moment wenigstens, meine Ruhe.

    Vor der Bäckerei, wir waren inzwischen schon dreißig Kinder, standen wir vor verschlossenen Fensterläden. Da haben wir gesungen:

Wir haben Hunger, wir haben Hunger,

wir haben drei Tage nichts zu fressen bekommen.
Gesungen war wohl nicht der richtige Ausdruck. Es war eher ein gegröhltes Gejammer.Aber die Bäckersfrau hatte Erbarmen mit uns, öffnete Läden und Fenster und warf zweimal eine große Schüssel voll Bonbons und Kekse raus. Auf die haben wir uns wie ausgehungerte Wölfe

gestürzt.Jeder hatte was einsammeln können. Ich hatte auch 5 Bonbons und 6 Kekse in der Tasche.       Sogleich steckte ich so einen leckeren Kek sin mein Schleckermäulchen, als vor mir die Elke aus der Parallelklasse stand, verkleidet als Prinzessin. Sie lächelte mich an.    Nun muss man wissen, Elke war nicht irgendein Mädchen, sie war meine unerfüllte Sehnsucht. Sie war mit Abstand das schönste Geschöpf, welches ich je gesehen hatte.   Wenn jemand sagt, sie

wäre hübsch, so ist das nur die halbe Wahrheit. Ihr Gesicht war die Schönheit selbst. Ihr Haar glich dem vom Engel und die schmalen Ärmchen.........einfach süß wie Bonbons. 5 Wochen vorher hatte ich das erste mal Kontakt mit ihr, naja, zugegeben nicht so richtig, ich versuchte es aber. Wir Kinder hüpften vor Schulbeginn auf dem Hof rum und formten Schneebälle, die wir dann irgendwo hinwarfen. Ich warf mehrmals so ein Schneehäufchen auf Elke, traf aber nur

ihren Ranzen(Schultournister).Sie ist aber nur fortgerannt ohne mich zu beachten, Leider war dieser Annäherungs- versuch nicht vom Erfolg gekrönt, sie ist nicht meine Freundin geworden.

Aber ich habe daraus gelernt, so eine Gelegenheit kriegst du so schnell nicht wieder, dachte ich an jenem Fassnachtstag und bot ihr meine Bonbons an. Ich stotterte verlegen wie ein leiser Traktormotor und fühlte die heiße Röte im Gesicht. Dabei klopfte noch mein Herz.
“Bonbons habe ich selber genug aufgelesen“,aber Kekse habe ich nicht gekriegt“.
 

Am liebsten hätte ich die Elke am Ärmchen angefasst, ihr Haar und ihr Gesicht berührt, habe mich aber nicht getraut.

Plötzlich tauchte der fiese Karl neben uns auf und ich zuckte ängstlich zusammen. „Von dem Zwergindianer lässt du dich beschenken?“ spottete der, „guck mich an, ich bin stark wie ein richtiger Cowboy und ein Colt baumelt auch am Nabel.“   Der Elke aber imponierte das nicht, sie ist dann gleich mit anderen Mädchen weggegangen.

So,das war die Anekdote vom Fassnachtstag. 2 Minuten später hatte der Karl seine Strafe bekommen.Aus einem Fenster guckte seine Uroma raus und rief:“Karl, du hast die Gummiunterhose nicht angezogen, komm sofort rein und hol sie dir. Du weißt, du hast Probleme mit dem Pipi machen,dasläuft einfach so.“  

Der Ehrlichkeit wegen muss man sagen, die Uroma hatte den Karl mit seinem viel jüngeren Bruder verwechselt.       Trotzdem, lange Zeit hieß es nur im Ort:  der Karl das ist   der mit der Gummiunterhose und nicht etwa  der starke Cowboy.