Himmel und Hölle


Lisaa(s)che, Soabin(s)che un Kloa-Jergi, alle drei so um die siwwe, oacht Johrn oald, dahte si(s)ch uffen Spielpladds iwä Himmel un Hell unnähoalte.

„Meu Mamma hodd gesoat, wenn i(s)ch alleweil addi(s)ch bin, fleißi(s)ch bäte duh, doann wär i(s)ch noachäm Dood im Himmel. Doa soll`s viel scheenä seun als in de ga(r)sdi(s)ch Hell,“ informierte Lisaa(s)che.

Kloa-Soabin(s)che  nickte.“Des hebb i(s)ch aach geheert. Fer(s)chdli(s)ch haaß isses in de Hell, doass mä goar net mä ufheert zu schwiddse. Oab un zudähte aach korze Kältezaate die Leit iwäfalle un doa däht mä doann gnoadelos bibbern un die Zähn oadauernd oaneunnannä schlaache.“

„Des glaab i(s)ch net“, moante Kloa-Jergi, „meun Unkel hodd mä woas goans anneres väzählt. Im Himmel isses iwähaapt net schee. Die Engel duhn mit Peitsche rim laafe un prieheln Leit, die wo net väzickt gucke un si(s)ch wei(s)chern Halleluja zu singe.“

„Doa duhsde awä Kabbes väzähle,Buh“, äwirrerte Lisaa(s)che, „meu Mamma moant, des is doch ä hä(r)li(s)ch Freid de goanse Daach zu singe un die Erm väzickt in die Hee(s)ch strecke. Un zwischedor(s)ch wern Spiel(s)chä väoastaltet zim Baaspiel  I(s)ch seh ebbes, woas du net siehst orrä  

meun linkä Pladds id lä, i(s)ch winsch mä de Jergi hä.“

„Diesä Jergi koann awä net i(s)ch seun“, moante dezu de Buh, „i(s)ch däht mi(s)ch wei(s)chern  baa sol(s)ch bleede Posse mit zu mache. In de Hell wern aach Spiel(s)chä gedähdi(s)cht, die seun awä viel

spoannendä un lusdi(s)chä, zim Baaspiel   Mä Buhwe iwäfalle die Mäd(s)chegrupp, die wo dordd oam Feiä hocke duht.“

„Deroa is doch nix Lusdi(s)ches, wenn die Buhwe die Mäd(s)chä er(s)chern“, babbelte jedds Soabin(s)che.

„Fer die Mäd(s)chä un Fraue duhts dordd joa aach scheene Beschäfdi(s)chunge gewwe“, klärte Jergi uf, „zim Baaspiel ähn kloanes Deadästick(s)che.



Die Mäd(s)chä duhn vägnie(s)cht zugucke

wenn naggte Buhwe oam Oarsch sich jucke.“


„Des is werkli(s)ch lusdi(s)ch“, mussde Lisaa(s)che zugewwe un grinste, „laafe denn die Buhwe allweil naggi(s)ch rim in de Hell?“

„Alle duhn dordd naggi(s)ch rim hippe, selwst de Deifel“, oantworddete Kloa-Jergi, „im Himmel degeje is niemoand naggi(s)ch. Meun Unkel soat, die Engel wärn all Spießä un de Hägodd is de Obäspießä. Fer Kinnä, die wo friehzeidi(s)ch sterwe un zim Himmel hochstei(s)che,duht äh kwoalvoll Zaat beginne, vo lautä schreckli(s)chä Loangweil misse die oadauernd gähne.“

In de oagäbli(s)ch schee Himmel will i(s)ch net

doa isses a(r)(s)ch eed, wie eloa im Bett.

Un wenn mä schloafe will, äteene Posaune

die sor(s)che fer goans schlä(s)chte Laune.

Die Engel duhn fer(s)chdäli(s)ch nervve

die duhn mit bees Blicke um si(s)ch werffe,

wenn du net bleedsinni(s)ch jubilierst

un net väzickt uf de Hägodd stierst.


Goans anners in de Hell, famoos

Vägnie(s)che is alleweil oagesoat, goans grooß.

Die Leit hippe iwers Feiä, hurdi(s)ch

viel Spass duht mä äläwe, lusdi(s)ch. 


Übersetzung. Lisachen, Sabinchen und Klein-Jörgi, alle drei so um die sieben, acht Jahre alt, unterhielten sich auf dem Spielplatz über Himmel und Hölle.

„Meine Mama hatte gesagt, wenn ich immer artig bin, fleißig bete, dann wäre ich nach dem Tod im Himmel. Da soll`s viel schöner sein als in der garstigen Hölle“, informierte Lisachen.

Klein-Sabinchen nickte. „Das hab ich auch gehört. Fürchterlich heiß ist es in der Hölle, sodass man gar nicht mehr aufhört zu schwitzen. Ab und zu würden auch kurze Kältezeiten die Leute überfallen und da würde man gnadenlos bibbern und die Zähne andauernd aneinander schlagen.“

„Das glaub ich nicht“, meinte Klein-Jörgi, „mein Onkel hat mir was ganz anderes erzählt. Im Himmel ist es überhaupt nicht schön. Die Engel laufen mit Peitschen rum und verprügeln Leute, die nicht verzückt gucken und sich weigern Halleluja zu singen.“

Da erzählst du aber Unsinn, Bub“, erwiderte Lisachen, „meine Mama meint, das ist doch eine herrliche Freude den ganzen Tag zu singen und Arme verzückt in die Höhe strecken. Und zwischendurch werden Spielchen veranstaltet, zum Beispiel  Ich seh etwas, was du nicht siehst oder  Mein linker Platz ist leer, ich wünsche mir den Jörgi her.

Dieser Jörgi kann aber nicht ich sein“, meinte dazu der Bub, „ich würde mich weigern bei solchen blöden Possen mit zu machen. In der Hölle werden auch Spielchen gemacht, die sind viel spannender und lustiger, zum Beispiel  Wir Buben überfallen die Mädchengruppe, die dort am Feuer sitzt.“

„Daran ist doch nichts Lustiges, wenn die Jungen die Mädchen ärgern,“ schwätzte jetzt Sabinchen.

„Für die Mädchen und Frauen gibt es dort ja auch schöne Beschäftigungen“, klärte Jörgi auf, „zum Beispiel ein kleines Theaterstückchen:

Die Mädchen tun vergnügt zugucken

wenn nackte Buben am Arsch sich jucken.

„Das ist wirklich lustig“, musste Lisachen zugeben und grinste, „laufen denn die Buben immer nackt rum in der Hölle?“

„Alle hüpfen dort nackt rum, selbst der Teufel“, antwortete Klein-Jörgi, „im Himmel dagegen ist niemand nackend. Mein Onkel sagt, die Engel wären alle Spießer und der Herrgott ist der Oberspießer. Für Kinder, die frühzeitig sterben und zum Himmel hochsteigen beginnt eine qualvolle Zeit, vor lauter schrecklicher Langeweile müssen die andauern gähnen.“

        (Wenn ich gewusst hätte, dass es im Himmel so langweilig ist, hätte ich   

          mein Leben anders gestaltet)

In den angeblich schönen Himmel will ich nicht

da ist es arg öd, wie allein im Bett.    (reimt sich nur auf hessisch)

Und wenn man schlafen will, ertönen Posaunen

die sorgen für ganz schlechte Laune(n).

Die Engel tun fürchterlich nerven

tun mit bösen Blicken um sich werfen,

wenn du nicht blödsinnig jubilierst

und nicht verzückt auf den Herrgott stierst.


Ganz anders in der Hölle, famos

Vergnügen ist immer angesagt, ganz groß.

Die Leute hüpfen übers Feuer, hurtig

viel Spaß tut man erleben, lustig.