Bestimmte Sache misse gadahn wern....

       (Bestimmte Sachen müssen gatan werden...) 

 

....awä des solle die Annern mache.

          (...aber das sollen die Anderen machen)           

 

Mitgliederwerbung

 

Kall(s)che un i(s)ch arweide in de glaache Ferma in Dammstadt. Mä wohne aach im glaache Ordd.  Seit drei Johrn is aach unser Kollä(s)ch  Mutzi in unser Dorffgemeunschaft,  ä woar awä immä noch net, im Gejesatz zu uns, in de Gewerkschaft. Deshalb besuchte wär den Mutzi in seunä Wohnung, um ihn als Mitglied zu werbe.

    Ä hat si(s)ch aach gefreit iwä unsä Äscheine un bot uns Bier und Weu oa, des wär awä oablehnte, schließli(s)ch wollte mä glaskloare Gedanke formuliere un net

    werres Zeigs lalle.  Mä bekaame dann äh Dass Kaffee.
      „Woarim sollt i(s)ch bei ei(s)ch eudräre?“ antwortete ä uf unser Oalie(s)che,
“wenn dieFerma geschlosse wird, werd ich entlosse, egal ob i(s)ch Mitglied innä Gewerkschaft bin orrä net:“

  „Wunnä kann mä nadierli(s)ch vonnä Gewerkschaft net äwadde, awä es lässt si(s)ch doch net lei(s)chne,dass äh Gewerkschaft nietzli(s)ch is.  Groad hodd es

  wirrä moal ähTarieferhe(s)chung gewwe.“

  „Die hädd es aach ohne die Gewerkschaft gegäwwe“, äwirrerte Mutzi.

“ So? Maanst des werkli(s)ch? Wä hodd doann die Ähee(s)chung beoatraacht un wä hodd se dor(s)chgesetzt?  Etwa de  heili(s)che Fermegeist?“ kridisierte deruf Kall(s)che. I(s)ch ägänzte:“Also. Äh bissche mä Grips hädd i(s)ch dä schun zu    gedraut. Alt genug biste ja,um nemmä an de Weuhnachtsmonn un den Osterhas zu glaabe un du solltest wisse     de heili(s)che Fermegeist gibt’s net.“
“Bleed bin i(s)ch aach net“, soate Mutzi beleidi(s)cht, „ awä die Tariferhee(s)chung     hebb aach i(s)ch bekumme, obwohl ich koan Mitglied bin.“
“Aha, so eunä bisde“,froddselte Kall(s)che, „ du waaßt sä genau     die Gewerk
schaft is notwenni(s)ch fer uns, awä selwä was dezu beidraache      des willste net.

   Des solle nur die Annern mache“.

  „Awä meun Schäff siehtes net gern, wenn sei Leit in de Gewerkschft seun, der    hodd mi(s)ch doann bestimmt nemmä lieb,“ moante doa de Mutzi putzi(s)ch un

   schun rä(s)cht kleunlaat. “Des moag schun seun, awä uf Zunei(s)chung un herzli(s)ch Lieb von deunem Schäff koannsde ruhi(s)ch väzi(s)chte, schließli(s)ch biste koan kleuner Bu mä. Aaßerdäm:

           Deun Chef is koan lieber Kumpel,

           awä een bleeder Uhrumpel. “
“I(s)ch kenn doa jemand, die dä helfe konn“, fiel mä eu, „ äh eldere Kollä(s)chin 
hodd mä selwä schun aus äh sä gedricktä Stimmung, aas ähm tiefe, finstere Loch raasgeholfe. Se wird dä mit ihre mittäli(s)che Hend iwer deunem Kopp streichle un soage   „ lieb Mutzi, lieb.“    Du werst sehe, du werst net aus dem Stimmungsloch raas krie(s)che, du werst wie ähn junge Sprinbock raus hippe un deu geisdi(s)ch un kerperli(s)che Krefte werde sich ähoole und wakse“.   

So ri(s)chdi(s)ch  iwäzei(s)cht wor de Mutzi noch net, awä seu Gejewär befoand     si(s)ch im Schwinde.

    Wä babbelte noch alles Megli(s)che iwä die Vorzie(s)ch der Gewerkschaft un iwä die Nachdeile, wenn es keune gäb.     Seu Euwänd seun immä wäni(s)chä worn. Schließli(s)ch blieb er goans stumm un guckte ädappt um si(s)ch wie äh Schulbu, dä wo von seunä strengen Lärärin kridisiert worn is, weil er wirrä moal net addi(s)ch woar.

     Doa platzte es aasem raus:“I(s)ch wußt goar net, dass i(s)ch so egoistisch woar.“

     Dräne rollte seu Back runnä in die Kaffeedass. Nur mit Mieh konntä des      Schluchze unnnädricke .

     „Woas kann i(s)ch nur duhn?“ froatä jämmäli(s)ch.
“Goanz eufach“, moante doa Karl(s)che,“ hier lies de Ufnahmeandraach un unnä
schreiw. Äh bissche Geld kost zwaa die Mitgliedschaft, awä es is fier ähn       gute Zweck.     Doann kenne mä all soage:

 

               Du braachst doann nemmä greune

               denn die Sunn werd  wirrä scheune.“

 

Mit Gewerkschaften.....                         Ohne Gewerkschaften...... 

Übersetzung:Karlchen und ich arbeiten in der gleichen Firma in Darmstadt. Wir wohnen auch im gleichen Ort. Seit dreiJahren war auch unser Kollege Mutzi in unserer Dorfgmeinschaft, erwar aber immer noch nicht, im Gegensatz zu uns, in der Gewerkschaft.Deshalb besuchten wir den Mutzi in seiner Wohung, um ihn als Mitglied zu werben.   Er hat sich auch gefreut über unser Erscheinen und bot uns Bier und Wein an, was wir aber ablehnten, schließlich wollten wir glasklare Gedanken formulieren und nicht wirres Zeugs lallen.   Wir bekamen dann eine

Tasse Kaffee.    

                        

 „Warum soll ich bei euch eintreten?“ antwortete er auf unser

Anliegen, „wenn die Firma geschlossen wird, werde ich entlassen, egal ob ich Mitglied in der Gewerkschaft bin oder nicht.“      „Wunder kann man natürlich von der Gewerkschaft nicht erwarten, aber es lässt sich doch nicht leugen, dass eine Gewerkschaft nützlich ist. Grade hat es wieder mal eine Tariferhöhung gegeben.“   „Die hätte es auch ohne die Gewerkschaft gegeben“, erwiderte Mutzi.  „So? Meinstewirklich? Wer hat dann die Erhöhung beantragt und wer hat sie durchgesetzt? Etwa der heilige Firmengeist?“ kritisierte Karlchen. Ich ergänzte:  “Also! Ein bisschen mehr Grips hätte ichdir schon zugetraut. Alt genug bist du ja, um nicht mehr an den Weihnachtsmann und den Osterhasen zu glauben  und du solltest wissen den heiligen Firmengeist gibt´s nicht.“    „Blöd bin ich auch nicht“, sagte Mutzi beleidigt, “aber dieTariferhöhung habe auch ich bekommen, obwohl ich kein Mitglied bin“.       „Aha, so einer bist du“,frotzelte Karlchen, “du weißt ganz genau die Gewerk-schaft ist notwendig für uns, aber selber was zu bei-

tragen, das willst du nicht. Das sollen nur die Anderen machen.“    „Aber mein Chef sieht es nicht gern,  wenn seine Leute in der Gewerkschaft sind, bestimmt hat er mich dann nicht mehr lieb“, meinte da der Mutzi putzig und  schon recht kleinlaut.   „Das mag schon sein, aber auf Zuneigung und herzliche Liebe von deinem Chef kannst du ruhig verzichten, schließlich bist du kein kleiner Bub mehr.Außerdem:

Dein Chef ist kein lieber Kumpel,

aber ein blöder Uhrumpel.“ (ungehobelterTrottel)  

Ich kenne da jemand, die dir helfen kann“, fiel mir ein, „eine ältere Kollegin hat mir selber schon aus einer sehr gedrückten Stimmung, aus einem tiefen, finsteren Loch, rausgeholfen.

Sie wird mit ihrer mütterlichen Hand über dem Kopf streicheln und sagen  „lieb Mutzi, lieb“.

Du wirst sehen, du wirst nicht aus dem Stimmungsloch kriechen, du wirst wie ein junger Springbock raus hüpfen und deine geistigen und körperlichen Kräfte werden sich erholen und wachsen.“    So richtig überzeugt war der Mutzi noch nicht, aber seine Gegenwehr befand sich im Schwinden.

Wir redeten noch alles mögliche über die Vorzüge einer Gewerkschaft und über die Nachteile, wenn es keine gäbe.Seine Einwände sind immer weniger geworden. Schließlich blieb er ganz stumm und guckte ertappt wie ein Schulbub um sich, der von seiner stregen Lehrerin kritisiert wurde, weil er wieder mal nicht artig war.
Da platzte es aus ihm raus: „Ich wußte gar nicht, dass ich so egoistisch war“. Tränen rollten seine
(Gesichts)backe runter in die Kaffeetasse. Nur mit Mühe konnte er Schluchzen unter

drücken.       „Was kann ich nur tun?“ fragte er jämmerlich.
“Ganz einfach“, meinte da Karlchen, „hier, lies den Aufnahmeantrag und unterschreib! Ein bisschen Geld kostet zwar die Mitgliedschaft, aber es ist für einen guten Zweck.
Dann können wir Alle sagen:

             Du brauchst nicht mehr zu greinen, (weinen)

             denn die Sonne wird wieder  scheinen.“

 

Kommentar:  Brauchen wir Gewerkschaften?

 

    Soll diese Frage beantwortet werden,  muss erst geklärt werden, was unter dem Begriff „wir“ zu verstehen ist.  Ein Fabrikbesitzer oder ein Kapitalseigner größerer Summen wird vermutlich fast immer sagen: „Nein, brauchen wir nicht.“

    Anders sieht es aus, wenn ein Arbeiter oder Angestellter gefragt wird. Dawird die Antwort schon anders ausfallen. Manche sagen vielleicht auch nein, aber sehr viele werden die Frage eindeutig bejahen.    Um es kurz zu machen: Die Frage ist unsinnig. Man könnte eher fragen:     Sind Gewerkschaften nützlich. Dann stellt sich aber die Frage.....für wen?

    Gewerkschaften sind Selbsthilfeorganisationen der Arbeitnehmer und für die sind Gewerkschaften eindeutig nützlich.

    Hätte es keine Gewerkschaften gegeben, hätten wir wahrscheinlich immer noch eine 48-Stunden-woche, sehr bescheidenen Löhne und Gehälter, ja Minilöhne, für die meisten Beschäftigten,  miserable Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit wäre auch nichts Ungewöhnliches.

    Das mag ja stimmen, geben womöglich viele zu, aber solche Zeiten haben wir doch hinter uns gelassen. Dies hört sich an, als wären sämtliche Probleme dieser Art gelöst, was aber nicht der Fall ist.

     Man kann auch noch ein anderes Szenario durchspielen: Angenommen, von heute auf morgen  würden die Gewerkschaften aufhören zu existieren und andere Ersatzorganisationen entstehen auch nicht mehr.  Was passiert dann? Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich wieder und irgendwann haben wir wieder Zustände wie etwa um 1850.

     Etwas anderes anzunehmen ist pure Realitätsferne. Es wäre dann nämlich niemand mehr da dies aufzuhalten, von politischen Parteien ist meist nichts zu erwarten.