Plakatträger, schon eine Demonstration?
            weiter unten noch: Lisettchens Art Schorschi zu trösten
 Uf eunä Filosooferund in de Kneip Zim weise Mondmoann väzählte i(s)ch de annern vun eunäm Eukaafsbummel in Dammstadt.
„Vo eunäm Loade schtoand doa so ähn Moann, de wo vorne un hinne jewaals eun Plakat gedraache hodd.
Se woarn obbe mittäm Bändel väbunne un um seun Hals gelä(s)cht. Vorne woar zu läse:  Kaafe se baa uns eu  Un hinne schtoand  Unsä Fachpäsonoal werd se fachkundi(s)ch beroate un kwalllifidsiert bediene.
Soage moal, Klausi, duht sowoas schun als eune Demonsdraddsjoon baa de Bolizei gelte?“

„Och, des glaab i(s)ch net“, schiddelte unsä Schäff-Filosoof seun Wersching, „des is nur äh hammlos Werbung fers Geschäft.
Aaßädäm: Die Bolzei hodd koan Eufluss uf dän Inhalt eunä Demonsdraddsjoon, in Deitschloand derffe Demonsdraddsjoone net grundlos väboode wern, nur wenn werkli(s)ch eune Gefaa beschtehe duht, doass sowoas in Gewaltdähdi(s)chkaate aasadde duht un wenn Waffe mit genumme wern.“
„Doa kennte unsre Filosooferund aach emoal so eune Demonsdraadsjoon in Dammschtadt orrä Froankfordd dädi(s)che“, daht i(s)ch voschlaache.
„Woas hosde denn dä vogeschtellt, Schor(s)chi?“ froate Lena Bescheide.
I(s)ch nickte. „Eunä vun uns duht vorne weg laafe. Vorne duhtä ähn Schild draache, is zu läse: Bin i(s)ch eun Bleedel?  Uffen Riggeschild duht schtehe: Niemoals! Wä sowoas denkt, is awä oanä!“

„Goans schee hinnähäldi(s)ch“, kommendierte Klausi, „baam Plakat, des wo uf Bauch un Brust baumelt, duhn beschtimmt viele Passante grinse un moane, nadierlich bisde eun Bleedel un wenn se doann des hinnere Plakat läse, fiehle se si(s)ch väuhzt.  
I(s)ch hebb des Gefiehl, Schor(s)chi, doass so eune derffdi(s)che Demonsdraddsjoon iwäflissi(s)ch seun.“
„Noa“, daht i(s)ch wirräschpre(s)che, „des is joa noch net alles. Doa kimme noch drei waatere Päsoone, die jewaals vorne un hinne eun Plakat draache mit eunä Aussoag. Des bedeitet, die säks Plakate ägäwe hinneunännä geläse eunen Säkszeilä. Diesä duht laute:



Ihr braacht net so bleed zu grinse
duht ei(s)ch selwä im Schpiehel oalinse.
Eiä Visaa(s)ch is ähn Modiev fer oabstakte Kunst
Koa Muse werd ei(s)ch äweise eune Gunst.
Duht ei(s)ch väkrie(s)che in dunkle Kammern
doa kenntä doann, ohne zu nervve, jammern
.“
Schtatt ne oaäkennend Beschdädi(s)chung meunä doll Reumkunst ähielt i(s)ch nur Gelä(s)chtä.
Sol(s)ch Demiedi(s)chunge woarn fer mi(s)ch nix Neies un babbelte deshalb uube..errt waatä: „Links un rä(s)chts duht noch jewaals ähn Orddnä die Dreiägrupp begleite. Selwväschtännli(s)ch misse des die Greeßte un Kräfdi(s)chsde vun uns seun, also du Klausi un du Heunä. Falls moan(s)che Passante bleede Bemärrkunge dähdi(s)che, soatä:



Hej, du Schpießä, mach koan Rabadds,
sunst kriggsde oanen uf de Ladds!

„Als ne gefähli(s)ch Väoaschdaldung, bä dä Schaufenstäscheibe zu Bruch gehe un iewle Prieheleije noch folge, werd wedä Bolizei noch annern Beherdde sowoas euschtufe. Viellaa(s)cht moane moan(s)che, des wär groobä Uufuug un sowoas is aach net uubedingt älaubt. Awä mä kennt des Goanze ebbes kienstläri(s)ch ufpeppe, also die Plakate schee fabbli(s)ch geschdalde un uns selwä modi(s)ch äksdroavagant kleide, doann isses eune Kunstpäformäns un sowoas werd alleweil geduldet.“
„Dähte mä uns doa net zim Geschpedd dä Leit mache?“ waff Babett(s)ch eu.
„Doa hosde net uurä(s)cht“, nickte Klausi, „wenn wä werkli(s)ch sowoas in Betracht ziehe, sollte mä uns so kleide un schminke, doass wä net äkoannt wern, zim Baaschpiel unnä annern grooße Sunnebrille in de Visaa(s)ch draache.
Awä i(s)ch denk, sowoas sollte mä loasse, er(s)chendwoann duht des raaskumme, wä dehinnä schteckt.
Wenn wä gesehe wern, wie mä zur Kneip die Treppeschtuufe hoochlaafe, haaßt es doann:



Seht nur, doa laafe die Deppe
schtolpern hoch die Treppe.
Viele schtinki(s)ch Ferz im Hern
häm halt viele Bleedel gern.“

Übersetzung: Auf einer Filosofenrunde in der Kneipe Zum weisen Mondmann erzählte ich den anderen von einem Einkaufsbummel in Darmsatdt.
„Vor einem Laden stand da so ein Menn, der vorne und hinten jeweils ein Plakat trug. Sie waren oben mit einem Bändel verbunden und um seinen Hals gelegt. Vorne war zu lesen:  Kaufen Sie bei uns ein und hinten stand  Unser Fachpersonal wird Sie fachkundig beraten und qualifiziert bedienen.
Sag mal, Klausi, gilt sowas bei der Polizei schon als eine Demonstartion?“
„Och, das glaub ich nicht“, schüttelte unser Chef-Filosof seinen Kopf, „das ist nur eine harmlose Werbung fürs Geschäft.

Außerdem: Die Polizei hat keinen Einfluss auf den Inhalt einer Demonstration, in Deutschland dürfen Demonstrationen nicht grundlos verboten werden, nur wenn wirklich eine Gefahr besteht, dass so was in Gewalttätigkeiten ausarten könnte und wenn Waffen mit genommen werden.“
„Da könnte unsere Filosofenrunde auch mal so eine Demonstration in Darmstadt oder Frankfurt machen“,
schlug ich vor.
„Was hast du denn dir vorgestellt, Schorschi?“ fragte Lena Bescheiden.
Ich nickte. „Einer von uns geht vorne weg. Vorne trägt er ein Schild, zu lesen ist:  Bin ich ein Blödel?
Auf dem Rückenschild steht:  Niemals! Wer so was denkt, ist aber einer!“
„Ganz schön hinterhältig“, kommentierte Klausi, „beim Plakat, das auf Bauch und Brust baumelt, grinsen bestimmt viele Passanten und meinen, natürlich bist du ein Blödel und wenn sie dann das hintere Plakat lesen, fühlen sie sich veruhzt (veralbert).

Ich hab das Gefühl, Schorschi, dass so eine dürftige Demomstration überflüssig ist.“

„Nein“, widersprach ich, „das ist ja noch nicht alles. Da kommen noch drei weitere Personen, die jeweils vorne und hinten ein Plakat tragen mit einer Aussage. Dies bedeutet, die 6 Plakate ergeben hintereinander gelesen einen Sechszeiler. Dieser lautet:
Ihr braucht nicht so blöd zu grinsen
tut euch selber im Spiegel anlinsen.
Eure Visage ist ein Motiv für abstrakte Kunst
keine Muse wird euch erweisen eine Gunst.
Tut euch verkriechen in dunkle Kammern
dort könnt ihr dann, ohne zu nerven, jammern.

Statt einer anerkennnenden Bestätigung meiner tollen Reimkunst erhielt ich nur Gelächter.
Solche Demütigungen waren für mich nichts Neues und redete deshalb unbeirrt weiter: „Links und rechts bgleitet noch jeweil ein Ordner die Dreiergruppe. Selbstverständlich müssen das die Größten und Kräftigsten von uns sein, also du Klausi und du Heiner. Falls manche Passanten blöde Bemerkungen machen, sagt ihr:
Hej, du Spießer, mach keinen Rabatz,
sonst kriegst du einen auf den Latz!“

„Als eine gefährliche Veranstaltung, bei der Schaufensterscheiben zu Bruch gehen und üble Prügeleien noch folgen, wird weder Polizei noch andere Behörden so was einstufen. Vielleicht meinen manche, dies wäre grober Unfug und so was ist auch nicht unbedingt erlaubt. Aber man könnte das Ganze etwas künstlerisch aufpeppen, also die Plakate schön farblich gestalten und uns selber modisch extravagant kleiden, dann ist es eine Kunstperformance und sowas wird immer geduldet.“
„Würden wir uns da nicht zum Gespött der der Leute machen?“ warf Bebettchen ein.
„Da hast du nicht unrecht“, nickte Klausi, „wenn wir so was in Betracht ziehen, sollten wir uns so kleiden und schminken, dass wir nicht erkannt werden, zum Beispiel unter anderem grooße Sonnenbrillen in der Visage tragen.
Aber ich denke, das sollten wir lassen, irgendwann kommt es raus, wer dahinter steckt. Wenn wir gesehen werden im Ort, wie  wir zur Kneipe die Treppenstufen hochgehen, heißt es dann:
Seht nur, da laufen die Deppen
stolpern hoch die Treppen.
Viele stinkige Fürze im Hern (Hirn)
haben halt viele Blödel gern
.“


Lisettchens Art Schorschi zu trösten

Oam Familjedisch daht ma Fraa, Lisett(s)che, bemerke: „Schor(s)chi, woas is los mit dä? Du guckst so drauri(s)ch.“
„I(s)ch hebb aach ähn driffdi(s)che Grund defier“, oanworddete i(s)ch, „gestern oawend baa de Filosofferund hebb i(s)ch mi(s)ch, oam Oafoang noch net, awä doann oam Schluss doch ar(s)ch gedemiedi(s)cht gefiehlt. Niemoand vun de Oawäsende daht meu groandijoos Idee fer eune Plakatdrä(s)chädemonsdraddsjoon gut heiße, im Gejedaal se häm gelacht un bleed gegrinst.“
„Och, du oarmes Männleun. Väzähl moal!“
Beraatwilli(s)ch hebb i(s)ch des gemoacht.
„Des is joa aach ähn ziemli(s)ch oabaddi(s)ch Voschlaach, dän de Filosooferund gemoacht host“, kommendierte meu bessä Helft, „awä wä kennte so eune Demosdraddsjoon hier im Haus un Gadde dähdi(s)che.“

„Willsde mi(s)ch väuhze? Wie soll des gehen?“
Ma Fraa nickte. „Geht schun. Du un i(s)ch hobbe jewaals aach zwaa Plakate, also vorne un hinne euns. Uf deunäm steht vorne druf:  I(s)ch bin ähn lieb-addi(s)chä Ehemoann    un hinne is zu läse I(s)ch väwehn ma Fraa wo i(s)ch nur koann.   Baa mä is vorne der Sadds: I(s)ch unnäschdiddsäm debaa, wo i(s)ch nur koann.“
„Un woas schteht baa dä hinne?“ froate i(s)ch.
Doa grinste Lisett(s)che ebbes un soate:

 

 

 Die Familje , euschließli(s)ch de Kinnä
moane, de Vaddä is ähn Schpinnä.

„Werkli(s)ch net“, schiddelte i(s)ch meun Kopp, „werkli(s)ch net, Lisett(s)che, du sollst mi(s)ch net zusäddsli(s)ch väuhze.“
„Joa, du host rä(s)cht, mä kennt aach woas anneres ufs Riggeplakat schreiwe, zim Baaschpiel:



Meun Männleun muss mä gehor(s)che
sunst kriggdes nur grooße Sor(s)che
.“


Übersetzung: Am Familientisch  bemerkte meine Frau, Lisettchen: „Schorschi, was ist los mit dir? Du guckst so traurig.“
„Ich hab auch einen triftigen Grund dafür“, antwortete ich, „gestern abend hab ich mich bei der Filosofenrunde, am Anfang noch nicht, aber am Schluss dann doch arg gedemütigt gefühlt. Niemand von den Anwesenden hieß meine grandiose Idee für eine Plakatträgerdemonstration gut, im Gegenteil, sie lachten und grinsten blöd.“
„Och, du armes Männlein. Erzähl mal!“
Bereitwillig machte ich das.
„Das ist ja auch ein zielich abartiger Vorschlag, den du in der Filosofenrunde gemacht hast“, kommentierte meine bessere Hälfte, „aber wir könnten so eine Demonstration hier im Haus und Garten machen.“

„Willst du mich veruhzen? Wie soll das gehen?“
Meine Frau nickte. „Geht schon. Du und ich haben zweiweil auch zwei Plakate, also vorne und hinten eins. Auf deinem steht vorne drauf: Ich bin ein lieb-artiger Ehemann und hinten ist zu lesen: Ich verwöhne meine Frau, wo ich nur kann.  Bei mir ist vorne der Satz: Ich unterstütz ihm dabei, wo ich nur kann.“
„Un was steht bei dir hinte?“ fragte ich.
Da grinste Lisettchen etwas und sagte:
Die Familje, einschließlich die Kinder
meinen, der Vater ist ein Spinner.“
   (auf hessisch reimt es sich richtig)
„Wirklich nicht“, schüttelte ich meinen Kopf, „wirklich nicht, Lisettchen, du sollst mich nicht zusätzlich veruhzen (veralbern).“
„Ja, du hast recht, man könnte auch was aaaAnderes auf das Rückenplakat schreibe, zum Beispiel:
Mein Männleun muss mir gehorchen
sunst kriegt es nur große Sorgen
.“   (auf hessisch reimt es sich richtig)