Befugte, Unbefugte (mit Video 3m30s)
S` woar summäli(s)ch heißes Weddä un die Schnabbelschnuts befoande si(s)ch uf de Terrass un im Gadde. Rolfi, de Sohn vum Klausi, unserm Scheff-Filosoof, woar aach doa, begliggte unsern Macko mit seunä Oawäsehaat.
I(s)ch unnähielt mi(s)ch mit Lisedd(s)che, meunä Fraa: „Neiädings hebb i(s)ch selwsr in unserm Juräm beraats zwaamoal eun Schild geläse iwä Befugte un Unbefugte“, babbelte i(s)ch un daht erst eun Schluck Kaffee drinke. Doann: „Woas mä druf läse koannt, woar seldsoam un daht lusdi(s)ch klinge. Doa schtoand doch: Unbefugte seun hier net befugt Uufug zu dreiwe. De Befugte.“
„Un? Woas is deroa seldsoam?“ wollte Lisedd(s)che wisse.
„Noa joa“, daht i(s)ch oantwordde, „dä- orrä diejäni(s)che, die wo des Schild oans Gaddedoor genoagelt häm, wollte net er(s)chendwel(s)che Hiewaase de Leit
gewwe. Ä orrä sie hodd wohl nur gedenkt, doass doa er(s)chend eun Juks die Lesä zim Schmundseln bringt, mä net, also net er(s)chendwel(s)che Väboode väkiende wollt.
Des is doch nämlich alles velli(s)ch uukloar. Woas bedeitet denn iwähaapt Befugtä un Unbefugtä un woas is Uufug?
Doarunnä veschteht doch jedä, jede woas Anneres. Also: iwähaapt nix Konkretes.
Im Middeloaldä un aach kords denoach häm die Befugte, die Oadlige zim Baaschpiel, eun Wappe besesse, des beraats schun gewisse Moachtvähältnisse aasdrickte, des wo so aas..seehe koannt:De Owädaal woar mit hellblau Hinnägrund väsehe un eune Krone dezu.
Des Unnädaal woar rood un eun Schwärdd dezu.“
„Un woas soll des aasdricke?“ froate Lisedd(s)che.
„Is doch kloar“.klärte i(s)ch uf, „die Fabb blau symbolisiert de Himmel, die Krone die oadli(s)che Herr(s)chä, de roode Unnädaal is fer die Unnätoane, also die Uubefugte.
Des Schwärdd bedeitet: Wä net gehors)che duht, kriggt diese Waff zu schpiern. Zim Baaschpiel: Eune Hoand werdd oabgehackt orrä moan(s)chmoal sogoar de Kopp. Debaa duht Blut fließe un des is rood.“
„Awä heit is des nemmä so“, moante Rolfi, dä wo meune Aasfiehrunge indresiert un ufmerksoam zugeheerd hodd.
„Schtimmt“, nickte i(s)ch, „heit werdd des Wappe doch ebbes oabgeännert. Die Hinnägrundfabbe bleiwe die Glei(s)che. Obbe im blaue Berei(s)ch seun märere Fienfhunnerdäeiroscheun zu gucke, unne im roode Berei(s)ch nur Miense.“
„Un woa soll des aasdricke?“ wollt Rolfi wisse.
„Mach dä deriwwä Gedoanke, du koannst hoffentli(s)ch dehinnä kumme.“
Rolfi soate doaruf hie nix, awä Macko, unsä fast juuchendli(s)ches Seehn(s)che, daht si(s)ch in unsä Geschpräch euschoalte: „Oan de Dier meunä Schtubb misste aach eun Schild seun“, babbeltä, „un dordd schteht druf: Fer Unbefugte Dsudridd väboode.“
„Un wä seun die Uubefugte?“ eißerte i(s)ch kridi(s)ch.
„Äwaksne un Fremde“, klärte de Buh uns uf. „Des muss uf däm Schild noch schtehe: Uubefugte, zäknidderte, oalde Eldern“, ägänste Rolfi, „wenn se woas Schmackhaftes zu esse bringe, doann nadierli(s)ch net. Sunst: erst oakloppe un froage: Daff i(s)ch eudräre?“
„I(s)ch will aach so eun Schild“, daht Marie(s)che ägänse, „Hunn un Kadds kenne alleweil mi(s)ch besuche, die seun gern gesehne Gäste. Alle Annern solle oakloppe. Es seu denn, die bringe eun Gastgeschenk mit.“
Doa woar ich doch iwärascht. Wo hodd des Mäd(s)che nur des Wordd Gastgeschenk ufgeschnappt?
„Wohä hosde nur diesän Aasdruck?“ froate i(s)ch väwunnerd.
„Waaß net. Is mä groad so eugefalle.“
„Des mit däm Oakloppe oan de Dier sollte mä alleweil baa uns mache“, daht i(s)ch voschlaache.
„Hebb i(s)ch schun efters gedahn“, eißerte Macko dezu, „awä s` koam schun vo, doass i(s)ch`s baa de Eldernschloafschtubb des machte, S´ folgte awä koane Oantwordd. Doa wusste i(s)ch, meune Eldern, also Schor(s)chi un Lisedd(s)che, dahte naggi(s)cht iwä..eunnannä leihe un wollte net geschteert weern.“
„Du bist joa goans schee friwohl gejeiwwä deine Oalde, oh Enschulligung Eldern“, daht Rolfi Macko kridisiern.
Rolfi,unsä meeglichä, zukienfdi(s)chä Dorffdi(s)chtä, äwähnte noch: „Woasde mit däm Wappe fer heiti(s)ch Befugte moanst, Schor(s)chi, i(s)ch glaab, i(s)ch waaß jedds, woasde doamit moanst. Des koann mä mit folgendäm Vierzeilä beschreiwe:
Die bevozuchte Befugte
seun oft die Betuchte.
Is des gerä(s)cht?
Noa, des is schlä(s)cht !“
Hintergrundmusik: Open The Door --Mikesch Calzone (Audiyou, Free Music)
Travel --Natan (NCN Release)
Übersetzung: Es war sommerlich heißes Wetter und die Schnabbelschnuts befanden sich auf der Terrasse und im Garten. Rolfi, der Sohn vom Klausi, unserem Chef-Filosofen, war auch da, beglückte unseren Marko mit seiner Anwesenheit.
Ich unterhielt mich mit Lisettchen, meiner Frau: „Neuerdings hab ich selbst in unserem Jugenheim bereits zweimal ein Schild gelesen über Befugte und Unbefugte“, schwätzte ich und trank erstmal einen Schluck Kaffee. Dann: „Was man darauf lesen konnte, war seltsam und klang lustig. Da stand doch: Unbefugte sind hier nicht befugt Unfug zu treiben. Der Befugte.“
„Und? Was ist daran seltsam?“ wollte Lisettchen wissen.
„Na ja“, antwortete ich, „der- oder diejenige, die das Schild ans Gartentor genagelt hatten, wollten nicht irgendwelche Hinweise den Leuten geben. Er oder sie hat wohl nur gedacht, dass da irgendein Jux die Leser zum Schmunzeln bringt, mehr nicht, also nicht irgendwelche Verbote verkünden wollte.
Das ist doch nämlich Alles völlig unklar. Was bedeutet denn überhaupt Befugter und Unbefugter und was ist Unfug?
Darunter versteht doch jeder was Anderes. Also: überhaupt nichts Konkretes.
Im Mittelalter und auch kurz danach haben die Befugten, die Adeligen zum Beispiel, ein Wappen besessen, welches bereits schon gewisse Machtverhältnisse ausdrückte, das so aussehen konnte: Der Oberteil war mit hellblauem Hintergrund versehen und eine Krone dazu. Das Unterteil war rot und ein Schwert dazu.“
„Und was soll das ausdrücken?“ fragte Lisettchen.
„Ist doch klar“, klärte ich auf, „die Farbe blau symbolisiert den Himmel, die Krone die adeligen Herrscher. Der rote Unterteil ist für die Untertanen, also die Unbefugten.
Das Schwert bedeutet: Wer nicht gehorcht, kriegt diese Waffe zu spüren. Zum Beispiel: Eine Hand abgeschlagen oder manchmal sogar den Kopf. Dabei fließt Blut und das ist rot.“
„Aber heute ist das nicht mehr so“, meinte Rolfi, der meinen Ausführungen interessiert und aufmerksam zugehört hatte.
„Stimmt“, nickte ich, „heute wird das Wappen doch etwas abgeändert. Die Hintergrundfarben bleiben die Gleichen. Oben im blauen Bereich sind mehrere Fünfhundertereuroscheine zu sehen, unten im roten Bereich nur Münzen,"
„Und was soll das ausdrücken?“ wollte Rolfi wissen.
„Mach dir darüber Gedanken. Du kannst hoffentlich dahinter kommen.“
Rolfi sagte darauf nichts, aber Marko, unser fast jugendliches Söhnchen, schaltete sich in in unseres Gespräch ein: „An der Tür von meinem Zimmer müsste auch ein Schild sein“, schwätzte er, „und dort steht drauf: Für Unbefugte Zutritt verboten.“
„Und wer sind die Unbefugten?“ äußerte ich kritisch.
„Erwachsene und Fremde“, klärte der Bub uns auf.
„Das muss auf dem Schild noch stehen: Unbefugte, zerknitterte, alte Eltern“, ergänzte Rolfi, „wenn sie was Schmackhaftes zu essen bringen, dann natürlich nicht. Sonst: erst anklopfen und fragen: Darf ich eintreten?“
„Ich will auch so ein Schild“, ergänzte Mariechen, „Hund und Katze können mich immer besuchen, die sind gern gesehene Gäste. Alle anderen sollen anklopfen. Es sei denn, die bringen ein Gastgeschenk mit.“
Da war ich doch überascht. Wo hatte das Mädchen nur das Wort Gastgeschenk aufgeschnappt?“
„Woher hast du nur diesen Ausdruck?“ fragte ich verwundert.
„Weiß nicht. Ist mir gerade so eingefallen,“
„Das mit dem Anklopfen an die Tür sollten wir immer bei uns machen“, schlug ich vor.
„Hab ich schon öfters getan“, äußerte Marko dazu, „aber es kam schon vor, dass ich es bei der Elternschlafstube machte. Es folgte aber keine Antwort. Da wusste ich, meine Eltern, also Schorschi und Lisettchen, liegen nackt übereinander und wollten nicht gestört werden.“
„Du bist ja ganz schön frivol gegenüber deinen Alten, oh Entschuldigung Eltern“, kritisierte Rolfi Marko.
Rolfi, unser möglicher, zukünftiger Dorfdichter, erwähnte noch: „Was du mit dem Wappen für heutige Befugte meinst, Schorschi, ich glaube, ich weiß jetzt, was du damit meinst.
Das kann man mit folgenden Vierzeiler beschreiben:
Die bevorzugte Befugten
sind oft die Betuchten.
Ist das gerecht?
Nein, das ist schlecht !“