Ich wäre gern ein Engel (mit Video 1m52s)
Oan eunäm Sunndaachmoor(s)che daht Macko, unsä zwelfjähri(s)ch Seehn(s)che oam Friehschticksdisch babbeln: „Ich wär gern oan Engel, leddsdens hebb i(s)ch sogoar gedraamt devun.“
„So? Buh, du willst also nemmä bees seun, nur noch hilfsberaat un liewenswerddi(s)ch geje..iwä alle Mitber(s)chä vähoalte?“ kommendierte Lisedd(s)che, unsre Familjemuddä.
„So moan i(s)ch des des net“, daht Macko oantwordde, „ s` solle mi(s)ch Fliehel oam Ricke dsiern un i(s)ch bin in de Loag alles vun obbe zu gucke, zim Baaschpiel des Froankforddä Boankevertel mit de Wolkekraddsä.“
„Hosde so woas gedraamt? Un hosde aach die Woandäfalke gesehe, die wo uf ihre Eiä hocke un wadde, doass die Kicke aas de Schoal schluppe?“ wollt i(s)ch wisse.
Unsä Buh nickte. „Ri(s)chdi(s)ch. So woars. I(s)ch woar net nur eun gewehnli(s)chä Engel, dä wo im Noachthäm in de Luft rim fladdert. I(s)ch hodde Klamodde oa wie eun Farraoneprins, so Ti(s)chä um Kopp geschlunge mit Kwerschtreiwe un meu nackte Kerpästelle glänste golden.“
„Des heert si(s)ch indresoant oa“, bemerkte i(s)ch iwärascht, „wie kimmsde nur uf sol(s)che Sache?“
„Des waaß i(s)ch selwä net“, daht des Kinn zugewwe, „s´woar hoald laadä nur eun Draam. I(s)ch wollte so noch zim Taunus flieje un Oma un Opa besuche, doann seun i(s)ch awä dummäwaas ufgewacht un die Geschi(s)cht woar doamit be..ennet.“
„De Sven aas Bensem moante“, daht Macko waatä babbeln, „i(s)ch sollt des ufschreiwe, des wär beschtimmt eune scheene Ufgoab fer eun Noachwuksdorffdi(s)chtä. Ä soate noch dezu: Macko mach des, du koannst moal eun Dorffdi(s)chtä wern.“
„Wieso de Sven aas Bensem si(s)ch de Bergschträßä Noachwuksd(s)chtä oagenumme hodd is fer mi(s)ch eun Rätsel. I(s)ch kenn dän haaptsä(s)chlich nur als jungä Moann mit geldgieri(s)ch Oambiddsjoone“, bemerkte i(s)ch, „awä des is eun annä Teema“.
Doann: „Eiä Ferdderä hodd rä(s)cht“, daht i(s)ch väsi(s)chern, „du , Macko, konnst deraas net nur eune ufrä(s)chend Geschi(s)cht brodusiern, sunnern ne goanse Serije.
Du duhst zim Baaschpiel als Engel noach Egippte flie(s)che un dordd die Pyramide vun obbe bedroachte un noachts duhn noch Poloarli(s)chtä iwern Himmel husche.“
„In Norddafrikoa wern doch koa Poloarli(s)chtä unsre Aaache äfreihe“, daht Lisett(s)che zu bedenke gewwe.
„Schtimmt schun“, bewä(s)chte i(s)ch meun Wersching iwälä(s)chend hie un hä, „awä des macht doch nix. Allädings muss mä dezu soage: Unsä Macko is joa im Draam eun Farraoneprins un hodd demit Kontakte zim Sunnegodd, dä wo doann so woas Uugewehnli(s)ches ämeegli(s)cht.“
„Des hodd doch nix mä mit meune Dreem zu duhn“, äwirrerte unsä Buh, „des is joa nur äfunne un eun Lie(s)chnä will i(s)ch net seun.“
„Ri(s)chdi(s)ch“, nickte i(s)ch, „des macht awä nix. Du koannst joa soage, Macko, doass deune Dreem di(s)ch ar(s)ch innäli(s)ch ufgewiehlt häm un viele ägänsende Gedoanke deun Hern häm kreise loasse. Un du waaßt hoalt nemmä genaa, woas de gedraamt host un woas schpätä deun Kreadivhern noch hiezu gefie(s)cht hodd.
In de Filosooferund hebb i(s)ch des schun heifi(s)chä gedähdi(s)cht. De Klausi un die Annern häm si(s)ch beraats deroa gewehnt.“
„I(s)ch waaß net so rä(s)cht“, zegerte unsä Buh, „so foandasievull is meu Hern net.
Doa musste mä schun helfe, Schorschi.“
„Awä si(s)chä, Macko. Des duh i(s)ch gern.
Du koannst zim Beispiel väzähle, du host gedraamt, du wärst fuffsi(s)ch Joahrn äldä awä alleweil noch eun Engel im loange Noachthäm. Orrä baam Iwäfliehe vun eunäm Woandäfalkenest hodd de Greifvouhel gerufe: „Hau oab du Bleedmoann, sofo(r)dd! Du duhst mi(s)ch nur baam Briete schteern.
Orrä du duhst aasfiehrn doassde pleddsli(s)ch eun weibli(s)chä Engel geworn bist.
Also: Doa loasse sich noch viele schpoannende Äei(s)chnisse schildern.“
„Doa fällt mä noch eu“, daht i(s)ch waatä mitdaale, „des mit de Engel kennt mä aach als eun neie Schpordd hochpusche. Fliehel misste hoalt in eum Rucksack gefoaltet väschtaut un vorn oan de Brust werd dor(s)ch enschpre(s)chend Hoandhabung der Drä(s)chärieme die Fliehel enfoaltet un aach bedient.
Doamit mä si(s)ch aach in die Luft äheebe duht, muss ewwe eune Badderie als Energieschpendäsowoas ämeegli(s)che.
Des wär si(s)chä eun hochindresoantes Fraazaatvägnie(s)che un schporddli(s)che Weddbewerbe kennte aach eugefiehrt wern. Eune Flugtuur iwä Wiesboade noach Mäns, Risselsheum, Froankfordd, Offebach, Dammschdadd, Bensem. Worms unsowaatä wär beschtimmt eun dolles Medjenäei(s)chniss. Un wenn des in de Effentli(s)chkaat Oakloang finne duht, kennt mä des äwaatern zu nä Deitschloandtuur orrä sogoar Eiropatuur, genoannt Engelsflug vun Eiropa.“
Uf froanzesi(s)ch haaßt des Voll de soa(s)ch löropp, oabgekerddst VSE.
(Falls ein kritischer Leser hier meint: So einfach, wie hier beschrieben,
wird das mit den Engelsflügen nicht sein, muss ich zugeben:stimmt.
Demnächst werde ich in einer neuen Anekdote darauf eingehen)
Hintergrundmusik: AGST --dreams (NCM)
Übersetzung: An einem Samstagmorgen schwätzte Marko, unser 12-jähriges Söhnchen, am Frühstückstisch: „Ich wäre gern ein Engel, letztens hab ich sogar davon geträumt.“
„So? Bub, du willst also nie mehr böse sein, nur noch hilfsbereit und liebenswürdig gegenüber allen Mitbürgern verhalten?“ kommentierte Lisettchen, unsere Familienmutter.
„So meine ich das nicht“, antwortete Marko, „es sollen mich Flügel am Rücken zieren und ich bin in der Lage alles von oben zu schauen, zum Beispiel das Bankenviertel in Frankfurt mit den Wolkenkratzern.“
„Hast du so was geträumt ? Und hast du auch die Wanderfalken gesehen, die auf ihren Eiern sitzen und warten, dass die Küken aus der Schale schlüpfen?“ wollte ich wissen.
Unser Bub nickte. „Richtig. So war es. Ich war nicht nur ein gewöhnlicher Engel, der im Nachthemd in der Luft rum flattert. Ich hatte Klamotten an wie Pharaonenprinz, so Tücher um den Kopf geschlungen mit Querstreifen und meine nackten Körperstellen glänzten golden.“
„Dies hört sich interessant an“, bemerkte ich überrascht, „wie kommst du nur auf solche Sachen.?“
„Das weiß ich selber nicht“, gab das Kind zu, „es war halt leider nur ein Traum. So wollte ich noch zum Taunus fliegen und Oma und Opa besuchen. Dann bin ich dummerweise aufgewacht und die Geschichte war damit beendet.“
„Der Sven aus Bensheim meinte“, redete Marko weiter, „ich sollte das aufschreiben, dies wäre bestimmt eine schöne Aufgabe für einen Nachwuchsdorfdichter. Er sagte noch dazu:
Marko mach das, du kannst mal ein Dorfdichter werden.“
„Wie so der Sven aus Bensheim sich den Bersträßer Nachwuchsdorfdichtern angenommen hat, ist für mich ein Rätsel. Ich kenne den hauptsächlich nur als jungen Mann mit geldgierigen Ambitionen“, bemerkte ich, „aber das ist ein anderes Thema.“
Dann: „Euer Förderer hat recht“, versicherte ich, „du, Marko, kannst daraus nicht nur eine aufregende Geschichte produzieren, sondern eine ganze Serie. Du tust zum Beispiel als Engel nach Ägypten fliegen und dort die Pyramiden von oben betrachten und nachts huschen noch Polarlichter über den Himmel.“
„In Nordafrika werden doch keine Polarlichter unsere Augen erfreuen“, gab Lisettchen zu bedenken.
„Stimmt schon“, bewegte ich meinen Wirsching überlegend hin und her, „aber das macht doch nichts. Allerdings muss man dazu sagen: Unser Marko ist ja im Traum ein Pharaonenprinz und hat damit Kontakte zum Sonnengott, der dann so was Ungewöhnliches ermöglicht.“
„Das hat doch nichts mit meinen Träumen zu tun“, erwiderte unser Bub, „das ist ja nur erfunden und ein Lügner will ich nicht sein.“
„Richtig“, nickte ich, „das macht aber nichts. Du kannst ja sagen, Marko, dass deine Träume dich innerlich arg aufgewühlt haben und viele ergänzende Gedanken dein Hirn haben kreisen lassen. Und du weißt halt nicht mehr genau, was du geträumt hast und was später dein Kreativhirn noch hinzu gefügt hat.
In der Filosofenrunde hab ich das schon häufig gemacht. Der Klausi und die Anderen haben sich bereits daran gewöhnt.“
„Ich weiß nicht so recht“, zögerte unser Bub, „so phantasievoll ist mein Hirn nicht. Da musst du mir schon helfen, Schorschi.“
„Aber sicher Marko. Das mach ich gern.
Du kannst zum Beispiel erzählen, du hättest geträumt, du wärst fünfzig Jahre älter und immer noch ein Engel im langen Nachthemd. Oder beim Überfliegen eines Wanderfalkennestes hat der Greifvogel gerufen: „Hau ab, du Blödmann, sofort ! Du störst mich nur beim Brüten. Oder du führst aus, dass du plötzlich ein weiblicher Engel geworden bist.
Also: Da lassen sich noch viele spannende Ereignisse schildern.“
„Da fällt mit noch ein“, teilte ich weiter mit, „das mit den Engeln könnte man auch als eine neue Sportart hochpuschen. Flügel müssten halt in einem Rucksack gefaltet, verstaut und vorne an der Brust werden durch entsprechende Handhabungen der Trägerriemen die Flügel entfaltet und auch bedient..
Damit man sich auch in die Luft erhebt, muss eben eine Batterie als Energiespender so was ermöglichen.
Sicher wäre das ein hocherquickliches Freizeitvergnügen und sportliche Wettbewerbe könnten noch ein zahlreiches Publikum fesseln. Eine Flugtour über Wiesbaden nach Mainz, Rüsselsheim, Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Bensheim, Worms undsoweiter wäre bestimmt ein tolles Medienereignis. Und wenn das in der Öffentlichkeit Anklang findet, könnte man dies erweitern zu einer Deutschlandtour oder sogar Europatour, genannt Engelsflug von Europa.“
Auf französisch heißt das Vol de s`angel l`europe.