Party der Edelleute 

            auch noch weiter unten: Krach unter Edelleuten

                                                Dekadenz (mit Video 1m13s)


 „Vo eun poar Daache häm mi(s)ch Madamm un Mosjö Edelhain oagebabbelt, ob wä, also i(s)ch un ma Fraa Babett(s)che“, ä deitete uf die ihm näwesiddsende, „nettemoal im neie Kreis de Jurmä Edelleit uns eubringe wollt, beschtimmt wärs doch eune Berei(s)cherung fer ihre hochkuldurelle Rund.“
„Wieso häm die mi(s)ch net oageschproche“, moddste i(s)ch vowuffsvoll, „i(s)ch bin doch werkli(s)ch eun sä galoantä Edelmoann.“
„Ha, ha“, lachte Klausi, unsä Schäff-Filosoof, hämi(s)ch, „hier bekumme wä wirrä moal deitli(s)ch vo Aache gefiehrt, doass die Selwsteuschäddsung un die dahtsä(s)chli(s)che Realidäht werkli(s)ch sä waat aaseunannä klaffe kenne.“
Diese bleed Bemerkung vum Klausi foand i(s)ch als rei(s)chli(s)ch uukwalifidsiert, uusensibel, joa uuväschämt. Awä meu Gefäß fer äliddene Demiedi(s)chunge woar oan jänem Oawend noch nettemoal halbvoll un iwäging des eufach, i(s)ch soate nix dezu.
„Enschulligung, Ludwig, i(s)ch hebb di(s)ch totoal uuedel unnäbroche“, säuselte unsä Schäff-Filosoof un Dorffdi(s)chtä, „si(s)chä hosde dän älauchte Kreis beraats kenne gelernnt. Väzähl moal!“

De Oageschprochene nickte. „Mä dahte uns im Kuldurpavilljong vun Rosas un Ginthers Paradiesgadde dreffe. Aaßä denne Zwaa woarn noch Madamm un Mosjö Edelhain un nadierli(s)ch wä oawäsend.
Insgesoamt  woarn mä also säks Päsoone, die wo si(s)ch uf werkli(s)ch hochschtehendäm kuldurellem Nivoo mit eißerst gekonntem, elokwentem Geplaudä vägnie(s)chte..un mit redsidiern vun Gedi(s)chte.
Madam Edelhain daht voschlaache, dämnäkst eune kloane Deadägrupp euzuloade, die dähte doann des Schtick  De geschtresst Graf  Professor Doktor Doktor Wolfgoang vun Krani(s)chfeld duht väsuche seu Läwe zu genieße. Nadierlich will die Schauschpielgrupp ebbes Geld vädiene, awä i(s)ch un Babett(s)che kennte si(s)chä die finansdjell Siduaddsjoon des älauchten Kreises kräfdi(s)ch unnäschdiddse.“
„Is de Hä Graf Professor Doktor Doktor Wolfgoang vun Krani(s)chfeld aach Drä(s)chä des Hooseladdsorddens?“ foate i(s)ch.
„Des waaß i(s)ch net.
Mä sollte des aasniddse, moante Rosa“, ägänste Babett(s)che, uf meu Froag daht se net eugehe, „noach däm korze Deatäschtick kennte mä noch eune Paati für uns Edelleit dselebriern, zum Baaschpiel Schampangjä drinke un Kaviar schpeise.
Selwstväschtännli(s)ch hämmä sofordd zugesoagt.“
„Häm die Edelhains ei(s)ch net kridisiert weje däm hessi(s)che Dialekt?“ froate Heunä.
„Des häm se“, nickte Babett(s(che, „allädings aach Rosa un Ginthä misste oan ihrä Schproach noch arweide, moante die Zwaa.  I(s)ch selwä duh awä aach beraats kräfdi(s)ch iebe, gewisse Aasdrick nemmä zu babble, i(s)ch soag zim Baaschpiel nemmä Forzkuhl, sunnern nur noch Bett orrä Bett(s)che.“
„Ouh, deu Edeldoam-Karrijeere nimmt joa eune rasoante Foahrt uf“, daht Klausi schpeddeln.
„Aas Väsehe daht baa mä moal eun Forz aasäm Bobbeslo(s)ch entwei(s)che“, informierte Ludwig, „s`duht mä Leid, doass i(s)ch geforzt hebb, soate i(s)ch. Doa moante Mosjö Edelhain: Des haaßt net forze, so reede nur die Gossepennä, sunnern dolle. Un wenn mä aas Väsehe moal heerbaa ufschtooße duht, soage die Edelleit net rilpse, sunnern molle.

Doann is  noch pleddsli(s)ch eune peunli(s)che Siduaddsjoon enschtoanne. Rosa informierte: Gestern hebb i(s)ch hier mit Ginthä schee gefickt.
Rä(s)cht bedräre guckte die Edelhains beschämt zu Boode. Deruf:  Schteert sie des Wort ficke, froate Ginthä.   Sä wohl, daht Madam Edelhain väklärn, oam beste iwä so woas goar net redde, un wenns dochemoal uuumgängli(s)ch seun sollt, doann duhts defier des Wordd liexe gewwe, des bedeit lieben mit Sex.“
„Doa hebbdä joa ar(s)ch viel gelernnt“, grinste Klausi, „hebbdä aach äfoahrn, woas mä oaschadadd des Wordd scheiße babble kennt?“
„Oh ja, des hämmä: Feste Schtoffwäkselbrodukte aas de Gesäßvädiefung oabsondern.“
„Also, mit Di(s)chtung hodd so ne Aasdruckswaas werkli(s)ch nix zu duhn“, eißerte i(s)ch, „di(s)chte bedeit joa    mit wäni(s)che Wordde viel Inhalt beschreiwe, eire Edelhains häm awä groad des Gejedaal gemacht    wäni(s)ch Inhoalt mit viele Wordde beschriwwe.
Awä moal woas Anneres. Iwä die Paati fer ei(s)ch Edelleit hosde uns noch net viel väzählt, Babett(s)che. Duh uns moal deriwwä ebbes mä beri(s)chte.“
„Doa duhts net viel zu beri(s)chte gewwe. Wä vämeide halt Gossepennäschproach aasäm Meil(s)che zu schpucke un duhn eun edles Benemme zei(s)che.“
„I(s)ch, Ludwig de Edelhä, werd aach ähn Kurzgedi(s)cht, oan Zwaazaalä, redsidiern:



Mä seun goaloante Edelleit
selwsväschtännli(s)ch aach heit
.“
„Ouh, des is joa doll, de Geeth hädd si(s)chä  Gliggsdräne vägosse, wennä des geheert hädd“, grinste Klausi.
„I(s)ch koann ei(s)ch aach noch ähn annä Zwaazaalä vodraache:



Edelleit duhn si(s)ch vähoalte eißerst dezent,  galoant
unsre Schtimmung is zurigg hoaltend,  enschpoannt.

„Woas des konkret bedeit, duhn mä oam beste net nähä aasfiehrn“, daht Klausi voschlaache, „denn:



Snobnismus wolle mä werkli(s)ch net pflä(s)che
sowoas duht uns koa biss(s)che ärä(s)che.


Übersetzung: „Vor eingen Tagen hatten mich Madame und Monsieur Edelhain angesprochen, ob wir, also ich und meine Frau Babettchen“, er deutete auf die ihm nebensitzende, „nicht mal im neuen Kreis der Jugenheimer Edelleute uns einbringen wollten. Bestimmt wäre es doch eine Bereicherung für ihre hochkulturelle Runde.“
„Wieso haben die mich nicht angesprochen“, motzte ich vorwurfsvoll, „ich bin doch wirklich ein  sehr galanter Edelmann.“
„Ha, ha“, lachte Klausi, unser Chef-Filosof, hämisch, „hier bekommen wir wieder mal deutlich vor Augen geführt, dass die Selbsteinschätzung und die tatsächliche Realität doch wirklich sehr weit auseinander klaffen können.“
Diese blöde Bemerkung vom Klausi fand ich als reichlich unqualifiziert, unsensibel, ja unverschämt. Aber mein Gefäß für erlittene Demütigungen  war noch nicht mal halbvoll und überging das einfach, ich sagte nichts dazu.
„Entschuldigung, Ludwig, ich hab dich total unedel unterbrochen“, säuselte unser Chef-Filosof und Dorfdichter, „sicher hast du den erlauchten Kreis bereits kennen gelernt. Erzähle mal !“

Der Angesprochene nickte. „Wir trafen uns im Kulturpavillon von Roas und Günters Paradiesgarten. Außer denen zwei waren noch Madame und Monsieur Edelhain und natürlich wir anwesend. Insgesamt waren wir also sechs Personen, die sich auf wirklich hochstehendem kulturellen Niveau mit äußerst gekonntem, eloquenten Geplauder vergnügten....und mit rezitieren von Gedichten.
Madame Edelhain schlug vor, demnächst eine kleine Theatergruppe einzuladen. Die würde dann das Stück  Der gestresste Graf Professor Doktor Doktor DirektorWolfgang von Kranichfeld versucht sein Leben zu genießen.  Natürlich will die Schauspielgruppe etwas Geld verdienen, aber ich und Babettchen könnten sicher die fianzielle Situatiion des erlauchten Kreises kräftig unterstützen.“
„Ist der  Herr Graf Professor Doktor Doktor Direktor Wolfgang von Kranichfeld  auch Träger des Hosenlatzordens ?“ fragte ich.
„Das weiß ich nicht.
Man sollte das ausnützen, meinte Rosa“, ergänzte Babettchen, auf meine Frage ging sie nicht ein, „nach dem kurzen Theaterstück könnte man noch eine Party für uns Edelleute zelebrieren, zum Beispiel Champagner trinken und Kaviar speisen.
Selbstverständlich haben wir dem sofort zugesagt.“
„Kritisierten euch die Edelhains nicht wegen dem hessischen Dialekt ?“ fragte Heiner.
„Das taten sie“, nickte Babettchen, „ allerdings, auch Rosa und Günter müssten an ihrer Sprache noch arbeiten, meinte die Zwei. Ich selber übe auch kräftig daran, gewisse Ausdrücke nicht mehr zu schwätzen, ich sage z,B. Nicht mehr Furzkuhle, sondern nur noch Bett oder Bettchen.“
„Ouh, deine Edeldame-Karriere nimmt ja eine rasante Fahrt auf“, spöttelte Klausi.
„Aus Versehen entwich mal ein Furz aus meinem Popoloch“, informierte Ludwig, „es tut mir Leid, dass ich gefurzt habe, sagte ich. Da meinte Monsieur Edelhain: Das heißt nicht furzen, so reden nur die Gossenpenner, sondern dollen. Und wenn man mal aus Versehen hörbar aufstößt, sagen die Edelleute nicht rülpsen, sondern mollen.

Dann ist noch plötzlich eine peinliche Situation entstanden. Rosa informierte: Gestern hab mit Günter hier schön gefickt.
Recht betreten schauten die Edelhains beschämt zu Boden. Darauf: Sört Sie das Wort ficken, fragte Günter.
Sehr wohl, erklärte Madame Edelhain, am besten über so was gar nicht reden, und wenn es doch einmal unumgänglich sein sollte, dann gibt es dafür das Wort liexen, dies bedeutet lieben mit Sex.“
„Da habt ihr arg vielt gelernt“, grinste Klausi, „habt ihr auch erfahren, was man anstadt des Wortes scheißen sagen könne ?“
„Oh ja, das haben wir: Feste Stoffwechselprodukte aus der Gesäßvertiefung absondern.“
„Also, mit Dichtung hat so eine Ausdrucksweise wirklich nichts zu tun“, äußerte ich, „dichten bedeutet ja
mit wenigen Worten viel Inhalt beschreiben. Eure Edelhains hatten aber gerade das Gegenteil gemacht    wenig Inhalt mit vielen Worten beschrieben.
Aber mal was Anderes. Über die Party für euch Edelleute hast du uns noch nicht viel erzählt, Babettchen. Berichte uns mal etwas mehr darüber.“
„Da gibt es nicht viel zu berichten. Wir vermeiden halt Gossenpennersprache aus dem Mäulchen zu spucken und zeigen ein edles Benehmen.“
„Ich, Ludwig der Edelherr, werde auch ein Kurzgedicht, einen Zweizeiler, rezitieren:
Wir sind galante Edelleute
selbstverständlich auch heute.

„Ouh, das ist ja toll, der Goethe hätte sicher Glückstränen vergossen, wenn er das gehört hätte“, grinste Klausi.
„Ich kann auch noch einen anderen Zweizeiler vortragen:
Edelleut` verhalten sich äußerst dezent, galant
unsre Stimmung ist zurück haltend, entspannt
.“
„Was das konkret bedeutet, führen wir am besten nicht näher aus“, schlug Klausi vor, „denn:
Snobismus wollen wir wirklich nicht pflegen
so was tut uns kein bisschen erregen
.“


Krach unter Edelleuten

Eune Woch schpätä froate Klausi uf unsrä Filosooferund in der Kneipe Zum weisen Mondmann: „Noa, Ludwig un Babett(s)che, hebbdä ne Paati fer Edelleit dselebriert?“
„Hämmä“, nickte beide. „Se is awä net so äfrischend välaafe, wie mäs äwienscht hobbe“, moante Ludwig.
„So?“, froate i(s)ch, „woas is denn schief gelaafe?“
„Wä häm die Paati baa uns dehoam dor(s)chgefiehrt“, babbelte Babett(s)che, „un wollte die annern Vier mit eunäm froanzesi(s)ch Geri(s)cht begligge. Mit viel Oaschtrengung hämmä aach woas werkli(s)ch Kreativ..volles gedsaubert. Laadä dahte die, besunners die Edelhains, unsre Bemiehunge net
 enschpre(s)chend werddi(s)che.    Mosjö Edelhain daht noachäm Esse ufs Klo gehe un musste koddse...äh Enschulligung... bre(s)che. Diesä Moann soate doch doch dahtsä(s)chli(s)ch, werkli(s)ch uuväschämt: Hobbdä etwoa mit Oabsi(s)cht so eun seldsoam Esse uns ufgewunge, schee un edel is des werkli(s)ch net.“
Wä annern Filosoofe, aaßä mä noch Lena, Heunä un Klausi, musste grinse, schließli(s)ch koannte wä die oagäbli(s)ch dsaubähafte Kochkienste vun Babett(s)che un Ludwig.

„Selwsväschtännli(s)ch musste mä doa uns vädeidi(s)che un dahte väklärn: .Werkli(s)che Edelleit emfinne unsä Esse als sä delliddsjees“, babbelte Ludwig waatä, „wenn ihre Geschmacksknospe halt nix vun edlä Kie(s)ch väschtehe, duhn mä des näkste moal de Pizza- orrä dän Deenädienst in Oaschpruch nemme. Vämutli(s)ch kenne se nix anneres als so(s)ch eißerst gewehnli(s)ch Esse, des wo nur Befriedi(s)chjung
 de Hungägefiehle dient un nur Säddigung äfolge muss.“
„Madamm soate da, velli(s)ch iwäflissi(s)chäwaas, mä kennte des näkste moal zwaa ri(s)chdi(s)che Kochkienstlä be..ufdraache“, ägänste noch Babett(s)che, „doa woarn wä, si(s)chä kenntä des väschtehe, liewe Filosoofe, do(s)ch ar(s)ch belaadi(s)cht.
Also, des muss net seun, uf diese Add eun Krach uuneedi(s)ch zu brodudsiern, eißerte i(s)ch denne Zwaa.“
„Doa moante noch diesä Mosjö mit seunä oasschpruchslos Zung un Gaume“, äeiferte si(s)ch Ludwig, „Krach is eun sä uuedles Wordd, so reispern si(s)ch nur Gossepennä, ri(s)chdi(s)ch musses hier heiße Väschtimmung.
Si(s)chä verstehtä jedds“, Ludwig guckte zuschtimmungsäheischend um si(s)ch, „doass wä doa net nur beleidi(s)cht woarn, sunnern uns aaßädäm noch zusädddsli(s)ch iewel väuhzt fiehlte.
Laadä seun wä Zwaa net so schlaachferddi(s)ch wie du Klausi. Wä kennte joa moal die Edelhains in unsre Filosooferund euloade, beschtimmt kenntest du, Klausi, awä aach schun de Schor(s)chi, denne Paroli biete.“

Unsä Chef-Filosof schiddelte seun Kopp. „Noa, des is koa gute Idee. Baa diese zwaa Päsoone, woas wä bishä vun dä wisse,Ludwig, seun so Fänomäne wie Väschwennung, Hochmut un Dekadens beraats feste Beschtoand..daale ihrä Päseenli(s)chkkaat, die wo si(s)ch so schnell nemmä ännern. Mä krieje mit denne  vämutli(s)ch nur iwäflissi(s)ch Schtreid, awä sunst koan niddsli(s)ch Lustgewinn.“
„Väschwennung, Arrogoans, Dekadens“, Lena rieb si(s)ch äwaddungsvoll die Händ, „des seun genaa Theme, die wo mä gefalle duhn deriwwä zu babbeln.“
„Glaab i(s)ch dä sofordd“, nickte Klausi.
Unsä Dorffdi(s)chtä reumte:



Edel geht die Welt zu Grund
desweje seun se net in unsrä Rund.
Haaßt awä net, wä seun Uhrumpel,
sunnern eißerst liewenswerte Kumpel.

„Kenne mä si(s)chä all zuschtimme“, moante Heunä, „mä zei(s)che alleweil aach gutes Benämme, seun also edel, in de Gedränkeggläsä loasse mä nie Reste zurigg, denn Väschwennung hasse wä.“
Ähn annä gereumt Werk vun unserm Dorffdi(s)chtä oan jänem Oawend woar:



Mä sollte ä(s)chte Prodds un Prunk
s` duht nur reuziehe ga(r)sdi(s)ch Schtunk,
dä wo unsre Noas awä net rie(s)cht
droddsdäm loangsoam ins Hern krie(s)cht.
Un? Woas bassiert dordd?
Die graue Zelle wern net vämehrt
woas unsä Bewusstseun selde schteert.
Doch de Hochmut, dä werd ufgebläht
velli(s)ch iwaflissi(s)ch Gietä net väschmäht
.
„Wirrä moal iwäflissi(s)ch Gereumtes.  Deu Informaddsjoone in deum Werk, Klausi“, daht i(s)chen kridisiern, „koann mä aach in zwei drei Schti(s)chwordde gewwe. Meun Kommendaa zu deum geisdi(s)ch Ausfall:



Des is  velli(s)ch iwäflissi(s)ch Di(s)chtung,
fiehrt uns net uf ne Geistesli(s)chtung.

„Bleedsinni(s)ch, nur polemi(s)che Kridigge, bin i(s)ch vun dä gewehnt, Schor(s)chi. Des braache mä net nähä äleitern, s`duht nur Krach äzei(s)che. Nur so viel: Geistesli(s)chtung, woas eune fer(s)chdäli(s)che Worddscheppung.“
„Den Krach will i(s)ch aach net. Du host heit in deum erste Reum, dän wode uns zur Begliggung geschenkt host, woas vun liewenswerte Kumpel gebabbelt, gefaselt. Doassde des ernst moanst, konnsde uns heit oawend goans eufach beweise. Schpendier die näkst Rund Gedränke.



Wenn deu doll Oasi(s)cht koa Folge hodd,
verdiensde nix anneres als beißend Schpodd.
Drim, Klausi, duh die näkst Rund schpende,
so duhsde uns ähn ährli(s)ch Signoal sende.


Übersetzung: Eine Woche später fragte Klausi auf unserer Filosofenrunde in der Kneipe  Zum weisen Mondmann: „Na, Ludwig und Babettchen, habt ihr eine Party für Edelleute zelebriert?“
„Haben wir“, nickten beide. „Sie ist aber nicht so erfrischend verlaufen, wie wir es erwünscht hatten“, meinte Ludwig.
„So?“ fragte ich, „was ist denn schief gelaufen?“
„Wir führten die Party bei uns zu hause durch“, schwätzte Babettchen, „und wollten die anderen Vier mit einem französischen Gericht beglücken. Mit viel Anstrengung zauberten wir auch was wirklich Kreativ-
volles. Leider würdigten die, besonders die Edelhains, unsere Bemühungen nicht entsprechend. Monsieur Edelhain ging nach dem Essen aufs Klo und musste kotzen....äh Entschuldigung....brechen. Dieser Mann sagte doch tatsächlich, wirklich unverschämt: Habt ihr etwa mit Absicht so ein seltsames Essen uns aufgezwungen, schön und edel ist das wirklich nicht.“
Wir anderen Filosofen, außer mir noch Lena, Heiner und Klausi, mussten grinsen, schließlich kannten wir die angeblich zauberhaften Kochkünste von Babettchen und Ludwig.

„Selbstverständlich mussten wir da uns verteidigen und erklärten ihnen: Wirkliche Edelleute empfinden unser Essen als sehr deliziös“, schwätzte Ludwig weiter, „wenn ihre Geschmacksknospen halt nichts von edler Küche verstehen, werden wir das nächste mal den Pizza- oder den Dönerdienst in Anspruch nehmen. Vermutlich kennen sie nichts anderes als solch gewöhnliches Essen, welches nur zur Befriedigung der Hungergefühle und nur Sättigung erfolgen muss.“
„Madame sagte da, völlig überflüssigerweise, man könnte das nächste zwei richtige Kochkünstler beauf-
tragen“, ergänzte noch Babettchen, „da waren wir, sicher könnt ihr das verstehen, liebe Filosofen, doch arg beleidigt.
Also, das muss nicht sein, auf diese Art einen Krach unnötig zu produzieren, äußerte ich zu denen Zwei.“
„Da meinte noch dieser Monsieur mit seiner anspruchslosen Zunge und Gaumen“, ereiferte sich Ludwig, „Krach ist ein sehr unedles Wort, so räuspern sich nur Gossenpenner, richtig muss es hier heißen Verstimmung.
Sicher versteht ihr jetzt“, Ludwig guckte zustimmungserheischend um sich, „dass wir da nicht nur beleidigt waren, sondern uns außerdem noch zusätzlich übel veruhzt (veralbert) fühlten.
Leider sind wir Zwei nicht so schlagfertig wie du Klausi. Wir könnten ja mal die Edelhains in unsere Filosofenrunde einladen, bestimmt könntest du, Klausi, aber auch schon der Schorschi, denen Paroli bieten.“

Unser Chef-Filosof schüttelte seinen Kopf. „Nein, das ist keine gute Idee. Bei diesen zwei Personen, was wir bisher von dir wissen, Ludwig, sind so Phänomene wie Verschwendung, Hochmut und Dekadenz bereits feste Bestandteile ihrer Persönlichkeit, die sich so schnell nicht mehr ändern. Wir kriegen mit denen vermutlich nur überflüssigen Streit, aber sonst keinen nützlichen Lustgewinn.“
„Verschwendung, Arroganz, Dekadenz“, Lena rieb sich erwartungsvoll die Hände, „das sind genau Themen, die mir gefallen darüber zu reden.“
„Glaub ich dir sofort“, nickte Klausi.
Unser Dorfdichter reimte:
Edel geht die Welt zu Grunde
deswegen sind sie nicht in unsrer Runde.
Heißt aber nicht, wir sind Uhrumpel, 
(törichter Trottel)
sondern äußerst liebenswerte Kumpel.

„Können wir sicher alle zustimmen“, meinte Heiner, „wir zeigen auch immer gutes Benehmen, sind also edel, in den Getränkegläsern lassen wir nie Reste zurück, denn Verschwendung hassen wir.“
Ein anderes gereimtes Werk von unserem Dorfdichter an jenem Abend war:
Wir sollten ächten Protz und Prunk
s`tut nur reinziehen garstig Stunk,
den unsre Nase aber nicht riecht
trotzdem langsam ins Hirn kriecht.
Und? Was passiert dort?
Die grauen Zellen werden nicht vermehrt
was unsrem Bewusstsein selten stört.
Doch der Hochmut, der wird aufgebläht
völlig überflüssig` Güter nicht verschmäht.

„Wieder mal überflüssiges Gereimtes“, kritisierte ich, „deine Informationen in dem Werk, Klausi, kann man auch in zwei oder höchstens drei Stichworten wiedergeben, Mein Kommentar zu deinem geistigen Ausfall:
Das is völlig überflüssige Dichtung,
führt uns nicht auf ne Geisteslichtung.

„Bblödsinnige, nur polemische Kritiken bin ich von dir gewöhnt, Schorschi. Dies brauchen wir nicht näher erläutern, s`tut Krach erzeugen. Nur so viel: Geisteslichtung, was für eine fürchterliche Wortschöpfung.“
„Den Krach will ich auch nicht. Du hast in deinem ersten Reim, den du uns zur Beglückung geschankt hast, was von liebenswerten Kumpels geredet. Dass du das ernst meinst, kannst du heute abend ganz einfach beweisen.Spendiere die nächste Runde Getränke.
Wenn deine tolle Ansicht keine Folgen hat,
verdienst du nichts anderes als beißend Spott.  (auf hessisch reimt es sich)
Drum, Klausi,, tu die nächste Runde spenden,
so wirst du uns ein ehrlich` Signal senden
.“


Dekadenz  (mit Video 1m13s)

Ne Woch schpätä hockte wä wirrä in de Kneip  Zim weise Mondmoann  beisoamme.
„Woas soll des eigentli(s)ch seun, Dekadens?“ froate Ludwig, unsä Edelhä.
„Des bedeit soviel wie Sitteväfall, des haaßt moroali(s)che Grundsädds schtreeme de Bach runnä“,  daht Klausi oantwordde, „zim Baaschpiel bewusst Väschwennung bedreife un Hochmut, woas desselwe wie Arrogoans is, pflä(s)che als wärs ähn Schadds, de wo mä hiete misst.“
„Wieso is Väschwennung ähn Sitteväfall?“ froate Ludwig äneit, daht awä koa soforddige Oantwordd äwadde, ä babbelte glaa waatä, „meu foandasdi(s)ch Audo, de WLX 2020, kennt mä aach als Väschwennung oasehe, i(s)ch moan allädings: I(s)ch will halt Komfordd genieße un duh ebbes Luxus in Oaschpruch nemme.“
„Des kennt mä net nur als meegli(s)cheVäschwennung bedroachte, des is beraats eune“, konterte Lena Bescheide, die bekennende Roadfoahrärin, „du bist allädings net de eunzi(s)che Väschwendä, viele Leit benuddse viel zu grooße Audos un net nur wäni(s)che brei(s)chte iwähaapt goar koan Audo orrä nur goans selde.“
„Moag joa schtimme“, daht Babett(s)che zugewwe, „viellaa(s)cht hosde rä(s)cht, Ludwig un i(s)ch läwe ebbes väschwendäri(s)ch, awä deroa is doch nix uumoaloali(s)ches.“

„Oh doch“, konterte Lena, „eiä Nobelhobel is ne gewaldi(s)ch Resurseväschwennung, die wä weje de Umweltschonung  un de Nadur ei(s)chentli(s)ch dringensd oabschtelle misst. Iwä Klimawoandel, Addeschwund un so waatä hämmä joa hier in diesä Rund schun efters gebabbelt.“
„Hämmä“, nickte Klausi, „awä, Lena, du braachst net uf Babett(s)che und Ludwig rim hacke, die wersde net so schnell ännern. Aaßädäm, wennde deune Kridicke zu sä missjonoari(s)ch de Leit uubedingt unnäjubeln willst, kennt mä moane, eune gewisse Arrogoans duht si(s)ch in dä aasbreite.“
„Woas is des fer ne krude Argumendaddsjoon, Klausi. Bloß, waal evenduell, viellaa(s)cht,  meegli(s)chäwaas ebbes Arrogoans enschtehe kennt, des haaßt, doass i(s)ch mi(s)ch moroali(s)ch als bessä bedracht als Annere, koann i(s)ch doch net uf berä(s)chdi(s)cht Kridik väzi(s)chte.“
„Joa, joa, is joa gut, Lena, i(s)ch will di(s)ch net uuneedi(s)ch reize“, väsuchte Klausi se zu beruhi(s)che, „awä du musst doch aach zugewwe, doass Arrogoans, wenns iwädriffe werd aach schädli(s)ch is, waal sunst die Gefoahr beschtehe duht, doass de soddsjoale Friede geschteert werd un Gewoalt als woas goans Normoales oagesehe werd.“

Lena zuckte mit de Schuldern. „Kennt schun seun, kennt awä aach net seun.“
         Waatere Eunzelhaate vum Schtreid zwische Lena un Klausi seun net in meunäm Gedä(s)chnis hafte gebliwwe, in eunä Hinnäschubload meunes Herns is oabgelä(s)cht, doass des Gebabbel zwische denne Zwaa ziemli(s)ch fruchtlos woar, koa eudaadi(s)che Äkenntnisse, nur voage un schwammi(s)che Eißerunge.
Woas de Heunä, unsä Koampfdrinkä, zur Diskussjoon beigedraache hodd, waaß i(s)ch awä noch genau.
„I(s)ch bin mä bewusst“, babbelte ä, „meun Bierkonsum is aach eune väachtenswert Väschwennung un hoch uumoroali(s)ch. Oab sofordd will i(s)ch väsuche, in de Filosooferunde nie mä als fienf Gläsä Bier zu drinke.“
Meunä Meunung noach woar des immä noch zu viel, awä halt eun gutä un ri(s)chdjä Oafoang.
Klausis Oabschlussreum koann i(s)ch ewwefalls noch wirrägewwe:



Die Dekadens is wie ne Kroankhaat
schadet immens de gaasdi(s)ch Gesundhaat.
Drim duht Väschwennung un Hochmut meide
sunst duhtä nur eed Loangweil äleide
.

 Hintergrundmusik: JIm Josef& Alex Skrindo -Ruby (No Copyright Music Release)

                            Crunky -Freedom Trail Studio (No Copyright Music)


Übersetzung: Eine Woche später saßen wir wieder  in der Kneipe  Zum weisen Mondmann  beisammen.
„Was soll das eigentlich sein, Dekadenz?“ fragte Ludwig, unser Edelherr.
„Das bedeutet so viel wie Sittenverfall, das heißt moralische Grundsätze strömen den Bach runter“, ant-
wortete Klausi, „zum Beispiel bewusst Verschwendung betreiben und Hochmut, was das selbe wie Arroganz ist, pflegen als wäre es ein Schatz, den man hüten müsste.“
„Wieso ist Verschwendung ein Sittenverfall?“ fragte Ludwig erneut, erwartete aber keine sofortige Antwort, er schwätzte gleich weiter, „mein phantastisches Auto, der WLX 2020, könnte man auch als
Verschwendung ansehen, ich meine jedoch: Ich möchte halt Komford genießen und nehme etwas Luxus in Anspruch.“
„Dies könnte man nicht nur als mögliche Verschwendung betrachten, das ist bereits eine“, konterte Lena, die bekennende Radfahrerin, „du bist allerdings nicht der einzige Verschwender, viele Leute benutzen viel zu große Autos und nicht nur wenige bräuchten gar kein Auto oder nur ganz selten.“

„Mag ja stimmen“, gab Babettchen zu, „vielleicht hast du recht, Ludwig und ich leben etwas verschwenderisch, aber daran ist doch nichts Unmoralisches.“
„Oh doch“, konterte Lena, „euer Nobelhobel ist eine gewaltige Resourcenverschwendung, die wir wegen der Umweltschonung und der Natur eigentlich dringensd abstellen müssten. Über Klimawandel, Arten-
schwund und so weiter haben wir ja hier in dieser Runde schon öfters geredet.“
„Haben wir“, nickte Klausi, „aber, Lena, du brauchst nicht auf Babettchen und Ludwig rum hacken, die wirst du nicht so schnell ändern. Außerdem, wenn du deine Kritiken zu sehr missionarisch den Leuten unbeginnt unterjubeln willst, könnte man meinen, eine gewisse Arroganz breitet sich in dir aus.“
„Was für eine krude Argumentation, Klausi. Bloß, weil eventuell, vielleicht, möglicherweise etwas Arroganz entstehen bei mir entstehen könnte, das heißt, dass ich mich moralisch als besser betrachte als Andere, kann ich doch nicht auf berechtigte Kritik verzichten.“
„Ja, ja, ist ja gut, Lena, ich will dich nicht unnötig reizen“, versuchte Klausi sie zu beruhigen, „aber du musst doch zugeben, dass Arroganz, wenn es übertrieben wird auch schädlich ist, weil sonst die Gefahr besteht, dass der soziale Frieden gestört wird und Gewalt als was ganz Normales angesehen wird.“

Lena zuckte mit den Schultern. „Könnte sein, könnte aber auch nicht sein.“
Weitere Einzelheiten vom Streit zwischen Lena und Klausi sind nicht in meinem Gedächnis haften geblieben, in einer hinteren Schublade meines Hirns ist abgelegt, dass das Geschwätz zwischen denen Zwei ziemlich fruchtlos war, keine eindeutigen Erkenntnisse, nur vage und schwammige Äußerungen.
       Was der Heiner, unser Kampftrinker, zur Diskussion beigetragen hatte, weiß ich aber noch genau.
„Ich bin mir bewusst“, schwätzte er, „mein Bierkonsum ist auch eine verachtenswerte Verschwedung und hoch unmoralisch. Ab sofort will ich versuchen nie mehr als fünf Gläser Bier hier zu trinken.“
Meiner Meinung nach war das immer noch zu viel, aber halt ein guter und richtiger Anfang.
Klausis Abschlussreim kann ich ebenfalls noch wiedergeben:
Die Dekadenz ist wie eine Krankheit
schadet immens der geistig` Gesundheit.
Drum tut Verschwendung und Hochmut meiden
sonst tut ihr nur öde Langeweil erleiden.