Arztbesuch 

"Fraa Wieselwind, se kenne jedds Feiäowend un die Fladdä mache,“ soate Hä Doktä Antikrank, „de Hä Schnabbelschnut seun moan letztä Pazjent heit. I(s)ch kimm schun eloa zurä(s)cht“.

Fraa Wieselwind nickte dankbar un i(s)ch schlurfte, halb hinkend, in die Behannlungsstubb.

„Woas schlei(s)che se so ?  Se sehe a so blass aas. Väzähle se moal!“

„I(s)ch seun mit moanä Hindin Trude im Woald gewäse, am Melibokusmassiv“, beri(s)chtete i(s)ch, „se is äh Beschung nuff geflitzt un i(s)ch wollt hinnä hä krabble. Es loag äh bissche Schnee. I(s)ch seun doa annäm Steu aasgeruddscht, dän i(s)ch net gesehe hebb. I(s)ch Dabbes seun genaa uf moan rechte Owäschenkel gefalle un musst laat gequält ufschreie, woas awä niemoand geheert hodd“.

Zeige se moal!“ fordderte Hä Antikrank mi(s)ch uf.

Sofodd zog i(s)ch moa Hos runnä un de Oarzt inspizierte  die Bescherung.

„Doass des geschmerzt hodd, glaab i(s)ch, des sieht ja bees aas. Äh dick Beil wie ähn Abbel und ähn Bludäguss wie ähn Timpel uf nä Wiss“.

De Moann grapschte mit seune Hend, um raas zu krieje wo es iwäall schmerze däht.

Die Muskeln seun aach oagegriffe. Vor zwaa Joahrn hodd i(s)ch son ähnli(s)che Unfall“,väzählte Hä Antikrank, „i(s)ch bleedä Dabbes konnt wocheloang net naggi(s)cht mit moa Fraa iwänannä leihe“.

Awä des kriehe mä schun wirrä hie“, kindi(s)chte de Azzt oa, „mä reiwe jetz die Wunn eu mit nä Salb un mache ähn Väboand. Dehoam misse se doann de Owäschenkel dä(s)chli(s)ch euraabe un zwaamoal die Woch kimme se zu nä Bestroahlung“.  

Des hoddä doann aach gemacht un i(s)ch zog die Hos wirrä oa.

„Mä sollte jetz awä aach ähn poar annern Unnnäsuchunge mache“,moante de Moann,„se kimme ja so selte zu mä, die Gesunhaat sollte mä net schlaawe losse“.
I(s)ch woar euvästoanne.      De Bluddruck haddä gemesse un die Herzteen un die Lung middäm Stethoskop unnäsucht.  Baam Abheern vä noahm i(s)ch Glucksgereisch aas seunäm dicke Baach.

Ja, i(s)ch waaß“, entschuldi(s)chte si(s)ch Hä Antikrank, „die Gereisch kimme aas meunä Wamp. I(s)ch väspier Hungä, wenn se nix doageje hobbe, schmier i(s)ch mä jetz ähn Lewäworschtbrot, bevo mä die Unnäsuchunge forddtfiehrn“.

Des hoddä doann aach gemacht, er holte Brotschaabe, Buddä, Lewäworscht,ähn Messä un ähn Dellä aasem Schroank un schmierte ähn Brot, wel(s)ches ä sofodd väschloang.      

„Die Tiringä Worscht is werkli(s)ch sä gut. Hä Schnabbelschnut, se gucke ja so gieri(s)ch,wolle se aach oans fuddern?“

I(s)ch nickte un ä schmierte mä äh Scheib.

„Se kenne a Senf nämme, wenn se wolle“, er iwärraachte mä des Brot un ähn Senfgloas.

Alleweil mampfte i(s)ch des Lewäworschtbrot un Hä Antikrank guckte aasäm Fenstä.„Doa laaft grod äh Bolizistin voba“, soatä, „die wollt mä voähn poar Daach ähn Knöllche väbasse, wä(s)chen Falschpacke.  „I(s)ch seun Azzt“, hebb i(s)ch zuä gesoat,“ un hebb vägesse des Azztschild hie zustelle. Seun sedoch bitte net so streng zu mä“.   „Sowoas derfe se net vägesse“, hodd se geantwordd, „i(s)ch hebb koa Mitlaad, un:

 

                        Bezoahl   jetz des Knöll(s)che

                        sunst gibt´s woas ufs Böll(s)che.

 

Zim Gligg koam awä ähn annä  Bolizist,  Hä Bravfahrer, hinzu un dä woar schun moal Paddsjent ba mä. De hodd doann seu Kollä(s)chin beruhi(s)cht, i(s)chhebb koan Knöll(s)che kriggt. Se hodd mä doann sogor ähn Kräbbel oagebote“.

„Un,hebbe se dän genumme?“ froate i(s)ch.

„Awä nadierli(s)ch. I(s)ch hebbän sofodd gefresse, es hodd gut gschmeckt“.    

                       Die Unnäsuchunge, Reflexe iwäpriefe un annern Sache, hoddä doann fordd gefiehrt.

„Se hobbe äh bissche viel Baach“, monatä ,“se sollte wäni(s)chä Schnitzel esse un Sport dreife“.

„Sie seun aach net de Schloankste“, väteidi(s)chte i(s)ch mi(s)ch.

„I(s)ch waaß, se hobbe Rächt. So isses halt, viele Erzt, ich schätz ähn Drittel, hoalte si(s)ch a net an des, woas se ihre Paddsjente predi(s)che. Dies gilt awä aach fer die annern Berufe, die Boliziste zim Baaspiel.I(s)ch glaab kamm, doasse all aleweil korrekt seun. Vämutli(s)ch isses aach so, doass ähn von denne vo uns Zaatgenosse Dinge erwadde, die se selwä a net mache dähte.   Un doann noch die Lärrä. Se väloange vo de Schielä Pinktli(s)chkaat,nämmes awä fer si(s)ch selwä net so genaa. Mä seun halt all nur Mensche“.

So,i(s)ch glaab, jetz hämmä genuch gebabbelt“, koamä doann zim Abschluss, “ oachte se ebbes ufs Esse, net zu viel Schnitzel un Lewäworschtbrote, net zu viel Ebbelweu odder annern alkoholisch Gedrenk, defier aach moal rohe Karotte, Kohlrabistick(s)chä un annern Gemies“, i(s)ch  musst ba diese Worte meu Gesicht väziehn,

„ un wenn se wirrä kenne“, schluchä vor,„ebbes Sport dreife,schwimme, roadfoahrn,woas se halt wolle. Awä die Beschunge nuff flitze iwälosse se de Hunde, die kenne des bessä als wä Mensche.

Un ihr rächtes Boa misse se noch schoone. Ihr Fraa darf die nächste Woche net iwä se leihe, egal ob oagekleidet odder naggi(s)cht, umgekehrt geht´s schun ehä,

des wern se si(s)chä merke“.

 

Übersetzung:

„Frau Wieselwind, sie können jetzt Feierabend machen undgehen“, sagte

Herr Doktor Antikrank, „der Herr Schnabbelschnut ist mein letzter Patient heute. Ich komme schon allein zurecht“.

Frau Wieselwind nickte dankbar und ich schlurfte, halb hinkend, ins Behandlungszimmer.

„Was schleichen sie so? Sie sehen auch so blass aus. Erzählen sie mal!“

„Ich bin mit meiner Hündin Trude im Wald gewesen, am Melibokusmassiv“,berichtete ich, „sie ist eine Böschung hoch geflitzt und ich wollte hinter her krabbeln.Es lag ein bisschen Schnee. Ich bin an einem Stein ausgerutscht, den ich nicht gesehen habe. Ich Tollpatsch bin genau auf meinem rechten Oberschenkel gefallen und musste laut gequält aufschreien, was aber niemand gehört hat“.

„Zeigen Sie mal!“ fordertte Herr Antikrank mich auf.

Sofort zog ich meine Hose runter und der Arzt inspizierte die Bescherung.

„Dass das geschmerzt hat, glaube ich, das sieht ja böse aus. Eine dicke Beule wie ein Apfel und ein Bluterguss wie ein Tümpel auf einer Wiese“.

Der Mann grapschte mit seiner Hand, um rauszukriegen wo es  überall schmerzen würde.

Die Muskeln sind auch angegriffen. Vor zwei Jahren hatte ich einen ähnlichen Unfall“, erzählte Herr Antikrank, „ich blöder Tollpatsch konnte wochenlang nicht nackend mit meiner Frau übereinander liegen“.

„Aber das kriegen wir schon wieder hin“, kündigte der Arzt an, „wir reiben jetzt die Wunde ein mit einer Salbe und machen einen Verband. Daheim müssen sie dann den Oberschenkel täglich einreiben und zweimal die Woche kommen sie zu einer Bestrahlung“.

Das hat er dann auch gemacht und ich zog die Hose wieder an.

Wir sollten jetzt aber auch ein paar andere Untersuchungen machen“,meinte der Arzt,“sie

kommen ja so selten zu mir, die Gesundheit sollte man nicht schleifen lassen“.

Ich war einverstanden. Den Blutdruck hat er gemessen, die Herztöne und die Lunge mit einem Stethoskop untersucht.        Beim Abhören vernahm ich Glucksgeräusche aus seinem dicken Bauch.

Ja,ich weiß“, entschuldigte sich Herr Antikrank, „die Geräusche kommen aus meiner Wampe. Ich verspüre Hunger. Wenn sie nichts dagegen haben, schmiere ich mir jetzt ein Leberwurstbrot, bevor wir die Untersuchungen fortführen“.
Dies hat er dann auch gemacht, er holte Brotscheiben, Butter, Leberwurst, ein Messer und einen Teller aus einem Schrank und schmierte ein Brot, welches er sofort
verschlang.

„Die Thüringer Wurst ist wirklich sehr gut. Herr Schnabbelschnut, sie gucken ja so gierig, wollen sie auch eins futtern?“

Ich nickte und er schmierte mir eine Scheibe.

„Sie können auch Senf nehmen, wenn sie wollen“. Er überreichte mit das Brot und ein Senfglas.

Während ich das Leberwurstbrot mampfte, guckte Herr Antikrank aus dem Fenster.
“Da geht gerade eine Polizistin vorbei“, sagte er,„die wollte mir vor ein paar Tagen ein Knöllchen verpassen, wegen Falschparken.   Ich bin Arzt, habe ich zu ihr gesagt, und habevergessen das Arztschild hinzustellen. Seien sie doch bitte nicht zu streng mit mir.

So was dürfen sie nicht vergessen, hat sie geantwortet, ich habe kein Mitleid, und:
                               Bezahl jetzt das Knöllchen

                               Sonst gibt´s was auf´s Böllchen.

Zum Glück kam aber ein anderer Polizist, Herr Bravfahrer, hinzu und der war schom mal Patient bei mir. Er hatte dann seine Kollegin beruhigt, ich habe kein Knöllchen bekommen. Sie hatte mir dann sogar einen Kräppel (Berliner)angeboten“.

„Und,haben sie den genommen?“ fragte ich.

„Aber natürlich. Ich habe ihn sofort aufgegessen, es hat gut geschmeckt“.

                    Die Untersuchungen, Reflexe überprüfen und andere Sachen, hat er dann fortgeführt.
“Sie haben ein bisschen viel Bauch“, meinte er, „sie sollten weniger Schnitzel essen und Sport treiben“.

„Sie sind auch nicht der Schlankste“, verteidigte ich mich.

Ich weiß, sie haben Recht.. Viele Ärzte, ich schätze ein Drittel,halten sich auch nicht an das, was sie predigen. Dies gilt aber auch für die anderen Berufe, die Polizisten z.B. , ich glaube kaum,dass sie alle immer korrekt sind. Vermutlich ist es auch so, dass ein Drittel von denen von uns Zeitgenossen Dinge erwarten, die sie selbst auch nicht machen würden.

Und dann die Lehrer. Sie verlangen von den Schülern Pünktlichkeit,nehmen es aber für sich selbst nicht so genau. Wir sind halt alle nur Menschen“.

So, ich glaube jetzt haben wir genug gequatscht“, kam er dann zum Abschluss, „achten sie ein bisschen aufs Essen, nicht so viele Schnitzel und Leberwurstbrote,weniger Apfelwein oder andere alkoholische Getränke, dafür auch mal rohe Karotten,Kohlrabistückchen und anderes Gemüse“, ich musste bei diesen Worten mein Gesicht verziehen, „und wenn sie wieder können“, schlug er vor, „etwas Sport treiben, schwimmen,radfahren, was sie halt

wollen.        Aber die Böschungen hochflitzen überlassen wir den Hunden, die können das besser als  wir

Menschen.  Und ihr rechtes Bein müssen sie noch schonen. Ihre Frau darf die nächsten Wochen nicht über sie liegen, egal ob angekleidet oder nackend, umgekehrt geht´s schon eher,das werden sie sicher merken“.