Freiheit und Zufriedenheit I


Er(s)chenwoann musste es joa moal kumme, mä babbelte in de Filosoferund in de Kneip  Zim weise Mondmoann iwä des Themefeld   Freihaat un Zufriedehaat.

„Woas duhsde doann doazu soage, Hä Schor(s)ch Schnabbelschnut?“ froate Klausi Vielreddnä, unsä Schäff-Filosof.

„Hunnerdbrozendi(s)che Freihaat wern wä wohl nie hobbe“, daht i(s)ch oantwordde, „fer mi(s)ch däht des schun oan großä Gewinn, also Freihaatszuwoaks bedeite, wenn i(s)ch nemmä so ar(s)ch gedemiedi(s)cht werd, wenn i(s)ch effentli(s)ch meu geliebte Stimmungsliedä singe, zim Baaspiel   Meune Oma fährt im Hinkelstall Modooroad   orrä  Eune Seefaat, die is lusdi(s)ch.      Un eune geheeri(s)ch Porddsjoon Zufriedeheit däht vo mä Besidds ägreife, wenn mi(s)ch die Leit oab un zu ufforddern dähte doch nochemoal so eun schee Lied vozudraache, i(s)ch moan die beide, die wo i(s)ch schun genoannt hebb orrä aach Die Jurmä Kerb is doa.“

„Awä Schor(s)chi“, moante Klausi, „sol(s)ch Hoffnunge vo dä seun doch werkli(s)ch sä uurealisdi(s)ch. Du musst halt im Gestribb dä uuäfillboarä Winsche un de äfillboare Meegli(s)chkaate des Ri(s)chdi(s)che entwerre un ufgreife. Singe un Schor(s)chi.... des werd halt nix, doamit duhsde nur ärei(s)che, doaas viellei(s)cht oan gekwäldä Zeitgenoss dä zeh Eiro schenke duht, mit de Ufloag des Singe sofordd euzustelle, seu Kinnä bekumme schun Oangst, wennde nur deu Meil(s)che effne duhst.“

Diese bleedsinni(s)ch Bemerkung empfoand i(s)ch als äkstrem uusensibel un gemeun.

„Schor(s)chi, duh liebä ei(s)cheaddi(s)che, joa oabaddi(s)che Possegeschi(s)chte dä aasdenke un väzähle.

Uf däm Gebiet koannsde woas leiste. Awä duhs net iwädreiwe, zu sä genervvt wolle wä aach net wern.“

Diese, soadisdi(s)ch doahie geschleiderte, Bemerkunge woarn zuviel fer meu Gemiet, meun Gefäß fer äliddene Demiedi(s)chunge woar voll un begoann iwä zu laafe, i(s)ch soate oan däm Oawend nix mä un daht nur schwei(s)chend Bier drinke. Oam liebste hädd i(s)ch de Gloasinhoalt in seu grinsend Visaa(s)ch geschidd.

Klausi reumte noch, velli(s)ch uugeriehrt:



Schor(s)chi duht still in si(s)ch schluchze un jammern

Ä sollt si(s)ch väkrie(s)che in dunkle Kammern.“

Übersetzung: Irgendwann musste es ja mal kommen, wir redeten in der Filosofenrunde in der Kneipe  Zum weisen Mondmann über das Themenfeld Freiheit und Zufriedenheit.

„Was sagst du denn dazu, Herr Schorschi Schnabbelschnut?“ fragte Klausi Vielredner, unser Chef-Filosof.

Hundertprozentige Freiheit werden wir wohl nie haben“, antwortete ich, „für mich würde es schon einen großen Gewinn, also Freiheitszuwachs, bedeuten, wenn ich nicht mehr so arg gedemütigt werde, wenn ich öffentlich meine geliebten Stimmungslieder singe, zum Beispiel Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad   oder    Eine Seefahrt, die ist lustig. Und eine gehörige Portion Zufriedenheit würde von mir Besitz ergreifen, wenn mich die Leute ab und zu auffordern würden doch noch einmal so ein schönes Lied vorzutragen, ich meine die beiden, die ich schon genannt habe oder auch  Die Jugenheimer Kirchweih ist da.“

„Aber Schorschi“, meinte Klausi, „solche Hoffnungen deinerseits sind doch wirklich sehr unrealistisch. Du musst halt im Gestrüpp der unerfüllbaren Wünsche und erfüllbarer Möglichkeiten  das Richtige entwirren und aufgreifen. Singen und Schorschi.... das wird halt nichts. Damit erreichst du nur, dass vielleicht ein gequälter Zeitgenosse dir zehn Euro schenkt, mit der Auflage das Singen sofort einzustellen, seine Kinder bekommen schon Angst, wenn du nur dein Mäulchen öffnest.“

Diese Bemerkung empfand ich als extrem unsensibel und gemein.

„Schorschi, denk dir lieber eigenartige, ja abartige Possengeschichten aus und erzähle sie. Auf diesem Gebiet kannst du was leisten. Aber übertreib es nicht, zu sehr genervt wollen wir auch nicht werden.“

Diese, sadistisch dahin geschleuderten, Bemerkungen waren zu viel für mein Gemüt, mein Gefäß für erlittene Demütigungen war voll und begann über zu laufen, ich sagte an jenem Abend nichts mehr und trank nur schweigend Bier. Am liebsten hätte ich den Glasinhalt in seine grinsende Visage geschüttet.

Klausi reimte noch, völlig ungerührt:

Schorschi tut still in sich schluchzen, jammern

Er sollte sich verkriechen in dunkle Kammern.

Freiheit und Zufriedenheit II


Heunä, unsä Koampfdrinkä soate dezu in de näkst Filosoferund: „In de Zeitung hebb i(s)ch woas geläse, des wo gut meu Gefiehle wirrä spiehelt, duht, moal lausche:

Woas bedeit Freihaat fer mi(s)ch?

In de summägriene Woald wannern, mi(s)ch gedoankefrei uf wei(s)chäm Moss aasruhe, dän Trilläruf des Schwaddspe(s)chtes lausche un eune Flasch Bier genussvoll lä drinke.

Woas is Zufriedehaat?

Des Glaa(s)che. Awä net nur eune Flasch siffeln, sunnern de Inhalt eunes Säksäpacks.

Übersetzung: Heiner, unsä Kampftrinker der Filosofenrunde, sagte dazu: „In der Zeitung hab ich was gelesen, was gut meine Gefühle wieder spiegelt. Hört mal zu:

Was bedeutet Freiheit für mich?

In den sommergrünen Wald wandern, mich gedankenfrei auf weichem Moos ausruhen, dem Trillerruf des Schwarzspechtes lauschen und eine Flasche Bier genussvoll leer trinken.

Was ist Zufriedenheit?

Das Gleiche. Aber nicht nur eine Flasche süffeln, sondern den Inhalt eines Sechserpacks.

Freiheit und Zufriedenheit III


Klausi daht zusoammefasse: „Zufriedehaat koann also nur entstehe, wenn wä genie(s)chend Freihaat mit Härzz, Seel un Kerpä spiern.“

„Stimmt“, nickte i(s)ch, „i(s)ch hebb dehoam woas dezu gereumt. Duht moal lausche:



Unsä Gemiet un Seel duht Freihaat braache in diesä Welt

dezu beneedi(s)che wä net viel, awä doch ebbes Geld.

Aach fer eun Säksäpack misse mä Scheun un Miense berappe

sunst duht die Zufriedehaat niemoals klappe.

Wenn  Klausi (noch) seu Demiedi(s)chunge zurick hoalte duht

kimmt in mä net hoch, äh drauri(s)ch, uubänni(s)ch Wut.

Doann duht si(s)ch väeunzelt Gligg aasbreide

un duhn mi(s)ch nemmä zu Posse väleide.

Väschwunne seun doann meu berä(s)chdi(s)cht Raa(s)ch

braach net schidde des Bier in seu Visaa(s)ch.

Übersetzung; Klausi fasste zusammen: „Zufriedenheit kann also nur entstehen, wenn wir genügend Freiheit mit Herz, Seele und Körper spüren:“

„Stimmt“, nickte ich, „daheim reimte ich was dazu. Hört mal zu:

Gemüt und Seele werden werden Freiheit brauchen in dieser Welt

dazu benötigen wir nicht viel, aber doch etwas Geld.

Auch für einen Sechserpack müssen wir Scheine und Münzen berappen

sonst wird die Zufriedenheit niemals klappen.

Wenn Klausi (noch) seine Demütigungen zurück halten tut

kommt in mir nicht hoch eine traurig unbändige Wut.

Dann tut sich vereinzelt auch Glück ausbreiten

und werden mich nicht mehr zu Possen verleiten.

Verschwunden ist dann meine berechtigte Rage

brauch nicht schütten das Bier in seine Visage.