Nikolaus

 

Macko, willsde däm Nikolaus heit owend ähn Lied vosinge orrä ähn Gedi(s)cht vodraache?“ froate i(s)ch meun Bu. 

 

 Du moanst däm bleede Kevin, dä aach scho letzt Johr fer Geld de Nikolaus gespielt hodd. I(s)ch werd ähn Vers ufsoage, bei däm mä de Rolfi geholfe hodd.  Hor(s)che moal:  

                    Oh Nikolaus, oh Nikolaus!

                    Du wohnst innäm babbi(s)ch Haus,

                    deun roodä Moantel seun vädreckt,

                    in deunäm Hoar seun Leis västeckt

                    un aas deum Seifämeil(s)che

                    stinksde

                    wie ähn väschisse Oarsch vom Geil)s)che.“

Wennde des moachst, kriggsde koa Geschenk“, kindi(s)chte i(s)ch meunäm elfjjähri(s)che

Sohn oa, dä deruf ebbes zwaafelhaft, schun ebbes bescheiert aas de Wäsch guckte.  

 

Oan jänem Owend, es wor scho dunkel, äschien doann de Kevin baa uns un ging glaa in die Wohnstubb. Nadierli(s)ch worä väklaadet als Nikolaus. Unsä Marie(s)che, doamoals finf Johrn oald, rief sofordd,ohn oabzuwadde, ob de Moann woas soage wollt:

I(s)ch woar immä addi(s)ch un lieb, keun eunzi(s)ches moal bees.“

Des Mäd(s)che ähielt a glaa seu Geschenk, ä groß Dutt mit Sießi(s)chkaate un ebbes zu spiele.

Kevin guckte doann zim Macko un froate: „Un wie isses mit dir Macko?“

De Bu grinste un guckte zu mä. Die Befer(s)chtung noahm vo mä Besitz, ä däht jetzt den

deppe Spruch mit de Leis im Hoar vo si(s)ch gewwe. Ä daht doann ähn annä Vers vodraache, ä soate:

                I(s)ch seun aadi(s)ch des goanze Johr

                   des is net gelouhe, sunnern woahr.

                   Drim duh die Geschenk jetz raasricke

                   Doann konnst wirrä gehn un di(s)ch vädricke.“

Deruf woar de Nikolaus väblifft un konnte nix soage, ä iwärei(s)chte awä dem Bu seu Geschenk.

Oh,i(s)ch hebb doa woas vägesse, Macko. Mä word beri(s)cht du duhst baam Middaachesse sä heifi(s)ch deu Gemies net uffuddern. So geht des net.

                       Bieb(s)che, Bieb(s)che

                       Iss deu Rieb(s)che!

Väspri(s)ch mä des“, ämoahnte de Nikolaus das volaate Kinn un ä hob drohend de Fingä. De Bu nickte nur. Sekunneloang äfillte Schwei(s)che die Stubb.  

Woas duhtä all so bescheiert glotze“ unnäbrach Macko die Still, „auf Schor(s)chi-Babba, jetzt duh däm Nikolaus schun seu vädient Geldscheune gewwe, doamitä wirrä hoam laafe koann.“

Väär(s)chert guckte i(s)ch de Bu oa un schiddelte missbilli(s)chend de Kopp un blinzelte doann

zim Marie(s)che, ob`s woas bemerkt hodd. Muss de Macko uubedingt vo seunäm kloa Schwester(s)che sol(s)che Spri(s)ch mache? `S  woar gliggli(s)chäwaas awä  mit ihrä Dutt beschäfti(s)cht.

Macko guckte zu Marie(s)che un soate doann, extra laut:

Schor(s)chi, duh däm Nikolaus ähn poar Eiroscheun gewwe, doamitä fer seu Rendiern Fuddä kaafe koann.“  

Übersetzung:„Marko, willst du dem Nikolaus heute abend ein Lied vorsingen oder ein Ge-

dicht vortragen?“ fragte ich meinen Jungen.

Du meinst dem blöden Kevin, der auch schon letztes Jahr für Geld den Nikolaus gespielt hatte. Ich

werde einen Vers aufsagen, bei dem mir der Rolfi geholfen hat. Hör einmal:

                         Oh Nikolaus, oh Nikolaus!

                         Du wohnst innem verschmutzten Haus,

                         dein roter Mantel ist verdreckt

                         in deinem Haar sind Läuse versteckt

                         und aus dem Säufermäulchen

                         stinkst du

                         wie ein verschissner Arsch vom Gäulchen. (Pferdchen)“

Wenn du das machst, bekommst du kein Geschenk“, kündigte ich meinem elfjährigen Sohn

an, der darauf etwas zweifelhaft, schon etwas bescheuert aus der Wäsche guckte.

 

An jenem Abend, es war bereits dunkel, erschien dann der Kevin bei uns und ging gleich ins Wohnzimmer. Natürlich war er verkleidet als Nikolaus. Unser Mariechen, damals fünf Jahre alt, rief sofort, ohne abzuwarten, ob der Mann was sagen wollte:  Ich war immer artig und lieb, kein einziges mal bös.“

Das Mädchen erhielt auch gleich sein Geschenk, eine große Tüte mit Süßigkeiten und etwas

zu spielen.

Kevin schaute dann zum Marko und fragte: „Und wie ist es mit dir, Marko?“

Der  Bub grinste und guckte zu mir. Die Befürchtung nahm von mir Besitz, er würde jetzt den deppen Spruch mit den Läusen im Haar von sich geben. Er trug dann einen anderen Vers vor, er sagte:

                    „Ich bin artig das ganze Jahr

                    das ist nicht gelogen,sondern wahr.

                    Drum tu jetzt die Geschenke rausrücken,

                    dann kannst wieder gehen, dich verdrücken.“

Darauf war der Nikolaus verblüfft und konnte nichts sagen, er überreichte aber dem Bub sein Geschenk.

Oh,ich habe da was vergessen, Marko. Mir wurde berichtetst, du futterst beim Mittagessen sehr häufig dein Gemüse nicht auf. So geht das nicht.

                            Bübchen, Bübchen

                            iss dein Rübchen!

Versprich mir das“, ermahnte der Nikolaus das vorlaute Kind und erhob drohend den Finger.

Der Bub nickte nur. Sekundenlang erfüllte Schweigen den Raum.  

Was glotzt ihr alle so bescheuert“, unterbrach Marko die Stille, „auf Schorschi-Papa, jetzt

gib schon dem Nikolaus seine verdienten Geldscheine, damit er wieder nach hause gehen kann.“

Verärgert guckte ich den Bub an, schüttelte missbilligend den Kopf und blinzelte zu Mariechen, ob es was bemerkt hatte. Muss der Marko unbedingt vor seinem kleinen Schwester- chen solche Sprüche machen?

Es war aber mit der Tüte beschäftigt.

Marko schaute dann zu Mariechen und sagte, extra laut: „Schorschi, gib dem Nikolaus ein paar Euroscheine, damit er für seine Rentiere Futter kaufen kann.“