Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
                                  mit Video 60s
„Mä häm moal vo euni(s)chä Zaat hier in de Filosooferund deriwwä gebabbelt, doass mä all  eune gewiss Geschi(s)chtlosigkaat bedreiwe un zim Baaschpiel fast alle Zaatgenosse schun nix mä wisse iwä ihre Urgroßeldern“, äeffnete unsä Schäff-Filosoof, Klausi Vielreddnä, unsä we(s)chentli(s)ch Dreffe in de Kneip Zim weise Mondmoann.
„Ri(s)chdi(s)ch“, nickte i(s)ch, „awä mä braache des heit net nochemoal in unsrä Rund nähä belei(s)chte. Nix Neies werd debaa raaskumme, nur olle Kamelle.“
„Koann i(s)ch net zuschtimme, Hä Schor(s)ch Schabbelschnut“, kridisierte Klausi, „mä häm zwaa gesoat, doass wä diese Dahtsach bedaure, hobbe awä net uns Gedoanke gemoacht wie wä selwä in die Zukunft gucke. Doa isses doch Desselwe, koanä macht nähere Iwälä(s)chunge, wie  etwoa unsre Urenkel läwe wern.  Maastens heert mä nur  Oach, deriwwä koann i(s)ch nix soage un des indresierd mi(s)ch aach net, ähn Eufluss druff hebb i(s)ch sowieso net.
Des bedeit joa nix anneres als däht mä soage: Noach mä die Sindflut, zuminnest woas unsre Urenkel bedreffe duht.

S`kennt aach seun, doass unsre Noachfoahrn iwä uns, so wie wä heit hier hocke, aach nix mä wisse.“
„Kennt so seun“, moante Babett(s)che, „bisde doariwwä drauri(s)ch, Klausi?“
„Ebbes schun, mä kennte des laa(s)cht ännern. Wä sollte zim Baaschpiel Videos häschtelle, wie wä hier in de Kneip hocke un uns wi(s)chdi(s)che, kwälende Gedoanke mache iwä die äksistendsjelle Probläme de Menschhaat.“
„Moansde des werkli(s)ch ernst?“ grinste i(s)ch.
„Selbstväschtännli(s)ch moan i(s)ch des ernst“, oantworddete unsä Schäff-Filosoof.
„I(s)ch waaß aach net, ob des eune gute Idee is“, daht Heunä si(s)ch ins Geschprä(s)ch euschalte, „wenn unsre Noachfoahrn si(s)ch sol(s)che Videos oagucke duhn, schiddeln die womeegli(s)ch nur ihrn Kopp un läsdern:  Woas woarn des nur fer ei(s)cheaddi(s)che Geschdalde.“
„Wenn se nur des soage, seun die noch ar(s)ch heefli(s)ch“, ägänste i(s)ch, „mä kenne aach net aasschließe, doass se hinnähäldi(s)ch grinse un babbeln  Woas fer eun seldsoamä Deppehaufe orrä  Unsre Oahne woarn werkli(s)ch eune lä(s)chli(s)ch Droddelgrupp.“
„So woas koann bassiern“, nickte Heunä, „i(s)ch will net, doass wä hier iwä unsre Runde Videos zusoamme schtopple, schun goar net wenn (s)ch wirrä moal schtorddsbedrunke vum Schtuhl falle duh.“


Übersetzung: „Wir haben mal vor einiger Zeit hier in der Filoosfenrunde gesprochen, dass wir alle eine gewisse Geschichtslosogkeit betreiben und zum Beispiel fast alle Zeitgenossen schon nichts mehr wissen über ihre Großeltern“, eröffnete unser Chef-Filosof, Klausi Vielredner, unser wöchentliches Treffen in der Kneipe  Zum weisen Mondmann.
„Richtig“, nickte ich, „aber wir brauchen das heute nicht noch einmal in unserer Runde näher beleuchten. Nicht Neues wird dabei rauskommen, nur olle Kamellen.“
„Kann ich nicht zustimmen, Herr Schorschi Schnabbelschnut“, kritisierte Klausi, „wir hatten zwar gesagt, dass wir diese Tatsache bedauern, haben uns aber nicht Gedanken gemacht wie wir selber in die Zukunft schauen. Ds ist doch das Selbe, keiner macht nähere Überlegungen wie etwa unsere Urenkel leben werden. Meistens hört man nur  Och, darüber kann ich nichts sagen und das interessiert mich auch nicht, einen Einfluss darauf hab ich so wie so nicht.
Dies bedeutet ja nichts anderes als würde man sagen: Nach mir die Sindflut, zu mindestens was unsere Urenkel betrifft.

Es könnte auch sein, dass unsere Nachfahren über uns, wie wir hier heute so hocken, auch nichts mehr wissen.“
„Könnte sein“, meinte Babettchen, „bist du darüber traurig, Klausi?“
„Etwas schon, wir könnten es leicht ändern: Wir sollten zum Beispiel Videos herstellen, wie wir hier in der Kneipe sitzen und uns wichtige, quälende Gedanken machen über existentielle Probleme der Menschheit.“
„Meinst du das wirklich ernst?“ grinste ich.
„Selbstverständlich mein ich das ernst“, antwortete unser Chef-Filosof.
„Ich weiß auch nicht, ob das eine gute Idee ist“, schaltete sich Heiner ins Gespräch ein, „wenn unsere Nachfahren sich solche Videos angucken, schütteln die womöglich nur ihren Kopf und lästern: Was waren das nur für eigenartige Gestalten.“
„Wenn sie nur das sagen, sind sie noch sehr höflich“, ergänzte ich, „wir können auch nicht ausschließen, dass sie hinterhältig grinsen und schwätzen  Was für ein seltsamer Deppenhaufen oder Unsere Ahnen waren wirklich eine lächerliche Trottelgruppe.“
„So was könnte passieren“, nickte Heiner, „ich will nicht dass wir über unsere Runden Videos zusammen stoppeln, schon gar wenn ich wieder mal sturzbetrunken vom Stuhl falle.“