Üble Sprüche über hessische Städte und Regionen


De Maddin Weusifflä woar wiirämoal baa unsre Filosooferund in de Kneip Zim weise Mondmoann zu Gast. Ä wohnte net in Siedhesse, sunnern in Rheunloand-Pals, genaaä gesoat in Rheuhesse, innnäm Stadtdeil vo Worms, in Pfeddersheum.

„I(s)ch hebb in de leddst Zaat rä(s)cht nette Verse iwä hessische Städte un Regjoone gedi(s)chtet. Wieä wisst, i(s)ch bin de Dorffdi(s)chtä vo Pfeddersheum. Also, Filosoofe vo de Bergstroaß, duht moal lausche:

In däm seldsoam, ei(s)cheaddi(s)ch Wiesboade

häm viele Leit ähn gewaldi(s)ch Dachschoade.“

„Dezu duhsde nettä Vers soage, Maddin?“ froate i(s)ch, de Schor(s)chi Schnabbelschnut, vowufsvoll.

„Na, ja, velli(s)ch falsch isses net“, musst i(s)ch zugewwe  ,“wenn mä si(s)ch so euni(s)che Geschdalde im Loanddaach oagucke duht, doa seun aach bestimmt Aaßäerdische drunnä. Awä die maaste Leit vo Wiesboade seun doch ehä in die Sordd normoal euzuorddne.“

Unsä Gast daht net deruf eugehe. Ä spuckte glaa ähn weitere Spruch aasäm eil(s)che:

„In däm große, schrecklich Raudi-Froankfordd

foahrn die Audofahrä ohne Gordd.

Se rase wie die Deppe dor(s)ch die Stadt

fli(s)chte duhn doa Mensche, Hunn un Ratt

nur wenn se stecke im eed Stau

werd die agressiv Stimmung ebbes lau.“

„Iwwä Dammstadt hebb i(s)ch woas gereumt, des wo aach so dreffend vo mä gelunge is,heert moal:

In däm oagäbli(s)ch scheene Dammstadt

soage si(s)ch gut Nacht.... Kackälakke un Ratt.“

Niemoand vo uns Stammfilosoofe foand diesen Zwaadaalä doll. I(s)ch hodd de Eudruck, Maddin wollte oan diesäm Oawend noch uubedingt väbriehelt wern dor(s)ch uns.

„In däm ar(s)ch väsoffe Gieße

duhn viel Pennä ihr Läwe genieße“,

fuhr unsä Gast uubeerrt fordd.. Ä merkte net, doaasä hier eune Brovokaddsjoon noach de annern in de Ädä des Kneipereums schleiderte orrä ä wollte des net merke. Un es ging waatä:

Im loangwaali(s)ch griene Vohelsber(s)ch

hockt ähn nacktä, feistä Zwer(s)ch

,ä rappelt in allä Effentli(s)chkaat               (rappeln = pinkeln)

wenn si(s)ch dezu bietet Gelä(s)cheehaat.“

Un doann koam noch:

„In de Hochloag vo de Rheen

in de Näh vo Poppehause

moane Lustmerdä s`wär scheen

noachäm Mordd zu drinke Brause.“

„Ähn Ordd Poppehause duht dordd dahtsä(s)chli(s)ch so haaße“, informierte i(s)ch, „niemoand aas dä Gejend duht si(s)ch deroa noch steern. Die Leit hobbe si(s)ch deroa gewehnt, genaa wie meu Freinde hier iwwä meun Noame Schnabbelschnut.“

Seun näksdä Spru(s)ch woar:

Im diefe hinnern Ourewoald

fresse die Leit Stinkekees

aach im Wintä wennes koald

un reume bleede Spri(s)ch, goans bees.

De Taunusregjoon muustä aach noch ihr Fedd väbasse:

Im Niedä- un im Hochtaunus

babble die Leit gewaldi(s)ch Stuss.“

Denoach mussdä aach noch uubedingt si(s)ch iwwä die Ried-Mensche eißern:

„In däm eißerst flache Ried

penne die Leit de goanse Daach

se seun fast alleweil ar(s)ch mied

besunners wenn gedroffe vom Hiddsschlaach.“

„Nadierli(s)ch“, moante unsä Gast, „Offebach duht si(s)ch wunnbaa fer Spri(s)ch ei(s)chne:

In däm värejent Offebach

seun die Mensche faul un lieje flach.“

 „Selwvästäänli(s)ch hebb nochwoas iwä die Bergstroaß uf Loagä, duht moal.....“„Noa!“ winkte Klausi mit de Händ oabwährend, „deriwwä wolle mä oabsolut nix heern. Du vägisst wohl,Maddin, du bist hier oan de Bergstroaß. Koannsde di(s)ch hier in Hesse iwähaapt noch blicke loasse? Orrä mussde hier nur mit nä Jack, die wo äh Kapuuds hodd, rim laafe doamit du deu Visaa(s)ch västecke koannst? Des seun joa goans iewle Spri(s)ch, die wo deu seldsoam Hern broduziert hodd:

Doa wersde nur dor(s)chgepriehelt

deu Reumgebabbel is doann besiehelt

koannst mit däm Meil(s)che nur noch lalle

des duht bestimmt viel Leit gefalle.“

Niemoand vo uns Bergsträßä daht däm wirräspre(s)che, wä nickte bejahend.„Oach“, winkte Maddin oab, „des muss mä net so eng sehe. Iwä Määns un Ingelheum, die zähle joa net zu Hesse, sunnern zu Rheunloand-Pals, hebb i(s)ch aach schun woas gereumt:

In däm ei(s)cheaddi(s)ch Mainz

fiehle si(s)ch so moan(s)che Deppe wohl

aach die Bleedel Susi, Kati un de Heinz

fresse Zwiffelkuche un Worschtkohl.

De Vers iwä Ingelheum duht si(s)ch so oaheern:

In däm hisdori(s)ch Ingelheum

hocke so moan(s)che bleede Spießä

grinse dezu noch arrogoand gemeun

seun werklich net Kuldurgenießä.

Wä koannte nur västännnislos unsern Kopp schiddle iwä so viele Brovokaddsjoone.„Maddin, Maddin.....woas duhsde doa nur mache“, moante Klausi „du kenntest doch aach scheene, liebli(s)ch-sieße Verse reume, zim Baaspiel:

In Dammstadt blieht die Wisseschaft

se gedeiht dordd mit allä Kraft.

Orrä:

Im scheene, griene Vohelsber(s)ch

fiehl i(s)ch mi(s)ch nie als Zwer(s)ch.

Meu Seel duht dordd vägnie(s)cht baumeln

meu Gefiehle duhn gliggli(s)ch  taumeln.“

„Moansde des werklich ernst ?“ äwirrerte unsä Gast, „orrä hosde nur ähn Widds gemoacht?“


Übersetzung: Der Martin Weinsüffler war wieder mal bei unserer Filosofenrunde in der Kneipe Zum weisen Mondmann zu Gast. Er wohnte nicht in Südhessen, sondern in Rheinland-Pfalz, genauer gesagt in Rheinhessen, in einem Stadtteil von Worms, in Pfeddersheim.„I(s)ch hab in der letzten Zeit recht nette Verse über hessische Städte und Regionen gedichtet. Wie ihr wisst, bin ich der Dorfdichter von Pfeddersheim. Also Filosofen der Bergstraße, lauscht mal:

In dem seltsam, eigenartigen Wiesbaden

haben viele Leute einen gewaltig` Dachschaden.“

„Dazu sagst du netter Vers, Martin?“ fragte ich, der Schorschi Schnabbelschnut, vorwurfsvoll.„Na ja, völlig falsch ist es nicht“, musste ich zugeben, „wenn man sich so einige Gestalten im Landtag anschaut....da sind auch bestimmt Außerirdische dabei. Aber die meisten Leute von Wiesbaden sind doch eher in die Sorte normal einzuordnen.“Unser Gast ging nicht darauf ein. Er spuckte gleich einen weiteren Spruch aus dem Mäulchen:

In dem großen, schrecklichen Rowdy-Frankfurt

fahrn die Autofahrer ohne Gurt.

Sie rasen wie die Deppen durch die Stadt

flüchten tun da Menschen, Hund und Ratt`

nur wenn sie stecken im öd` Stau

wird die aggressive Stimmung etwas lau.

"Über Darmstadt hab ich was gereimt, welches auch so treffend von mir gelungen ist, hört mal:

In dem angeblich schönen Darmstadt

sagen sich gut Nacht....Kakerlaken und Ratt`"

Niemand von uns Stammfilosofen fand diesen Zweizeiler toll. Ich hatte den Eindruck, Martin wollte anjenem Abend noch unbedingt verprügelt werden durch uns.

„In dem arg versoffenen Gießen

tun viele Penner ihr Leben genießen“,

fuhr unser Gast unbeirrt fort. Er merkte nicht, dass er hier ein Provokation nach der anderen in den Äther des Kneipenraums schleuderte oder er wollte das nicht merken. Und es ging weiter:

Im langweilig grünen Vogelsberg

saß ein nackter, feister Zwerg

er pinkelt in aller Öffentlichkeit

wenn dazu sich bietet Gelegenheit.“

Und dann noch:

In den Hochlagen von der Rhön

in der Nähe von Poppenhausen

meinen Lustmörder es wäre schön

nach nem Mord zu trinken Brause.“

„Ein Ort Poppenhausen heißt dort tatsächlich so“, informierte ich, „niemand aus der Gegend stört sich noch daran. Die Leute haben sich daran gewöhnt, genau wie meine Freunde hier über meinen Namen Schnabbelschnut.“

Sein nächster Spruch war:

Im tiefen hinteren Odenwald

fressen die Leute Stinkekäse

auch im Winter wenn es kalt

und reimen blöd` Sprüche ganz böse.“

Der Taunusregion musste er auch noch ihr Fett verpassen:

Im Nieder- und im Hochtaunus

schwätzen die Leute gewaltig Stuss.

Danach musste er auch noch unbedingt sich über die Ried-Menschen äußern:

In dem äußerst flachen Ried

pennen die Leute den ganzen Tag

sie sind fast immer arg müd`

besonders wenn getroffen vom Hitzschlag.“

„Natürlich“, meinte unser Gast, „Offenbach eignet sich wunderbar für Sprüche:

In dem verregneten Offenbach

sind die Menschen faul und liegen flach.

„Selbstverständlich hab ich noch was über die Bergstraße auf Lager, hört mal.....“„Nein“, winkte Klausi unwirsch mit den Händen ab, „darüber wollen wir absolut nichts hören. Du vergisst wohl, Martin, du bist hier an der Bergstraße.Kannst du dich hier in Hessen überhaupt noch blicken lassen? Oder musst du hier nur mit Jacke, die eine Kapuze hat, rumlaufen, damit du dein Gesicht verstecken kannst?Das sind ja ganz üble Sprüche, die dein seltsames Hirn produziert hat:

Da wirst du nur durchgeprügelt

dein Reimgeschwätz ist dann besiegelt

kannst mit dem Mäulchen nur noch lallen

das wird vielen Leuten sehr gefallen.“

Niemand von uns Bergsträßern widersprach dem, wir nickten bejahend.

„Ach“, winkte Martin ab, „dies muss man nicht so eng sehen. Über Mainz und Ingelheim, die zählen nicht zu Hessen, sondern zu Rheinland-Pfalz, hab ich auch schon was gereimt:

In dem eigenartigen Mainz

fühlen sich so manche Deppen wohl

auch die Blödel Susi, Kati, Heinz

fressen Zwiebelkuchen und Wurstkohl.  

 Der Vers über Ingelheim hört sich so an:

Im dem historischen Ingelheim

sitzen so manche blöde Spießer

grinsen dazu noch arrogant gemein

sind wirklich nicht Kulturgenießer.

Wir konnte nur verständnislos unseren Kopf schütteln über so viele Provokationen.„Martin....Martin....was machst du nur“, meinte Klausi, „du könntest doch auch schöne, lieblich-süße Verse reimen, z.B. :

In Darmstadt blüht die Wissenschaft

sie gedeiht dort mit aller Kraft.

Oder:

Im schönen, grünen Vogelsberg

fühl` ich mich nie als Zwerg.

Meine Seele tut dort vergnügt baumeln

meine Gefühle tun glücklich taumeln.“

„Meinst du das wirklich ernst?“ erwiderte unser Gast, „oder hast du nur einen Witz gemacht?“