Sportsfreunde 

Mä hebbe gestern wirrä gewunne“, teente stolz de Heunä, „vier Doorn hebbe mä den

deppe Pungschtä in de Koaste neu gedrickt:“

Des woar ja wohl net deun Vädienst“, moante dezu de Klausi, unsä Schäff-Filosof, „du seun nur soon uuwi(s)chdi(s)ä  Zuschauä, dä nur wie ähn Vollbeklopptä bleke koann:  Jurem vo, noch ähn Door.“

Du musst awä zugewwe“, erwiderte Heunä, „doass unsä Fussballvereun viel fer unsä Ordd gedahn hodd. Unsä Dorff is jetz sogoar im hinnere Ourewoald bekoannt.“

Na un? Seun des vo Bedeitung?“ froate Klausi rhetorisch. Ä beantworddete die Froage glaa selwä: „Des seun velli(s)ch bedeitungslos. Jetz hosde nur wirrä ähn Grund di(s)ch volllaafe zu losse. Un wenn deu oagebetene Hoalbgedder verlorn hädde, dähsde aoan Bier noachäm annern dor(s)ch deu drocke Kehl fließe losse.“

Deruf schwie(s)ch de Heunä un daht ähn grooße Schluck nemme.

Gestern hebb i(s)ch die Tour de France im Fernsehe geguckt“, soate i(s)ch,de Schor(s)chi, doa worn sogoar wel(s)che aas Deitschloand oam Stroaßeroand.  Die häm die deitsch Flagg geschwenkt.“

So bleed mecht i(s)ch net seun“, knurrte Klausi, „extroa defier noach Fronkreich zu tigern.“

Wieso net?“ froate Ludwi(s)ch ,“ de Sport duht doch viel zur Velkervästännigung beidraache.“

Woas? Iwähaapt net!“ äwirrerte unsä Schäff-Filosof gereizt, „im Gejetaal. De Nationalismus wird oagestachelt. Un so schli(s)chte Gemietä, wie du Ludwi(s)ch un  du Heunä, finde des noch doll, wenn se moal ri(s)chdi(s)ch  die nationalisti(s)ch Sau raus losse kenne.

Wisstä,woas die Faszinazio vom Nationalimus seun?“ Klausi guckte bessäwisserisch in die Rund, „ja, des wisstä net, awä i(s)ch.Doa koann si(s)ch jedä Dabbes,  jedä Bleedmoann eubilde,ä wär woas Besunneres, bloß waal ä zufälli(s)ch Deitschä seun:“ Ä soate des net, ä schleiderte die Wordde Ludwi(s)ch un Heunä entgeje.

Eun Zweck duhst awä gewwe, doasses so tobende Oahängä wie ihr un annern zu denne

Sporddlä hochblicke, als seun se äh besunner wertvoll Rass“, seu Stimm word noch mä äre(s)chtä,  „Euni(s)che vo denne vädiene gänzend, nur waal se ähn Ball gut dräre kenne orrä aasdauernd uffän Rennroad hocke. Doann seun doa aach noch annern Leit die oam Sportbetrieb Geld vädiene, zim Baaspiel Dschornaliste, Fernsehfritze unsowaatä.“

Awä,des seun doch net schlimm“, daht Heunä beschwi(s)chdi(s)che, „guut Unnähaltung, un

nix anneres seun Sport fer mi(s)ch, kost halt Geld.“

Siehsde,doa hämmäs“ ,nickte Klausi,  „heifi(s)ch duhts goar net so sä um Sport gehe, sunnern ums Geldraffe.“

              Die Toanloag vo denne Drei woar sä schaff. I(s)ch oahnte, des kennte in Gehässi(s)chkaate aasarte. Doa woar i(s)ch mit meunä bliehend Foandasie gefroagt Schlimmes

zu vähinnern.

Mä misste in unserm Ordd ei(s)chene Wettkämpf väoastalte“, kindi(s)chte i(s)ch oa, „awä in

Sportardde,bei denne wä mithalte kenne.“

Wel(s)che moansde denn?“ froate de Heunä genervt, „etwoa Wettscheiße?“

Des wär äh Me(s)chli(s)chkaat“, nickte i(s)ch, „i(s)ch moan allerdings woas anners. Beim Kampfdrinke dähsde bestimmt eunä de erst Pletz belä(s)che, Heunä:“ 

De Oagesprochene guckte ebbes beleidi(s)cht. Doa wor meu Fantasie net so kreativ, des fiehlte i(s)ch sofordd. „Mä kennte nadierli(s)ch aannern Sache mache, zim Baaspiel gemischt Wettbewerbe. Koampfdraame ei(s)chnet si(s)ch prima.“ 

Die Filosoferund guckte väwerrt zu mä.

Ja,des seun so“, begoann i(s)ch zu väklärn, „ufen Sportplatzstelle mä Bette hie. I(s)ch un de Klausi zim Baaspiel duhn uns korze Zaat hieleihe, oaschließend steh mä uf un väzähle de Zuschauä unsre Draam. Die oawesende Leit misse doann abstimme, wä de indressontere Draam äläbt hodd.“

Woas duhsde denn väzähle?“ froate Babett(s)che, die sich bishä vom Gesprä(s)ch un Streit zurick geholte hodd.

Na ja..“, i(s)ch zegerte, i(s)ch musste mä erst woas aasäm Hern sauge, „ i(s)ch seun ohne Strimp,also bafuß, im koalte Herbst im Woald rim gelaafe, awä koa bissche gefrorn. Oaschließend hebb i(s)ch Hungä väspiert un hebb Moos gefuddert, woas geschmeckt hodd wie äh leckä  

Sießi(s)chkaat. Laadä hebb i(s)ch doann engstli(s)ch festgstellt, des i(s)ch mi(s)ch väerrt hebb. Deshoalb fladderte i(s)ch mit meune Flieheloarm, daht vom Boode oabhebe un flooch in die Hee(s)ch. Uf ähn dicke Ast vonäm Baam seun i(s)ch elegoant geloandet.  I(s)ch guckte um mi(s)ch. Nur Woald woarzu entdecke.Doann musste i(s)ch äh Rabbel(s)che dähti(s)che, effnete de Hoselatz un schickte ähn gäl Rabbelstroahl zu Bode. “ Zufriede daht i(s)ch mi(s)ch im Stuhl zuricklehne.

Seun des Alles?“ froate Babett(s)che skeptisch, „doamit werste awä net Sie(s)chä. Doa kenne die Pungschtä un Griesheumä bestimmt woas Intressonteres väzähle.“

Aas welchäm Ordd die Draamä kimme, seun doch worscht. Awä du host rä(s)cht. I(s)ch muss noch oan  de Geschi(s)chte arweide.

Wenn mä oam Wettkoampfdaach nix mä eufällt, duh i(s)ch halt soage,i(s)ch misst mi(s)ch nochemoal in meu worm Forzkuhl leihe, doamit i(s)ch äh Fortsetzung draam.

In de Zwischezaat konnst du Babett(s)che de Leit ähn poar seiische Witz väzähle un de Heunä un annern Koampfdrinkä beginne die zwaat Rund in Bierdrinke.“

Des is koa schlecht Idee“, unnästitzte mi(s)ch Klausi, ä hodd si(s)ch alleweil wirrä beruhi(s)cht, „i(s)ch däht meu gedraamte Äläbnisse mit de Aaßäerdische väzähle.

Wer Sie(s)chä wird, wer de zwaate un dritte Platz belä(s)cht, seun mä worscht. Die Leit seun halt so bleed un wolle unbedingt wisse, wä bessä un schlechtä oabgeschnitte hodd. In dä Beziehungs eun wä Mensche immä noch Keule schwingende un Speern werfende Steuzaatwese.

Doa hodd die  oane Stepp- Sipp zu de Woald-Sipp gesoat: Wä seun vielbessä als ihr dabbi(s)che Woaldlä, wä hebbe mä Mammuts  geteetet.Un die Woaldlä hebbe geteent:

Defier hämmä beraats riesi(s)che, gewaldi(s)ch stacke Hehlebeern ins Jensaats beferddert, des is viel, viel schwieri(s)chä.

Un die Fraue glotzte oadä(s)chti(s)ch zu de Männä hoch.“  

 

 

Übersetzung:„Wir haben wieder gewonnen“, tönte stolz der Heiner, „vier Tore haben wir den deppen Pfungstädtern in den Kasten rein gedrückt.“

Das war ja wohl nicht dein Verdienst“, meinte der Klausi, unser Chef-Filosof,“ du bist nur ein unwichtiger Zuschauer, der nur wie ein Vollbekloppter blöken kann:Jugenheim vor, noch ein Tor.“

Du musst aber zugeben“, erwiderte Heiner, „dass unser Fussballverein viel für unseren Ort getan hat. Unser Dorf ist jetzt sogar im hintersten Odenwald bekannt.“

Na und? Ist das von Bedeutung?“ fragte Klausi rhetorisch. Er beantwortete die Frage gleich selber: „Das ist völlig bedeutungslos. Jetzt hast du nur wieder einen Grund dich volllaufen zu lassen. Und wenn deine angebeteten Halbgötter verloren hätten, würde auch ein Bier nach

dem anderen durch deine trockene Kehle fließen.“

Darauf schwieg der Heiner und nahm einen großen Schluck.

Gestern habe ich mir die  Tour de France im Fernsehen angeguckt“, sagte ich, der Schorschi, „da waren sogar welche aus Deutschland am Straßenrand. Die haben die deutsche Fahne geschwenkt.“

So blöd möchte ich nicht sein“, knurrte Klausi, „extra dafür nach Frankreich zu reisen.“

Wieso nicht?“ fragte Ludwig, „der Sport trägt doch viel zur Völkerverständigung bei.“

Was? Überhaupt nicht!“ erwiderte unser Chef-Filosof gereizt, „im Gegenteil! Der Nationalismus wird angestachelt. Und so schlichte Gemüter wie du Heiner und du Ludwig

finden es noch toll, wenn sie mal richtig die nationalistische Sau rauslassen können.

Wisst ihr was die Faszination des Nationalismus ist?“ Klausi guckte besserwisserisch in die Runde,„ja, das wisst ihr nicht, aber ich. Da kann sich jeder Doofkopf, jeder Blödmann ein-

bilden, er wäre was Besonderes, bloß weil er zufällig ein Deutscher ist.“

Er sagte dies nicht, er schleuderte die Worte Ludwig und Heiner entgegen.

Einen Zweck gibt`s aber, dass so tobende Anhänger wie ihr und andere zu den Sportlern hochblicken, als seien sie eine besonders wertvolle Rasse“, seine Stimme wurde noch mehr

erregter,„Einige von denen verdienen glänzend, nur weil sie den Ball gut treten können oder ausdauernd auf dem Rennrad sitzen. Dann sind da noch andere Leute, die amSportbetrieb Geld verdienen, zum Beispiel Journalisten, Fernsehfritzen u.s.w.“

Aber das ist doch nicht schlimm“, beschwichtigte  Heiner, „gute Unterhaltung, und nichts anderes ist Sport für mich, kostet halt Geld.“

Siehst du, da haben wir es“, nickte Klausi, „häufig hat es gar nichts mit Sport zu tun, sondern nur mit Geldraffen.“

                        Die Tonlage von den Drei war sehr scharf. Ich ahnte, das könnte in Gehässigkeiten ausarten. Da war ich mit meiner blühenden Fantasie gefragt Schlimmes zu verhindern.

Wir müssten in unserem Ort eigene Wettkämpfe veranstalten“, kündigte ich an, „aber in Sportarten,bei denen wir mithalten können.“

Welche meinst du denn?“ fragte Heiner genervt, „etwa Wettscheißen?“

Das wär ne Möglichkeit“, nickte ich, „ich meine aber was anderes. Beim Kampftrinken würdest du bestimmt einen der ersten Plätze belegen, Heiner.“

Der Angesprochene guckte etwas beleidigt. Da war meine Fantasie nicht so kreativ, das fühlte ich sofort.   „Man könnte natürlich auch andere Sachen machen,zum Beispiel gemischte Wettbewerbe. Kampfträumen eignet sich prima.“

Die Filosofenrunde guckte verwirrt zu mir.

Ja, das ist so“, begann ich zu erklären, „auf dem Sportplatz stellen wir Betten hin. Ich und der Klausi zum Beispiel legen uns kurze Zeit hin. Anschließend stehen wir auf und erzählen

den Zuschauern unsere Träume. Die anwesenden Leute müssen dann abstimmen, wer den interssanteren Traum erlebt hat.“

Was erzählst du dann?“ fragte Babettchen, die sich bisher von Gespräch und Streit zurückgehalten hatte.

Na ja....“, ich zögerte, ich musste erst was aus meinem Gehirn saugen, „..ich bin ohne Strümpfe, also barfuß im Herbst im Wald rumgelaufen, aber kein bisschen fror ich. Da habe ich Hunger verspürt und Moss gefuttert, was wie eine leckere Süßigkeit schmeckte. Leider stellte ich dann ängstlich fest: Ich habe mich verirrt.  Deshalb flatterte ich mit meinen Flügelarmen, hob vom Boden ab und flog in die Höhe. Auf einem dicken Ast von einem Baum landete ich elegant. Ich schaute mich um:  Nur Wald war zu entdecken. Dann musste ich pinkeln. Ich öffnete den Hosenlatz und schickte einen gelben Pinkelstrahl zum Boden.“

Zufrieden lehnte ich mich im Stuhl zurück.

                 „Ist das Alles?“  fragteBabettchen skeptisch, „damit wirst du aber nicht Sieger. Da können die Pfungstädter und Griesheimer bestimmt was Interessanteres erzählen.“

Aus welchem Ort die Träumer kommen, ist doch wurst. Aber du hast recht,ich muss noch an den Geschichten arbeiten.    Wenn mir am Wettkampftag nichts mehr einfällt, sage ich halt,ich müsste mich nochmal in meine warme Furzkuhle (Bett)legen, damit ich eine Fortsetzung träume. In der Zwischenzeit kannst du den Leuten ein paar säuische Witze erzählen,

Babettchen,und der Heiner und andere beginnen die zweite Runde im Kampftrinken.“

Das ist keine schlechte Idee“, unterstützte mich Klausi, er hatte sich inzwischen wieder beruhigt, „ich würde meine geträumten Erlebnisse mit den Außerirdischen erzählen. Wer Sieger wird, wer den zweiten und dritten Platz belegt,ist mir wurst. Die Leute sind halt so blöd,sie wollen unbedingt wissen, wer besser und schlechter abgeschnitten hat. In dieser Beziehung sind wir Menschen immer noch Keulen schwingende und Speere werfende Steinzeitwesen.

Da hatte die eine Steppen-Sippe zu der Wald-Sippe gesagt: Wir sind viel besser als ihr ungeschickten Waldler, wir haben mehr Mammuts getötet. Und die Waldler hatten getönt: Dafür haben wir riesige, gewaltig starke Höhlenbären ins Jenseits befördert, das ist viel, viel schwieriger.

Und die Frauen glotzten andächtig zu den Männern hoch.“